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Ermittlungen: Leichenfund: Opfer setzte "Sex-Mob-Lüge" von Frankfurt in die Welt

Sie erfand mit ihrem Chef die Lüge von der massenhaften Belästigung von Frauen in der Frankfurter Freßgass in der Silvesternacht 2016 - jetzt wurde Irina A. ermordet aufgefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Mitarbeiter eines Bestattungsinstituts transportieren die Leiche von Irina K. aus dem Frankfurter Niddapark ab

Der Leichnam von Irina K. wurde am Mittwoch im Frankfurter Niddapark entdeckt

DPA

Nach dem Fund einer ermordeten Frau im Niddapark in Frankfurt am Main nimmt der Fall möglicherweise eine brisante Wendung - denn: Das Opfer ist der Polizei bekannt wegen einer berüchtigten Falschaussage.

Es handelt sich um die 29-jährige Irina A. Sie hatte gemeinsam mit dem Frankfurter Gastronomen Jan M. am Jahresanfang 2017 die sogenannte Sex-Mob-Lüge in die Welt gesetzt. Damals behaupteten sie, dass in der Silvesternacht Nordafrikaner in der Freßgass, der Gastromeile im Herzen der Mainmetropole, Frauen begrapscht und sexuell belästigt hätten. Erinnerungen an die Kölner Silvesternacht wurden wach. Nach ausführlicher Berichterstattung in der "Bild"-Zeitung stellte sich heraus: Irina A. und Jan M. hatten die Vorfälle frei erfunden, A. habe sich zum Jahreswechsel nicht einmal in Frankfurt aufgehalten, stellte die Polizei seinerzeit klar. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat gegen das Duo. Für Anfang Juni war der Prozessauftakt vorgesehen.

Doch zu einem Verfahren gegen die 29-Jährige wird es nicht mehr kommen, die junge Mutter ist tot. Ermordet mit massiver Gewalteinwirkung, wie das Obuduktionsergebnis bestätigte.

Polizei Frankfurt ermittelt "in alle Richtungen"

Vom Täter fehlt bislang jede Spur. Ob es einen Zusammenhang mit dem Falschaussage-Skandal gibt, ob Irina A. etwa zum Schweigen gebracht werden sollte, weiß die Polizei noch nicht. Es würden "natürlich alle Spuren bei den Ermittlungen berücksichtigt", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Beamten. Man ermittle in alle Richtungen. Zu der Frage, ob auch M. als Tatverdächtiger in Frage komme, habe sich die Polizei demnach nicht äußern wollen.

In dem Mordfall sucht die Frankfurter Polizei weiter Zeugen. Insbesondere Angaben von Menschen, die das Auto der Getöteten vor deren Verschwinden gesehen haben, sind für die Ermittler interessant. Es handelt sich um einen weißen Mercedes-Benz-SUV vom Typ GLE 350d mit dem Kennzeichen F - IR 88. Das Auto entdeckten Beamte in der Nähe des Leichenfundorts. Zudem sucht die Polizei nach der gelben Handtasche der Frau.

Hinweise nehmen die Kripo Frankfurt unter (069) 75553110 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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