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Anästhesie-Mittel manipuliert?: Überdosierungen im OP: Arzt soll absichtlich Patienten vergiftet haben

Ein Arzt in Frankreich soll mindestens 24 Patienten vergiftet haben. Er soll seinen Kollegen tödliche Dosierungen von Anästhesie-Mitteln untergejubelt haben, um Notfälle zu provozieren und sich selbst anschließend als Held aufzuspielen. 

Der Anästhesist Frédéric Péchier soll für den Tod von neuen Patienten verantwortlich sein 

Der Anästhesist Frédéric Péchier soll für den Tod von neuen Patienten verantwortlich sein 

AFP

In Frankreich sind Ermittlungen gegen einen Arzt eingeleitet worden, der in einer Privatklinik in der Stadt Besançon mindestens 24 Patienten vergiftet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Anästhesisten Frédéric Péchier vor, das Anästhesie-Equipment seiner Kollegen absichtlich manipuliert zu haben, um einen Notfall zu provozieren, um anschließend sein Talent demonstrieren zu können. Wie der britische "Independent" berichtet, soll der 47-Jährige den Patienten tödliche Dosierungen von Kaliumchlorid injiziert haben, um einen Herzstillstand auf dem Operationstisch auszulösen.

Die Betroffenen sind laut der Staatsanwaltschaft zwischen vier und 80 Jahren alt. Neun Menschen sollen in Folge seiner Manipulationen verstorben sein. Andere lagen tagelang im Koma. Die Fälle gehen auf die Jahre 2008 bis 2016 zurück.

Verdächtig schnelle Diagnosen 

Wie die BBC berichtet, habe die Polizei insgesamt 66 verdächtige Fälle untersucht, bei denen unerwartet Komplikationen aufgetreten waren, obwohl die Operationen im Vorfeld als nicht riskant eingestuft worden waren. Kollegen von Péchier waren misstrauisch geworden, weil er erstaunlich schnell eine Überdosierung des Anästhetikums als Ursache für die Komplikationen diagnostizieren konnte.

Staatsanwalt Etienne Manteaux erklärte laut lokaler Medien, dass Péchier in allen Fällen "der gemeinsame Nenner" gewesen sei. "Er wurde oft in der Nähe des entsprechenden Operationssaals angetroffen", und habe sofort gewusst, welche Maßnahmen er ergreifen sollte, "auch wenn niemand eine Überdosis" von Anästhesiemitteln vermuten konnte. 

Lebenslange Haft droht

Péchier weist jedoch alle Anschuldigungen zurück. "Was auch immer das Ergebnis der Ermittlungen sein wird, meine Karriere ist vorbei", sagte er Reportern auf einer Pressekonferenz. "Wer kann schon einem Arzt vertrauen, der Giftmischer genannt wird ... Meine Familie ist zerbrochen und ich habe Angst um meine Kinder."

Péchiers Anwalt Jean-Yves Le Borgne wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Es bestehe zwar die Möglichkeit, dass der Arzt für die Todesfälle verantwortlich sei, sagte er laut der Nachrichtenagentur AFP. Es handele sich bisher aber nur um eine Hypothese. Bei den zweijährigen Ermittlungen sei "nichts" herausgekommen.

Gegen den Arzt wird bereits seit 2017 ermittelt. Sollte er verurteilt werden, droht ihm lebenslange Haft. Die Berufsausübung ist ihm bereits verboten. Zudem hat er die Auflage, der Stadt Besançon fernzubleiben.

Quelle: "The Independent", BBC

ivi