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Frankreich Als Zehnjährige vom Arzt missbraucht: "Es ist eine Vergewaltigung, die ich immer weiter erlebe"

Die Silhouette einer Frau ist hinter einem Vorhang zu sehen
Eine Vergewaltigung hinterlässt bei Frauen oft ein Trauma und Scham (Symbolbild)
© Picture Alliance
In Frankreich soll ein Chirurg bis zu 250 oft Minderjährige missbraucht haben. Marie ist im Alter von zehn Jahren mutmaßlich von dem Mediziner vergewaltigt worden. Die heute 33-Jährige schildert einem Radiosender die Folgen der Tat. 

"Stellen Sie sich vor, sie schlagen ein Hardcore-Porno-Buch auf und begreifen dann, dass es dabei um Sie geht, als Sie ein Kind waren", sagt Marie, laut dem Radiosender "France bleu" eine 33-jährige Frau aus der Bretagne. Ihr Name habe in einem der Notizhefte gestanden, das bei einem pensionierten Chirurgen gefunden wurde. Darin: Namen und Sexualpraktiken von zumeist minderjährigen Patientinnen, die der Mann missbraucht haben soll. Inzwischen gehen die Ermittler von rund 250 Opfern aus. Die Verteidigung des Chirurgen behauptet, bei den Notizen handele es sich lediglich um Fantasien.

Marie hat laut eigener Aussage von den Notizen erfahren, als im August die Polizei vor ihrer Tür stand: "Ich habe mich erst gefragt, was die Polizisten von mir wollen", sagte sie laut "France bleu". Dann habe sie erfahren, dass Ermittlungen gegen einen pädophilen Chirurgen liefen und ihr Name in seinen Notizen auftauche. Demnach ist sie im Alter von zehn Jahren nach einer Blinddarm-Operation von dem Mann vergewaltigt worden. "Er beschreibt, was er tut und was er gerne getan hätte, aber aufgrund der damaligen Umstände nicht tun konnte", sagt Marie dem Radiosender. "Es ist eine Perversion, es ist keine Vergewaltigung, die am Tag der Tat aufhört, es ist eine Vergewaltigung, die ich immer weiter erlebe."

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Erinnerungen an Missbrauch kehren zurück

Sie habe eh schon seit mehreren Jahren an sich gearbeitet, weil sie in intimen Beziehungen zu Männern immer wieder Probleme gehabt habe. "Experten hatten über die Möglichkeit des sexuellen Missbrauchs in meiner Kindheit gesprochen, aber es scheint, dass mein Gedächtnis mich vor all dem geschützt hat", sagt sie laut "France bleu".

"Mit dem Hören kam alles an die Oberfläche. Die Bilder, die Empfindungen, die Erinnerungen kommen im Laufe der Tage zurück. Heute sehe ich es so, als wäre es gerade erst begangen worden. Es wirkt sich auch auf meine Beziehungen zu Familienmitgliedern und Freunden aus." Heute versuche sie, ihren Alltag mit positiver Grundeinstellung zu bewältigen. Trotzdem sei es hart. "Ich verbiete mir, mich zu schämen. Aber das funktioniert nicht. Ich habe eine Last zu tragen. Die Leute um mich herum sehen, dass es mir nicht gut geht. Aber sie wagen es nicht, darüber zu sprechen."

Sie erinnert sich an seinen eisigen Blick

Bis die Polizisten ihr Fotos zeigten, habe sie sich zwar nicht mehr an das Gesicht des Mannes erinnern können, wohl aber an seinen eisigen Blick. Sie bezeichnet den Ex-Chirurgen im Ruhestand einen "Mann der schlimmsten Art" und ein "Raubtier". Und sie treibt die Fragen um, wie er so lange als Chirurg hat praktizieren können und warum niemand seine Taten entdeckt hat. Sie sagt: "Sollten die Vorwürfe stimmen, verdient er, isoliert zu werden, damit er niemanden mehr anfassen kann." Inzwischen steht sie in Kontakt mit anderen mutmaßlichen Missbrauchsopfern des Chirurgen. Gemeinsam versuchen sie, sich gegenseitig zu unterstützen und positive Dinge zu sagen.

Anfang 2020 soll dem Ex-Chirurgen der Prozess gemacht werden.

Quelle:France bleu.


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