Französische Piraten-Geiseln Skipper offenbar von Befreier erschossen


Es war eine blutige Befreiungsaktion: Karfreitag stürmte eine französische Spezialeinheit die gekaperte Segeljacht "Tanit". Zwei Piraten und der Skipper, der mit Frau, Kind und Freunden vor Somalia in die Hände der Seeräuber gefallen war, starben. Schuld an dem Tod der Geisel war laut einem Radiobericht ein Reflex.

Der französische Segler Florent Lemaçon, der vor gut drei Wochen bei einer Befreiungsaktion vor Somalia starb, wurde offenbar von einem französischen Soldaten erschossen. Der 27-Jährige sei den Untersuchungsergebnissen zufolge eindeutig nicht von den somalischen Piraten getötet worden, berichtete der Radiosender Europa 1 am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Sowohl der Obduktionsbericht als auch der Einsatzbericht der Soldaten und die Zeugenaussagen von Lemaçons Frau Cloé deuteten auf einen tragischen Unfall hin.

Die Lemaçons waren mit ihrem dreijährigen Sohn im Juli 2008 in der Bretagne zu einer Weltreise in See gestochen. Als sie am 4. April mit einem befreundeten Paar zur afrikanischen Insel Sansibar unterwegs waren, brachten Piraten das Boot 640 Kilometer vor Somalia in ihre Gewalt. Am Karfreitag stürmte ein französisches Elite-Kommando die Jacht "Tanit". Dabei wurden der Skipper und zwei Piraten erschossen. Die vier anderen Geiseln kamen unverletzt frei.

Nach Informationen von Europe 1 hatte sich Lemaçon bei der Erstürmung der "Tanit" vor seine Frau und sein Kind gestellt, obwohl die Soldaten die Geiseln und die Piraten aufgefordert hatten, sich nicht zu bewegen. Er habe dabei reflexartig abwehrend eine Hand nach vorne gestreckt. Diese Geste habe bei einem Soldaten einen reflexhaften Schuss auslöst, meldete Europe 1 unter Berufung auf den Untersuchungsbericht.

Es gebe "ein ganzes Bündel" von Hinweisen, die auf diesen Tathergang auf dem gut zwölf Meter langen Boot schließen ließen, berichtete der Sender, der sich auf die Aussagen der beteiligten Soldaten nach dem Einsatz bezog. Auch Lemaçons Ehefrau habe es den Ermittlern so geschildert. Ihr Mann brach demnach in ihren Armen zusammen, nachdem die Kugel durch seine Hand in den Kopf gegangen sei.

Die Ermittlung der Todesursache hatte sich zunächst schwierig gestaltet, weil die tödliche Kugel nicht gefunden werden konnte. Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin hatte allerdings schnell eingeräumt, dass ein Unfall Todesursache gewesen sein könnte. "Man kann nicht ausschließen, dass bei dem Schusswechsel zwischen Piraten und Einsatzkommandos der Schuss von französischer Seite kam", sagte Morin bereits kurz nach dem Einsatz.

DPA/AFP DPA

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