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Französische Piraten-Geiseln: Tödlicher Segeltörn in "neues Leben"

Die Befreiung der von Piraten gekaperten Segelyacht "Tanit" durch französische Soldaten endete blutig: Neben zwei Piraten wurde auch eine Geisel getötet: Florent Lemaçon, der mit seiner Frau Chloé und dem dreijährigen Sohn "in ein neues Leben" segeln wollte. Das Paar war vielfach gewarnt worden.

Der Aufbruch in ein freies "neues Leben" endete im Kugelhagel von Piraten und französischen Soldaten. Voller Optimismus waren Chloé und Florent Lemaçon mit ihrem dreijährigen Sohn zum langen Segeltörn nach Sansibar aufgebrochen. Alle Warnungen vor den somalischen Seeräubern schlugen die jungen Franzosen in den Wind. "Die Piraten dürfen unseren Traum nicht zerstören", erklärten sie.

Doch am 4. April enterten Piraten ihre Jacht "Tanit". Am Gründonnerstag stellten französische Fregatten die Jacht und zerschossen das Segel. Nach fruchtlosen Verhandlungen wurde Florent (27) am Karfreitag bei einem Befreiungsversuch erschossen. Mit ihm starben zwei Seeräuber. Ihre Kumpane wurden gefangen; Chloé, der kleine Colin und ein befreundetes Paar wurden unverletzt befreit.

Dritter französischer Militärschlag

Es war der dritte französische Militärschlag gegen somalische Piraten. Und es war der blutigste. Im April 2008 hatten Kommandos sechs Piraten überwältigt, die den Segel-Kreuzfahrer "Le Ponant" mit 30 Menschen an Bord gekapert hatten. Die Seeräuber warten jetzt in Paris auf ihren Prozess. Als Piraten im September die französische Jacht "Carré d'As" in ihre Gewalt brachten, um ihre Kumpanen freizupressen, schlugen die Franzosen wieder zu. Sie töteten einen Seeräuber, überwältigten sechs weitere und befreiten beide Geiseln.

Auch nach dem Tod von Florent Lemaçon will Frankreich bei seiner kompromisslosen Haltung gegen die Seeräuber bleiben. Präsident Nicolas Sarkozy bekräftigte seine "ganze Entschlossenheit, der Erpressung nicht nachzugeben und die Piraterie in Schach zu halten". Er findet dabei breite Zustimmung. Zu gefährlich erscheinen den Franzosen die Piraten - und zu leichtsinnig manche Opfer.

Mehrfache Warnungen

Chloé und Florent Lemaçon waren mehrfach gewarnt worden. In Ägypten hatten sie sogar Jean-Yves und Bernadette Delanne getroffen, die beiden Ex-Geiseln der "Carré d'As". "Ihre Befreiung verlief blutig, und ein Pirat wurde vor ihren Augen erschossen", berichtete Chloé danach. "Aber gleichzeitig haben sie sich nie in Gefahr gefühlt, denn diese Somalier wollten nicht ihr Leben. Sie wollten vor allem Geld." Die junge Frau fügte hinzu: "Der Ozean bleibt weit. Die Piraten dürfen unseren Traum nicht zerstören."

Auch Warnungen der französischen Marine konnten das junge Paar nicht abhalten. Einen ganzen Tag lang wurde die "Tanit" vor dem Horn von Afrika von einem Hubschrauber eskortiert. "Dieser französische Kontakt fern von zu Haus mitten im Meer ist schließlich doch sehr sympathisch!", schreibt das Paar in sein Tagebuch im Internet. Immerhin segelte die Familie seit der Nacht zum 16. März auch nachts mit gelöschten Positionslichtern. Es nutzte nichts.

Am 4. April schlugen die Piraten zu. Zwei Tage später wurde die "Tanit" von einem französischen Luftaufklärer geortet. Paris setzte drei Fregatten und ein Sondereinsatzkommando in Marsch. Am Mittwoch, 8. April, nahmen die Soldaten Verhandlungen mit den Seeräubern auf. "Als Rote Linie für die Sicherheit der Geiseln hatten wir uns gesetzt, dass keiner unserer Mitbürger an Land gebracht werden darf", erklärte Verteidigungsminister Hervé Morin.

Am Donnerstag blockierte eine Fregatte die "Tanit" und zerschoss das Segel, um die Entführer zu Gesprächen zu zwingen. Da war das Land schon in Sichtweite. "Die Verhandlungen haben nichts gebracht", sagte Morin. Die Geiselnehmer hätten alle Vorschläge abgelehnt, auch Lösegeld und den Austausch von Chloé und dem kleinen Colin gegen einen Offizier. Stattdessen hätten die Piraten immer härter von der "Tötung der Geiseln und der Sprengung des Schiffes" gesprochen, das Richtung Küste getrieben sei. Sarkozy habe daraufhin den Einsatz befohlen.

Hans-Hermann Nikolei/DPA / DPA