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Angebliches Souvenir Franzosen klauen Sand auf Sardinien – nun droht ihnen jahrelange Haft

Auf Sardinien ist der Diebstahl von Sand ein massives Problem 
Auf Sardinien ist der Diebstahl von Sand ein massives Problem 
© Martin Jung / Picture Alliance
40 Kilogramm Sand wollten zwei französische Touristen offenbar aus Sardinien mit nach Hause nehmen. Es sollte ein Souvenir sein, beteuerte das Paar. Doch auf der Insel kennt man bei Diebstahl von Sand kein Pardon. 

Zwei Touristen aus Frankreich könnten im Gefängnis landen, weil sie Sand von einem der Strände Sardiniens mitgenommen haben. Insgesamt soll das Paar am Strand von Chia im Süden der Insel 14 Plastikflaschen mit Sand befüllt und diese in ein SUV geladen haben, berichtet der britische "Guardian". 40 Kilogramm Sand haben die beiden auf diese Art und Weise offenbar mitgenommen.

Als das Paar im Hafen von Porto Torres eine Fähre nach Toulon in Südfrankreich nehmen wollte, sei der Diebstahl aufgefallen. Die Franzosen behaupteten bloß ein "Souvenir" aus dem Urlaub mitnehmen zu wollen. Sie hätten nicht gewusst, dass sie etwas Verbotenes getan haben. Im schlimmsten Fall müssen sie nun mit einer Haftstrafe von bis zu sechs Jahren rechnen. 

Diebstahl von Sand boomt

Der Diebstahl von Sand ist auf Sardinien ein massives Problem. Besonders in diesem Jahr beobachte die Polizei einen regelrechten "Boom", berichtet der "Guardian" weiter. Allein in Olbia wurden in diesem Sommer zehn Tonnen Sand beschlagnahmt, die von Touristen ausgeführt werden sollte.

Weil der Sand auf Sardinien besonders fein und weiß ist, greifen Touristen hier besonders gerne zu, um ihn nach Hause zu transportieren. Mittlerweile patrouillieren sogar Wächter an den Stränden. Mancherorts weisen Schilder darauf hin, dass die Mitnahme von Sand verboten ist. Bereits im vergangenen Jahr warnte das Auswärtige Amt in Berlin: "Touristen nehmen jedes Jahr tonnenweise Sand, Steine und Muscheln als Souvenir von der Insel mit." Dies schade der Umwelt und sei per Gesetz auf der italienischen Insel verboten.

Sogar die Mafia handelt mit Sand

Aber der Diebstahl von Sand ist nicht nur auf Sardinien ein großes Problem. Gestohlen wird nicht nur, weil Touristen ein Mitbringsel wollen, sondern weil Sand ein begehrtes Gut ist. Die Nachfrage nach Sand und Kies ist so dramatisch gestiegen, dass Experten mittlerweile Alarm schlagen: "Sand ist die Grundlage unserer modernen Gesellschaft", sagt Aurora Torres, Wissenschaftlerin am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung der Deutschen Presse Agentur. 

Mittlerweile seien die Quarzkörnchen gleich nach Wasser zum weltweit am meisten konsumierten natürlichen Rohstoff mutiert. Denn Sand steckt nämlich nicht nur in Häusern, sondern so ziemlich in allem, von Glas über Asphalt bis zu Kosmetika, Zahnpasta, Mikrochips, Smartphone-Bildschirmen, Autos und Flugzeugen. Das aus Sand gewonnene Siliciumdioxid (SiO2) wird auch in der Weinindustrie und vielen Lebensmitteln verwendet.

Inzwischen hat sogar die Mafia das Geschäft mit dem Sand für sich entdeckt. Die so genannte "Sand-Mafia" operiere besonders erfolgreich in Indien, erklärt Aurora Torres. "Sie gilt dort als eine der gewalttätigsten und undurchdringlichsten Gruppen des organisierten Verbrechens."

ivi / mit DPA

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