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Gefoltert und über Bord geworfen: Ihr Bruder wird ermordet, Jahrzehnte vergehen - bis sie auf Facebook den Killer findet

Ihr Bruder wird 1978 bestialisch umgebracht. Den Mörder findet Penny Farmer 37 Jahre später über das Internet wieder. Und obwohl der alte Mann noch lebt, ist es letztlich zu spät für Gerechtigkeit.

Chis Farmer und Peta Frampton wurden im Sommer 1978 in Guatemala getötet

Chis Farmer und Peta Frampton wurden im Sommer 1978 in Guatemala getötet

Die letzten Minuten im Leben von Chris Farmer und Peta Frampton waren unvorstellbar grausam. Aber immerhin weiß Penny Farmer nun, was ihrem großen Bruder und seiner Freundin damals widerfahren ist, im Sommer 1978 vor der Küste Guatemalas. Fast 40 Jahre musste sie auf die Gewissheit warten. Nun weiß sie, wer ihren Bruder umgebracht hat. Sie weiß, wie sein junges Leben viel zu früh zu Ende ging. Und sie weiß, dass der Täter nie für die Tat wird büßen müssen, obwohl sie ihn fand, als er noch am Leben war. Der britischen BBC hat sie ihre Geschichte erzählt, bei der "Daily Mail" durfte die Journalistin sie gleich selbst aufschreiben. Auch ein Buch hat sie darüber verfasst.

Chris und Peta waren 25 und 24 Jahre alt, als sie sich im Dezember 1977 auf Weltreise machten. Er ein frisch gebackener Arzt, sie gerade mit ihrem Rechtsstudium fertig. Sie waren in der selben Straße aufgewachsen, ein Paar seit Teenager-Tagen. Nochmal die Welt sehen, bevor sie eine Familie gründen - so war ihr Plan. Doch die beiden kehrten nie wieder zurück ins britische Manchester. 

Kontakt bricht ab, quälende Monate beginnen

Die ersten sieben Monate ihrer Reise meldeten sie sich regelmäßig bei ihrer Familie daheim. Und das, in einer Zeit weit vor dem Internet und dem Strandschnappschuss, den man schnell auf Facebook hochlädt. Mit Anrufen und Briefen versicherten sie ihren Lieben, dass alles in Ordnung ist. Doch plötzlich blieben die Briefe aus, das Telefon still. Zunächst einmal ist das nicht sehr besorgniserregend. 1978 war die Welt noch eine deutlich größere. Dass man mal länger nichts voneinander hört, war so eingeplant. Doch aus Tagen wurden Wochen und schließlich Monate.

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Die Familien wandten sich an Behörden, die Polizei suchte die Gebiete ab - ohne Erfolg. Im letzten Brief hatte Peta geschrieben, dass sie einen US-Amerikaner kennengelernt hätten und mit diesem sowie dessen beiden Teenager-Söhnen zusammen nach Honduras segeln wollten. Ansonsten gebe es nichts Neues. "Auf einem Boot passiert nicht viel", hatte sie geschrieben. 

Der Hafenmeister im honduranischen Belize berichtete auf Nachfrage der Familie, dass das Boot mit dem jungen britischen Paar aufgebrochen und ohne es zurückgekommen sei. Den Amerikaner, einen Silas Boston, fand das britische Konsulat in Kalifornien und befragte ihn zu den beiden Vermissten. Der Mann war damals bereits wegen Körperverletzung, Waffenbesitz und Vergewaltigung vorbestraft. Zudem war einige Jahre zuvor seine dritte Ehefrau spurlos verschwunden. Zu den Briten sagte er: Das junge Paar hätte sein Boot verlassen, seitdem habe er die beiden nicht mehr gesehen. Er habe geglaubt, sie seien bereits längst zuhause. Beweise gegen ihn gab es nicht, der Fall endete in einer Sackgasse.

Aus der Ahnung wird Gewissheit

Über einen in Guatemala aktiven Privatermittler erfuhr die Familie dann zu Beginn des Jahres 1979, was sie schon lange geahnt hatte: Chris und Peta würden nicht zurückkommen. Bereits im Juli, kurz nachdem der Kontakt abgebrochen war, hatten Fischer rund 200 Meter vor der Küste die Leichen der Beiden gefunden. Sie trieben aufgebläht an der Wasseroberfläche, angebunden an schwere Autoteile am Meeresgrund. Niemand wusste etwas anzufangen mit dem jungen europäischen Paar, sie wurden in einem anonymen Grab beerdigt. Anhand ihrer Zähne wurden sie im Februar 1979 eindeutig identifiziert.

Obwohl es nun offiziell um Mord ging, kam Penny Farmer zufolge kaum Bewegung in die Ermittlungen. Guatemala sei ein Dritte-Welt-Land gewesen, ohne wirkliche Polizei. Die US-Behörden hätten wenig geholfen, die Beamten in Manchester hätten den Fall quasi an ihren Vater übergeben und Mitte der 80er-Jahre sei etwas passiert, "von dem wir bis heute nicht genau wissen, was es war", wodurch der Fall gänzlich in Vergessenheit geriet.

Mit Facebook findet Penny Farmer den Mörder

Die Familie ließ das Schicksal des Sohnes und Bruders natürlich nie los. Doch die Jahrzehnte vergingen. Erst im Oktober 2015 tippt Penny Farmer den Namen des Mannes in die Facebook-Suchzeile, den sie als Mörder ihres Bruders vermutet. Und findet tatsächlich Silas Boston auf Facebook, mittlerweile über 70 Jahre alt. "Weiß der Himmel, warum ich das erst so spät gemacht habe", sagt Farmer. 

Es beginnt eine neue Recherche, sie macht seine beiden Söhne ausfindig, die damals mit auf dem Boot waren - und die offenbar nie von Ermittlungsbehörden kontaktiert wurden. Beide belasten den Vater schwer. "Es ist erstaunlich, wie viel ich heute von dem Tag damals weiß", sagte Farmer.

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Den Aussagen zufolge soll es sich so abgespielt haben: Silas Boston war mit seinen beiden Söhnen und dem jungen britischen Paar auf dem Segelboot unterwegs. Er geriet mit einem seiner Söhne in Streit und verprügelte ihn. Chris Farmer ging dazwischen. Am nächsten Tag schlug Boston Chris - wohl auch aus Rache - von hinten mit einem Gegenstand nieder und stach auf ihn ein. Er fesselte Chris und vergewaltigte Peta unter Deck. Mehrere Stunden soll dieses Martyrium gedauert haben. Beide Leichen wiesen hinterher Spuren von Folter auf. Schließlich band er die beiden schwer verletzten, gefesselten Menschen an Autoteile und versenkte sie bei Bewusstsein im Meer.

Den Aussagen der beiden Söhne zufolge soll Silas Boston sogar noch mehr Menschen umgebracht haben. Jahrelang hätten sie versucht, die Behörden auf ihn aufmerksam zu machen. Man habe ihnen nicht geglaubt. Erst 2016 wurde Boston dann in einem Seniorenheim in Kalifornien festgenommen, wegen des Mordes an Chris Farmer und Peta Frampton. Doch eine Strafe erhielt der alte Mann nicht mehr. Kurz bevor der Prozess startete, starb er im Alter von 76 Jahren. Die Facebook-Seite, mit der Penny Farmer den Mörder ihres Bruders fast 40 Jahre nach der Tat aufspürte, hatte einer seiner Pfleger für ihn eingerichtet, weil sich der alte Mann beklagte, keine Freunde zu haben.