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Sexsomnie Behörde behauptet, Frau soll Schlafstörung haben – und lässt Anklage wegen Vergewaltigung fallen

Als sie aufwachte soll sie halbnackt auf einem Mann gelegen haben (Symbolfoto)
Als sie aufwachte soll sie halbnackt auf einem Mann gelegen haben (Symbolfoto)
© Getty Images
Jade M. aus London soll im Schlaf vergewaltigt worden sein. Zu einem Gerichtsprozess kommt es nie, weil die Behörde behauptet, die Frau würde an der seltenen Schlafstörung namens "Sexsomnie" leiden. Nun klagt die Frau auf Schadensersatz.

Im Frühjahr 2017 soll die damals 24-jährige Jade M. in London halbnackt auf einer Couch aufgewacht sein und soll sofort den Verdacht gehabt haben, sie sei im Schlaf vergewaltigt worden. Kurz bevor der Fall vor einem Gericht verhandelt wurde, wurde er jedoch eingestellt. Der Grund: Ermittlungsbehörden behaupten, Jade M. würde eine seltene Schlafstörung namens "Sexsomnie" haben.

Im Jahr 2017 soll Jade Medienberichten zufolge mit einer Freundin in Süden Londons unterwegs gewesen sein, um auszugehen. Ihre Freundin bestellte sich irgendwann ein Taxi, um nach Hause zu fahren. Jade wollte aber demnach gerne noch mit ein paar Bekannten einen Absacker trinken – und ging mit Ihnen in die Wohnung eines Freundes. Dort soll sie irgendwann komplett bekleidet unter einer Decke eingeschlafen sein. Als sie aufwachte lag sie wohl ohne Hose und mit geöffnetem BH auf einem Mann. Sofort hatte sie das Gefühl, als habe sie gerade Geschlechtsverkehr gehabt, schilderte sie später. Sie habe den Mann sofort gefragt, was passiert sei und was er getan habe. Er erwiderte demnach auf ihre Frage, dass er gedacht habe, sie sei wach gewesen. Anschließend sei er sofort aus der Wohnung gelaufen und hätte sogar die Tür offen stehen gelassen. Jade rief ihre Freundin an, die den Notruf wählte.

Die Polizei begleitete Jade zu forensischen Tests und entdeckte nach einem Vaginalabstrich Sperma, das später einem Mann zugeordnet werden konnte. Bei einem Verhör der Polizei machte dieser keine Aussage. Jade hingegen erzählte den Ermittlern wohl beiläufig, dass sie schon immer einen tiefen Schlaf gehabt habe und als Teenager auch schon mal schlafgewandelt sei.

Zu einem Gerichtsprozess kommt es nicht

Im Jahr 2020 sollte der Verdächtige, der sie vergewaltigt haben soll, vor Gericht gestellt werden. Doch dazu kam es nie. Drei Tage vor der Verhandlung sagten ihr die Ermittlungsbehörden, dass ihr Fall eingestellt wird – und der Angeklagte freigesprochen wird.

Schlafexperten hatten den Behörden mitgeteilt, dass Jade M. Sexsomnie habe. Dabei handelt es sich um eine medizinisch anerkannte Schlafstörung, bei der Menschen sexuelle Handlungen im Schlaf durchführen.

Jade ließ sich die Akten des Gerichts zuschicken und war geschockt, wie sich die Schlafexperten ein Urteil bilden konnten, ohne sie jemals persönlich getroffen zu haben. Die Frau reichte eine Beschwerde ein und ein unabhängiger Oberstaatsanwalt prüfte ihren Fall. Er kam zu dem Entschluss, dass ihr Fall vor dem Gericht hätte landen müssen und das die Meinungen der Schlafexperten und die Darstellung des Angeklagten angefochten hätten werden müssen.

In einer Entschuldigung schrieb der Obersaatsanwalt, dass er sich nicht vorstellen kann, was Jade M. durchgemacht haben muss oder wie sie sich fühlt. Er habe während seiner Überprüfung die verheerenden Auswirkungen auf die Frau festgestellt und kann sich nur für seine Behörde entschuldigen. Wobei das wahrscheinlich kein Trost für sie sei.

Weil der Mann, der sie vergewaltigt haben sollte, offiziell für nicht schuldig befunden wurde, kann er in diesem Fall ohne neue Beweise nicht noch einmal vor ein Gericht gestellt werden. Jade M. möchte nun die Ermittlungsbehörden auf Schadensersatz verklagen, damit nicht noch weitere Frauen solche Erfahrungen machen müssen.

Quellen: BBC

ky

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