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Carolin G. und Maria L.: Frauenmorde: Freiburg zwischen Angst und schlimmen Erinnerungen

Noch immer gibt es keinen entscheidenden Hinweis im Fall der Freiburger Frauenmorde. Der Gedanke, dass ein oder zwei Täter frei herumlaufen, schürt in der Stadt die Unsicherheit - und weckt Erinnerungen an einen anderen unaufgeklärten Mordfall.

Am Stadtbrunnen in Endingen nahe Freiburg haben Trauernde Kerzen für die ermordete Joggerin abgestellt

Am Stadtbrunnen in Endingen nahe Freiburg haben Trauernde Kerzen für die ermordete Joggerin abgestellt

Die Hoffnung war groß. Ganz kurzfristig hatte "Aktenzeichen XY" den Mord an Carolin G. ins Programm aufgenommen, um ein Millionenpublikum und somit mögliche Zeugen zu erreichen. 16 neue Hinweise brachte das im Fall der ermordeten Joggerin, 400 Hinweise gab es schon zuvor. Aber: Noch immer keine heiße Spur.

Am 6. November starb die 27-Jährige aus der nahe Freiburg gelegenen Stadt Endingen, nachdem sie zum Joggen in die Weinberge aufgebrochen war. Vier Tage später wurde ihre Leiche knapp 100 Meter vom Wegrand in einem Wäldchen gefunden. Kurz darauf die Gewissheit: Carolin G. wurde vergewaltigt und ermordet – ebenso wie die 19-jährige Maria L. aus Freiburg. Die Medizinstudentin begab sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober nach einer Party mit dem Fahrrad auf den Weg nach Hause und wurde nächsten Morgen tot in der Dreisam gefunden.

Zwei Vergewaltigungen, zwei Morde. Zwei Verbrechen innerhalb von nur drei Wochen, die sich frappierend ähneln. Ob ein Zusammenhang zwischen den Taten besteht, ist noch unklar. Aber ob es nun einen Täter gibt oder zwei, in der Region Freiburg wächst die Unsicherheit. Die Nachfrage nach Pfefferspray ist hoch. Falls die Morde vom gleichen Mann verübt wurden, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sich seine Opfer zufällig ausgesucht hat und es jede Frau treffen kann.

Der Druck auf die Polizei wächst. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schwindet die Hoffnung auf den einen entscheidenden Hinweis. Und angesichts der mangelnden Fortschritte werden in Freiburg auch noch Erinnerungen an einen anderen Fall wach: Der Mord an einem achtjährigen Jungen, der die Stadt seit Langem beschäftigt - und der noch immer nicht geklärt ist.

Freiburg führt Kriminalitätsstatistik Baden-Württembergs an

Ausgerechnet das sonst so gemütlich wirkende Freiburg, für Studentenleben, einen grünen Oberbürgermeister und sonniges Wetter bekannt, führt schon seit Jahren regelmäßig die Kriminalitätstatistik Baden-Württembergs an. In keiner anderen Stadt des Bundeslandes gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Verbrechen. In Freiburg geht es krimineller zu als in Karlsruhe, Heidelberg oder Stuttgart. Die hohen Fallzahlen seien, heißt es, unter anderem auch durch die für Verbrecher vorteilhafte Grenzlage zu erklären.

Die Freiburger Polizeipräsident beklagt seit Langem, man sei personell am Anschlag. Oft geht es um Kleinkriminalität, doch zunehmend trüben auch schwere Taten das Bild. Vor wenigen Tagen erst wurde ein 21-jähriger Mann erstochen, sein Onkel steht unter Tatverdacht. Vor einem Monat prügelten drei Unbekannte auf einen 51-Jährigen ein, der in der Innenstadt in der Nähe einer Kirche urinierte und kurz darauf an den Folgen des Angriffs starb.

Wohl mehr noch als andere Fälle aber bewegte die Stadt in den vergangenen Jahren der Tod des achtjährigen Armani. Am 21. Juli 2014 fand ein Spaziergänger in einem Bach die Leiche des Jungen. Armani, stellte sich heraus, starb durch Erwürgen. Es gibt kaum Spuren, keine wichtigen Zeugen. Monatelang verhörten die Ermittler Anwohner und durchsuchten Wohnungen. Sie untersuchten Zigarettenstummel und sicherten DNA - ohne Erfolg. Am Abend vor seinem Tod war Armani auf einem Spielplatz das letzte Mal gesehen worden. Man weiß, dass der Fundort der Leiche nicht dem Tatort entspricht, doch bis heute gibt es keinen Hinweis auf den Täter und auch kein Motiv. Die Ermittler wissen, wo Armani das letzte Mal gesehen und wo er gefunden wurde - was dazwischen geschah, wissen sie nicht. Inzwischen sind die Akten geschlossen. Der Mord blieb ungesühnt.

Noch keine DNA im Fall Carolin G.

Die Befürchtung ist groß, dass auch die Fälle Carolin G. und Maria L. nicht aufgeklärt werden können und dass ein Täter vielleicht erneut zuschlägt. Die Polizei schiebt Überstunden und arbeitet am Limit. Mehr als einen Monat ist der Mord an Maria L. inzwischen her. An der Leiche der 19-jährigen wurde männliche DNA gefunden, doch ein Abgleich mit der bundesweiten Analyse-Datei brachte nichts. Ob auch Täter-DNA bei Carolin G. gefunden werden kann, ist noch unsicher.

Trotz der auffälligen Parallelen in den beiden Fällen und der räumlichen Nähe gibt es bisher noch keine klaren Hinweise, dass die Verbrechen vom gleichen Mann verübt wurden. Wann die Ermittler sagen können, ob auch bei Carolin G. männliche DNA gefunden wurde und ob sie von der gleichen Person stammt wie die aus dem Fall Maria L., ist noch nicht klar. Die Spezialisten des LKA arbeiteten mit Hochdruck, sagte ein Polizeisprecher der "Badischen Zeitung". Was auch immer aber bei der Untersuchung herauskommt: Die Unsicherheit wird wohl nicht weniger werden.

car