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Freiburg: Polizei ermittelt im Umfeld von Studentin und Tatverdächtigem weiter

Dank akribischer Arbeit hat die Polizei den mutmaßlichen Täter im Fall der getöteten Studentin Maria L. gefasst. Doch die Ermittlungen gehen mit Hochdruck weiter.

Gedenkstätte für vergewaltigte Studentin an einem Baum in Freiburg

Der Tod der 19-jährigen Studentin am Dreisamufer in Freiburg hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst

Der mutmaßliche Täter im Fall der getöteten Freiburger Studentin Maria L. ist gefasst. Dank intensiver Arbeit der Polizei und einem bisschen Glück konnte der 17-jährige Flüchtling aus Afghanistan identifiziert und gefunden werden. Zwar ist er bisher nur tatverdächtig, doch die Beweise sind erdrückend. Am Fundort der Leiche wurden ein Haar und ein Schal von ihm gefunden, seine DNA stimmt mit den Spuren überein, die am Körper der 19-Jährigen sichergestellt werden konnten.

Die Ermittlungen sind damit aber noch lange nicht vorbei. Noch sind nicht alle Spuren ausgewertet und viele Fragen offen.

Kannten Täter und Opfer sich?

Bisher gibt es noch keinen Hinweis darauf, dass es eine Verbindung zwischen Maria L. und ihrem Vergewaltiger gab. Die Nachforschungen konzentrieren sich auf das Umfeld des mutmaßlichen Täters und des Opfers, wie ein Polizeisprecher in Freiburg mitteilte. Dabei soll unter anderem überprüft werden, ob der 17-Jährige und die 19-Jährige sich kannten. Beide wohnten im selben Stadtteil. Maria L. war in der Flüchtlingshilfe aktiv. Der aus Afghanistan stammende Tatverdächtige hat seit seiner Festnahme am Freitag keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. 

Was weiß man zum Tathergang?

Öffentlich bekannt ist noch nicht viel. Man weiß, dass Maria L. um 2.40 Uhr die Uni-Party verließ und danach mit ihrem Rad einen Weg durch die Freiburger Innenstadt und dann die Dreisam entlang nahm. Man weiß, dass der Verdächtige um 1.57 Uhr mit der Straßenbahnlinie 1 im Stadtzentrum losfuhr und um 2.10 Uhr die Endhaltestelle vor dem Stadion in der Nähe des Tatorts erreichte. Man weiß auch, dass die Tat gegen 3 Uhr morgen geschah und der junge Mann sich also 50 Minuten vor der Tat rund einen Kilometer vom Tatort entfernt aufgehalten hat. Was davor geschehen ist, versucht die Polizei nun zu ermitteln.

Wie eine Polizeisprecherin am Montag mitteilte, werden unter anderem Gäste der Studentenparty befragt, auf der das Opfer vor der Vergewaltigung gewesen war. Fotos der Feier werden zudem erneut gesichtet. Außerdem will die Polizei Videomaterial aus der Straßenbahn analysieren, in der der Verdächtige in der Tatnacht gefahren war. Die Auswertungen sollen helfen, den genauen Tathergang zu rekonstruieren. Man weiß, dass Maria L. durch Ertrinken starb. Unklar ist, ob sie gezielt ertränkt wurde oder der mutmaßliche Täter sie bewusstlos im Wasser liegen ließ.

Gibt es Verbindungen zum Fall der getöteten Joggerin Carolin G.?

Drei Wochen nach dem Tod der Medizinstudentin kam in der Nähe Freiburgs eine zweite junge Frau auf ähnliche Art ums Leben. Die 27-jährige Carolin G. aus dem gut 20 Kilometer entfernten Endingen war nachmittags zum Joggen in die Weinberge aufgebrochen und nicht mehr zurückgekehrt; vier Tage später fand die Polizei ihre Leiche in einem Wäldchen. Auch Carolin G. wurde Opfer einer Sexualstraftat. Immer wieder werden die Ermittler gefragt, ob es derselbe Täter gewesen sein könnte, immer wieder geben sie dieselbe Antwort: Bisher gibt es darauf keinen Hinweis. Bei Carolin G. konnte außerdem noch keine verwertbare DNA sichergestellt werden, die man vergleichen könnte.

Der "Badischen Zeitung" zufolge gilt ein Zusammenhang unter Ermittlern als unwahrscheinlich. Ausschließen können sie ihn dennoch nicht. Bislang gebe es keine Verbindungen, sagte Dieter Inhofer, Leiter der Freiburger Staatsanwaltschaft. Es seien aber auch noch nicht alle Spuren ausgewertet. Demnach prüfen die Ermittler etwa, ob der Verhaftete über die sozialen Medien Kontakte nach Endingen hatte.

car