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Vergewaltigte Studentin: Wie mit dem Tod von Maria L. Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird

Wegen des Mordes an einer Freiburger Studentin nahm die Polizei einen Flüchtling fest. Die Eltern der 19-Jährigen baten in der Todesanzeige um Spenden - auch für eine Initiative, die Flüchtlinge unterstützt. Das wird nun zur Stimmungsmache genutzt.

Blumen und Kerzen stehen in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde die getötete Studentin Maria L. aufgefunden.

Blumen und Kerzen stehen in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde die getötete Studentin Maria L. aufgefunden. 

Die Medizinstudentin Maria L. wurde Mitte Oktober in Freiburg vergewaltigt und ermordet. Am Freitag nahm die Polizei einen 17-jährigen Afghanen fest. Er sei dringend tatverdächtig. Der junge Mann kam 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. In sozialen Netzwerken nutzen viele diesen Fall, um Stimmung gegen Asylbewerber zu machen. Nun sieht sich auch die Studenteninitiative Weitblick e.V. solcher Kritik ausgesetzt.

In der Traueranzeige zu Marias Tod baten die Familie und Angehörigen "anstelle von Blumen" um Spenden. Neben einem Projekt der katholischen Kirche in Bangladesch war dort auch die Studenteninitiative angegeben. Auf der Homepage von Weitblick e.V. erfährt man, dass der Verein sich auch für Flüchtlingsheime in Freiburg einsetzt, dort "Spielenachmittage, Sommerfeste und Ausflüge für Kinder" und für Erwachsene ein "Kulturprogramm, beispielsweise mit Theaterbesuchen" organisiert.

Die Todesanzeige der in Freiburg getöteten Studentin Maria L.

Die Todesanzeige der in Freiburg getöteten Studentin Maria L.


Stimmungsmache auf Facebook mit Marias Tod

Besonders auf Facebook nutzen Menschen nun diesen Zusammenhang geschmacklos aus: "Wer solche Eltern hat, braucht keine Feinde mehr!", ist dort zu lesen. "Weitblick? War das Verbrechen vielleicht geplant?", schreibt ein anderer. Der Mord an der jungen Frau wird in direkten Zusammenhang mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik gebracht: "Danke CDU! Danke Bahnhofsklatscher und Luftballonwinker", kommentiert ein Nutzer.

Die Facebook-Seite von Weitblick e.V. ist im Moment nicht erreichbar. Am Wochenende soll auch die Facebook-Gruppe "Flüchtlingshilfe Freiburg" wegen einer Überflutung mit Hasskommentaren geschlossen worden sein, berichtet die "Badische Zeitung". Maria war Mitglied dieser Gruppe, soll sich selbst für Flüchtlinge engagiert haben.

Politiker warnen vor Verallgemeinerung

Derweil warnen mehrere Politiker davor, aus dem Fall generelle Rückschlüsse auf Flüchtlinge zu ziehen. "So bitter es ist: Solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist", sagte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) der "Bild". Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sagte der "Bild": "Solche Grausamkeiten werden leider von In- wie Ausländern begangen, das ist leider kein neues Phänomen." Auch CSU-Innenexperte Stephan Mayer warnte davor, alle Migranten und Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.

AfD-Bundeschef Jörg Meuthen meinte hingegen: "Wir sind erschüttert über diese Tat und erleben gleichzeitig, dass unsere Warnungen vor der ungesteuerten Einreise Hunderttausender junger Männer aus patriarchalisch-islamischen Kulturkreisen als populistisch abgewertet wurden." Die bisherige Rechtslage, DNA-Proben nicht nach Ethnie zuzuordnen, bezeichnete Meuthen als skandalös.

Die Ermittler wollen im Freiburger Fall nun erneut Zeugen befragen. Wie eine Polizeisprecherin am Montag mitteilte, werden unter anderem Gäste der Studentenparty befragt, auf der das Opfer zuvor gewesen war. Fotos der Feier werden erneut gesichtet - ebenso wie Videomaterial aus der Straßenbahn, in der der Verdächtige in der Tatnacht gefahren war. Die Auswertungen sollen helfen, den genauen Tathergang zu rekonstruieren.

fin/DPA/AFP