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Prozessauftakt in Freiburg: Neunjähriger wie Ware gehandelt und vergewaltigt: "Selbst erfahrene Ermittler an Grenzen gebracht"

Der Kriminalfall verlangte den Freiburger Ermittlern alles ab. Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Neunjährigen muss sich jetzt der erste seiner mutmaßlichen Peiniger vor Gericht verantworten.

Freiburger Missbrauchsfall: Schatten eines Kindes zwischen zwei Erwachsenen

Der Neunjährige aus Staufen bei Freiburg wurde offenbar jahreland Pädophilen angeboten - von der eigenen Mutter und ihrem Lebensgefährten (Symbolbild)

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"Es handelt sich in diesem Komplex um den schwerwiegendsten Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern, der vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg bislang bearbeitet wurde." Im nüchternen Amtsdeutsch teilt die Freiburger Polizei im Januar nach der Festnahme mehrerer Verdächtiger ihren Erfolg mit.

Doch hört man die Ermittler wie den Freiburger Kripo-Chef Peter Egetemaier reden, dann bekommt man eine Ahnung davon, wie sehr dieser Fall den Beamten der Ermittlungsgruppe "Kamera" an die Nieren geht. Wie unfassbar belastend es für die hartgesottenen Polizisten sein muss, sich während der monatelangen Ermittlungen Bilder gequälter Kinder ansehen zu müssen, sich in das Grauen mitten in Deutschland einzuarbeiten. Dann hört man Sätze wie "Das hat selbst erfahrene Ermittler an ihre Grenzen gebracht" oder "Wir haben es mit äußerst brutalen und menschenverachtenden Verbrechen zu tun". Fassungslosigkeit.

Es sind Verbrechen, von denen die ersten nun bestraft werden sollen. Im Freiburger Landgericht beginnt am Morgen der erste einer ganzen Reihe von Prozessen in einem Missbrauchsfall, der nach Aussage der Beamten alle hierzulande bekannten Dimensionen sprengt.

Drei Verhandlungstage in Freiburg angesetzt

Auf der Anklagebank sitzt zunächst Markus K., 41 Jahre alt, Deutscher, einschlägig vorbestraft. Viel mehr ist noch nicht über den Mann bekannt, der den Beamten im vergangenen September ins Netz ging. Das Verfahren wird erstmals einen genaueren Einblick in das Leben und die Geschäfte der Täter und in das jahrelange Martyrium eines neunjährigen Jungen aus Staufen im Breisgau geben. Es dürfte ein Blick in den Abgrund werden. Die Ermittlungsgruppe der Polizei hat zehn Aktenordner mit Beweisen zusammengetragen, gegen Beschuldigte aus dem In- und Ausland.

Der Prozess gegen K. - drei Verhandlungstage sind angesetzt - findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Gerichtssaal steht ein Metalldetektor, Durchsuchungen der Zuschauer sind möglich.

Es ist nicht das erste Mal, dass Markus K. auf der Anklagebank im Freiburger Landgericht sitzt. 2009 gibt er zu, auf einem Feldweg ein Kind angehalten, es in ein Feld gelockt und dort sexuell misshandelt zu haben. Reporter der "Badischen Zeitung" (Bezahlinhalt) notieren seinerzeit: "Dem Jungen fehlten die Worte für das, wozu ihn der Fremde im Maisfeld gezwungen hatte, und deutete die Art des Missbrauchs nur mit den Händen an." Fünf Tage nach der Tat nimmt die Polizei K. fest, findet auf seinem Computer über 5000 Kinderpornobilder. Das Gericht verurteilt ihn zu über vier Jahren Gefängnis.

Hinter Gittern lernt er Christian L. kennen - auch er sitzt wegen Kindesmissbrauchs ein - ehe K. aus der Haft entlassen wird. Auch L. kommt wenig später frei.

Wieder draußen, halten die beiden Kontakt und - trotz Auflagen und angeblich strenger Kontrolle durch die Behörden, die erneute Missbrauchsfälle verhindern sollen - begehen sie offenbar neue, schreckliche Taten.

Perverser Handel mit Neunjährigem

L. zieht ungeachtet des Verbots, Kontakte zu Kindern zu haben, mit der 47-jährigen Berrin T. und ihrem neunjährigen Sohn zusammen. Gemeinsam leben sie in einer 40 Quadratmeter kleinen Wohnung in Staufen im Breisgau. Nach außen hin gaben sie die ganz normale Kleinfamilie. Hinter der Fassade erlebt der Junge jedoch die Hölle auf Erden.

Denn gemeinsam betreiben die Mutter und ihr neuer Freund nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mindestens seit 2015 widerwärtige Geschäfte mit dem Neunjährigen: Sie liefern das Kind gegen Geld Pädophilen zum Missbrauch aus, machen ihn zur Ware in einem perversen Handel, eingefädelt über das Darknet.

Zu den "Kunden" dieser Geschäfte gehöre auch Markus K., so die Anklage. Er habe mit Christian L. vereinbart, dass ihm der Junge mehrfach "zu Prostitutionszwecken zugeführt und überlassen werden soll", teilt die Freiburger Staatsanwältin Martina Wilke dem stern mit. Mehrere Tausend Euro sollen für den Missbrauch des Kindes geflossen sein. K. soll sich zwischen Juli und September mindestens zwei Mal massiv an dem Neunjährigen vergangen haben - im Beisein von dessen Mutter. Mindestens genauso erschütternd: L. ist offenbar bei weitem nicht der einzige "Kunde" des Paares.

Die Qualen des Jungen enden erst Mitte September. Ein anonymer Hinweisgeber informiert das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Zentralstelle für Internetermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Die Ermittler werten Aufnahmen aus und können Berrin T. und Christian L. schnell als erste Tatverdächtige identifizieren. Fünf Tage nach dem Erhalt des Hinweises sitzt das Paar in Haft, das Kind ist vor seinen Peinigern in Sicherheit und die Ermittlungsarbeit geht weiter. Ende September wird dann Markus K. identifiziert, auch er kommt in U-Haft. Die Beamten wissen noch nicht, welche Ausmaße dieser Fall annehmen wird.

Auftakt zu einer Reihe von Prozessen

In den Wochen darauf geht es Schlag auf Schlag: Ein 49-Jähriger Bundeswehrsoldat wird im Elsass festgenommen, ein 32-jähriger Spanier geht den Beamten in seiner Heimat ins Netz. Ein 37-jähriger Schweizer wird in Österreich geschnappt, einen 43-jähriger Elektriker aus Schleswig-Holstein kann die Polizei in Karlsruhe festnehmen. Er soll sogar Tötungsfantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäußert haben, so die Polizei. Bei seiner Festnahme hat er einen Rucksack mit Fesselutensilien dabei - er ist auf dem Weg zu dem neunjährigen Jungen aus Staufen.

Alle Festgenommen sollen "Kunden" von Berrin T. und Christian L. sein und jeweils vierstellige Beträge für den Missbrauch des Kindes gezahlt haben. Sie sollen ihn in Hotelzimmern vergewaltigt haben, in Pensionen oder Gartenhäuschen, zum Teil über mehrere Tage. Oft läuft bei den Übergriffen die Kamera, die Aufnahmen sind jetzt Beweisstücke. Die Ermittler lassen Ende November sogar das Wasser aus einem See ab, um eine versenkte Festplatte sicherzustellen.

Einige der weiteren Verdächtigen seien wie K. und L. ebenfalls einschlägig vorbestraft. Man habe einen "Pädophilenring zerschlagen", sagen die Ermittler. Doch ob sie tatsächlich alle Peiniger gefasst haben, ist ungewiss.

Markus K. ist der erste der Angeklagten, dem der Prozess gemacht wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Vergewaltigung in zwei Fällen, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, gefährliche Körperverletzung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften sowie schwere Zwangsprostitution vor. Er könnte für bis zu 15 Jahre ins Gefängnis kommen.

"Bilder und Töne, die sich einbrennen"

Doch selbst wenn Gerichte über die juristische Schuld von Markus K. und den anderen Angeklagten entschieden haben werden - auch die Behörden müssen unangenehme Fragen beantworten. Waren sie zu lasch bei der Kontrolle der Auflagen der Vorbestraften? Was wussten die Ämter über deren Umtriebe? Warum konnte der Junge nicht geschützt werden? Es habe ein "Kompetenzwirrwarr" geherrscht, sich eine "Bräsigkeit" breit gemacht, so beschreibt der stern den Fall Anfang des Jahres. Er sei "katastrophal verlaufen". Gerichte und Jugendamt machen sich gegenseitig für Versäumnisse verantwortlich.

+++ Lesen Sie hier im stern die ganze Geschichte zur Rolle der Behörden: "Missbrauchsfall von Staufen: Viele wussten Bescheid - keiner tat etwas" +++

Das neunjährige Opfer tritt in den Prozessen als Nebenkläger auf, vertreten durch eine spezialisierte Anwältin. Immerhin bleibt dem Jungen eine Aussage vor Gericht erspart, denn die Beweise dürften auch so für ein Urteil reichen. Nach der Festnahme seiner Mutter und ihres Lebensgefährten im September kommt das Kind in staatliche Obhut. Es gehe ihm - gemessen an den Umständen - gut, sagt der gerichtlich bestellte Beistand nach der Rettung. Ein an den Ermittlungen beteiligter Beamter hofft, "dass der Junge seinen Weg macht und ein möglichst gutes Leben vor sich hat". Doch Schmerzen und Gedanken werden bleiben.

So wie die Erinnerungen an die beispiellosen Ermittlungen bei Kripo-Chef Peter Egetemaier und seinen Leuten. Er sagt: "Es sind Bilder und Töne, die sich einbrennen."

Text gegen sexuellen Missbrauch: Dieses Gedicht einer jungen Inderin müssen Sie hören
mit Material der DPA
VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?