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Freund der vergewaltigten Inderin "Ich zittere vor Qualen"


Erstmals hat sich der Freund der vergewaltigten Inderin zu Wort gemeldet. "Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand sehen dürfen", sagte er. Der Polizei wirft er unterlassene Hilfe vor.

Nach einem TV-Interview mit dem Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat Indiens Polizei Ermittlungen gegen den Fernsehsender Zee News eingeleitet. Es werde geprüft, ob durch das Interview eine namentliche Identifizierung des Vergewaltigungsopfers möglich sei, sagte Polizeisprecher Rajan Bhagat am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. In Indien ist dies strafrechtlich verboten.

In dem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem Hindi-sprachigen Sender Zee News hatte der Freund der 23-jährigen Inderin das schreckliche Ereignis vor drei Wochen geschildert. Zuvor hatte der 28-Jährige per Telefon mit der Nachrichtenagentur AFP gesprochen: "Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen", sagte der junge Mann. "Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen", ergänzte der 28-Jährige, der sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh befand.

Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Neu Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb. Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.

Passant fand die beiden Verletzten

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Straße lagen. "Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet", sagte er. Auch dieser warf der Mann Versäumnisse vor. Wie der Freund im TV-Interview schilderte, seien die Beamten erst nach 45 Minuten eingetroffen und hätten zunächst diskutiert, welche Polizeiwache für das Verbrechen zuständig sei. "Sie hätten uns in diesen entscheidenden anderthalb Stunden ins Krankenhaus bringen und Kleider geben können", sagte der Freund. "Für einen sterbenden Mensch ist jede Minute entscheidend." In der Klinik gebracht sei zudem auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden. "Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde", sagte der Mann.

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. "Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle", führte er aus. Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

"Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt", sagte der junge Mann. Dort hätten die sechs Männer die Freundin "vergewaltigt und auf die schlimmstmöglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen". "Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke", sagte der Freund. "Ich zittere vor Qualen", fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.

swd/jwi/AFP/DPA DPA

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