Fritzl-Schwägerin spricht "Ich habe ihn gehasst"


Eitel, herrisch, ein Despot: So wird der Inzest-Vater Josef Fritzl von seiner Schwägerin beschrieben. Mit Christine R. berichtet erstmals eine Angehörige über die Atmosphäre in der Familie Fritzl. Derweil genießen die befreiten Söhne ihre neue Freiheit. Sie können sich "durchaus normal" artikulieren, sagte ein Arzt stern.de.
Von Katharina Schönwitz

Christine R. kennt Josef Fritzl von Kindesbeinen an. Sie war vier, als ihre Schwester Rosemarie den Inzest-Vater von Amstetten heiratete. Nun erzählte sie, was für ein Typ ihr Schwager ist und welche Atmosphäre im Hause Fritzl herrschte. In einem Interview mit der Zeitung "Österreich" zeichnete sie ein denkbar schlechtes Bild von Josef Fritzl. "Der Sepp war ein Despot, ich habe ihn gehasst." Besonders die Kinder hätten Angst vor ihm gehabt. "Wenn er das Zimmer betreten hat, waren alle sofort still - auch wenn sie vorher gespielt hatten." Die einzige Chance diesem Klima der Angst zu entkommen, sei eine Heirat gewesen. Dies hätten auch alle sechs Geschwister getan. Josef Fritzl habe seine Frau regelmäßig runtergemacht, auch bei Familientreffen. Auch die Schwägerin fühlte sich von ihm abgelehnt. Er habe sie häufig wegen ihrer Figur gehänselt, sagte die 56-Jährige der Zeitung. "Der Sepp ist so eitel, dass er nach Wien fuhr und sich Haare implantieren ließ."

Im Nachhinein bekommt der Tagesablauf ihres Schwagers für Christine R. eine besondere Bedeutung. "Jeden Tag um neun Uhr ging der Sepp in den Keller. Angeblich, um Maschinenpläne zu zeichnen, die er an Firmen verkauft hat. Oft ist er sogar über Nacht da unten geblieben. Rosi durfte ihm nicht einmal einen Kaffee bringen." Heute würden alle wissen, warum. Damals sei ihr nur aufgefallen, dass Josef Fritzl immer besonders laut bei derben Sexwitzen gelacht habe. Das sei nicht nur "Rosi" peinlich gewesen. "Wir haben ja alle gewusst, dass die beiden seit Jahren keinen Sex mehr hatten."

Die 19-jährige Tochter liegt noch im künstlichen Koma

Inzwischen sind sich Ärzte und Ermittler sicher, dass sich Josef Fritzl ausschließlich an seiner Tochter Elisabeth vergangen habe. Warum ausgerechnet sie, hat er nicht beantwortet. Elisabeth ist weder die älteste noch die jüngste unter ihren Geschwistern. "Wir haben keinerlei Hinweise, dass er Kerstin oder die anderen Kinder missbraucht hat", sagte Albert Reiter. Kerstin, die 19-Jährige Tochter von Elisabeth, müsse zwar immer noch beatmet werden und liege im künstlichen Koma. "Aber eine leichte Besserung ihres Zustandes ist zu bemerken." Auch bei der Diagnose sei man weiter gekommen. "Epilepsie ist es definitiv nicht." Vielmehr sei es eine Infektion gewesen, die sich durch die Lebensumstände im Keller verschlimmert hätten.

Elisabeth Fritzl lebt mit ihren fünf Kindern und ihrer Mutter Rosemarie momentan in einen abgeschirmten Bereich einer psychiatrischen Klinik, "einer Art Wohnung mit siebzig bis achtzig Quadratmetern", wie Berthold Kepplinger, der ärztliche Direktor des Klinikums, berichtete. Den Kindern gehe es erstaunlich gut. "Felix und Stefan leiden an einer Raumorientierungsstörung, die sich in den nächsten Tagen oder Wochen bessern sollte." Dass sich die beiden Brüder mit "Grunz- und Knurrlauten" verständigen würden, wie in Boulevardmedien behauptet wurde, sei hingegen Verleumdung, sagte der Leiter des Landeskriminalamts von Niederösterreich, Franz Polzer zu stern.de. "Die Kommunikation funktioniert gut", sagt Kepplinger. Für Alexander, der bei der Großmutter aufwuchs, wurde am Dienstag zu seinem Geburtstag eine kleine Geburtstagsfeier organisiert. "Die Kinder haben gesagt, dass ihnen das Essen in der Klinik ausgesprochen gut schmeckt", sagte Kepplinger.

Josef Fritzl bereut und schämt sich

Während vor allem Felix und Stefan ihre neue Freiheit genießen, sitzt Josef Fritzl in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft. Er soll erklärt haben, dass er seine Taten bereue und sich dafür schäme. Aus Ermittlerkreisen wurde inzwischen bekannt, dass er Elisabeth damit gedroht haben soll, dass Gas ausströmen würde, sollte ihm etwas zustoßen. Dies habe sich allerdings als leere Drohung herausgestellt. Auch Elisabeth habe dies als wenig wahrscheinlich eingeschätzt. "Die genaue Befragung durch die ermittelnde Staatsanwältin wird allerdings erst nächste Woche erfolgen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gerald Sedlacek zu stern.de.

Die österreichische Regierung fürchtet inzwischen um das Ansehen des Landes und plant eine Imagekampagne. "Wir lassen nicht zu, dass ganz Österreich, dass unsere gesamte Bevölkerung von einem kriminellen, grausamen Einzeltäter in Geiselhaft genommen wird. Wir werden das Ansehen unseres Landes verteidigen", sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bei dem traditionellen Maiaufmarsch der Sozialdemokratische Partei Österreichs in Wien vor 100.000 Zuhörern. Er versprach, das Verbrechen restlos aufzuklären. "Wir werden nicht zulassen, dass irgendjemand glaubt, unserer Jugend eine neue Erbsünde andichten zu können. Denn wir sind nicht für jeden einzelnen Kriminellen verantwortlich, ganz im Gegenteil."


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