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Fünf Jahre Haft: TV-Star Karsten Speck wegen Betrugs veruteilt

Dieser Auftritt hat ihm nicht gefallen. Blass und angespannt saß TV- tar Karsten Speck auf der Anklagebank. Der 50-Jährige gestand einen Großteil der Taten - und wurde in dem Betrugsprozess mit Milde belohnt.

Blass, aber gefasst verfolgt Schauspieler Karsten Speck ("Hallo Robbie") die Urteilsverkündung: Der 50-Jährige muss erneut ins Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt (Oder) hat Speck am Montag wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie Steuerhinterziehung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen ihn schuldig, von 2002 bis 2004 Gelder an Gläubigern und dem Fiskus vorbeigeschleust zu haben. In die Strafe einbezogen wurde eine Verurteilung aus dem Jahr 2004 von zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In den Fokus der Justiz geriet der DDR-Star, der die Wende anders als viele Kollegen gut überstanden hatte, wegen fehlgeschlagener Immobiliengeschäfte. Aus ihnen hatten Speck und seine Frau bei Gläubigern Schulden in Millionenhöhe. Beide kamen dafür in Dortmund vor Gericht und wurden zu Haftstrafen verurteilt. Sie mussten jeweils nicht die komplette Strafe absitzen, sondern wurden vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

Schon zuvor war vereinbart worden, dass Speck als Entschädigung einen Teil seiner Gagen in einen Fonds für die Geschädigten zahlt. "Um sich einen gewissen Lebensstandard zu erhalten, hat er aber zielstrebig Beträge beiseitegeschafft", so Staatsanwalt Matthias Bleuß in seinem Plädoyer. Mit Hilfe von Scheinrechnungen und falschen Angaben beim Finanzamt betrog Speck Gläubiger und Fiskus um mehrere hunderttausend Euro - zu einem Zeitpunkt, wo bereits durch die Dortmunder Justiz gegen ihn ermittelt wurde. "Das hätte ihm eigentlich eine Warnung sein müssen", sagte Richter Matthias Fuchs.

Dass das Urteil seiner Kammer dennoch vergleichsweise milde ausfiel, hat eine "Absprache" aller Prozessbeteiligten ermöglicht: Der Schauspieler gestand am dritten Verhandlungstag mit einer knappen Erklärung einen Großteil der Taten, dafür wurden weniger erhebliche Vorwürfe fallen gelassen. "Damit hat er die Beweisaufnahme und das Verfahren erheblich verkürzt", so Richter Fuchs.

Zuvor war der Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft, der frühere Anwalts Specks, nicht vor Gericht erschienen. Mit seiner Anzeige hatte dieser das neue Betrugsverfahren gegen den TV-Star ins Rollen gebracht. Der Rechtsanwalt hatte selbst Ärger mit der Justiz und seine Zulassung niedergelegt. Er lebt nach Angaben seines Anwalts inzwischen in Tschechien.

Mit dem "Deal" hat Speck einen zügigen Schlussstrich unter die Geschichte gezogen. Auf ihn kommt unweigerlich eine weitere Zeit hinter Gitter zu. Die Frage ist nur für wie lange - und in welcher Form. Bei seiner ersten Verurteilung kam der Fernsehstar in den offenen Vollzug und konnte als Freigänger weiter für "Hallo Robbie" vor der Kamera stehen.

Aus dieser Zeit können nun etwa 22 Monate von der fünfjährige Haftstrafe abgezogen werden, weil Speck diese abgesessen hat. Außerdem gelten laut Urteil neun Monate Haft, weil das Verfahren lange dauerte. Blieben 29 Monate Haft übrig. Sein Verteidiger Götz Reuker rechnet mit etwa acht Monaten Haft - weil der Rest zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Dafür wird er kämpfen - damit Speck so schnell wie möglich wieder auf die Bühne kann.

Über die genaue Höhe der Haftstrafe muss die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts entscheiden. Bis zur Ladung zum Haftantritt bleibt Speck in Freiheit.

Marion van der Kraats, DPA / DPA