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Gammelfleisch-Skandal: Ex-Geschäftsführer steht vor Gericht

Prozessauftakt im Fleisch-Skandal: Der Angeklagte hatte Schlachtabfälle als Nahrungsmittel weiterverkauft. Missachtung des Lebensmittelgesetztes und über hundert weitere Verstöße werden dem Beschuldigten vorgeworfen.

Ein Jahr nach dem ersten Fall in der seit 2005 anhaltenden Serie von Fleischskandalen in Bayern beginnt in Memmingen der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer der betroffenen Firma. Die Anklage wirft dem früheren Chef des Kühlhausunternehmens Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz, das Fleisch- und das Geflügelfleischhygienegesetz sowie Betrug in besonders schwerem Fall vor.

Insgesamt werden dem Mann in der Anklage 120 Verstöße vorgeworfen. Der 40-Jährige sitzt seit Oktober 2005 in Untersuchungshaft. Für den Prozess am Memminger Landgericht sind drei Verhandlungstage angesetzt. Es sollen 20 Zeugen und Sachverständigen gehört werden.

Schlachtabfälle als Nahrungsmittel weiterverkauft

Als Geschäftsführer der mittlerweile insolventen Deggendorfer Frost GmbH soll der Angeklagte mindestens 2600 Tonnen Schlachtabfälle im Ausland gekauft und dann als Nahrungsmittel weiterverkauft haben. Die Ware aus Österreich und der Schweiz ging den Ermittlungen zufolge an weiterverarbeitende Firmen teils ins Ausland, teils an deutsche Firmen, die nichts von der Herkunft des Fleisches und seiner Qualität ahnten. Darauf gründet der Betrugsvorwurf.

Betriebe in Italien und Frankreich sollen aus den nicht zum menschlichen Verzehr geeigneten Schweineschwarten Gelatine hergestellt haben. Auch nicht zum Verzehr bestimmte Geflügelkarkassen - Hähnchen, bei denen die Flügel abgetrennt und das Brustfleisch ausgelöst wurde - seien zu Lebensmitteln verarbeitet worden. Unter anderem sollen Fleischreste als Belag auf Tiefkühl-Pizzen gelandet sein. Aufgeflogen war der Skandal, als der Zoll wegen der umfangreichen Transporte ungenießbaren Fleisches misstrauisch wurde.

DPA / DPA
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