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Gefährliche Beziehungen zu "News of the World" Scotland Yard gerät unter Beschuss


Die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard gerät in der Abhöraffäre um die Boulevardzeitung "News of the World" immer mehr unter Beschuss. Mehr und mehr Details kommen ans Licht.

Die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard gerät in der Abhöraffäre um die Boulevardzeitung "News of the World" immer mehr unter Beschuss. Eigentlich soll sie die Vorwürfe aufklären, wonach Journalisten der inzwischen eingestellten Zeitung jahrelang Handys von Prominenten, Politikern, Angehörigen von Terroropfern und Kriegsgefallenen sowie eines entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben. Doch nun muss sich die Behörde gegen den Vorwurf verteidigen, so enge Beziehungen zu der Zeitung unterhalten zu haben, dass sie den Vorwürfen gegen sie erst mit Jahren Verspätung nachging. Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson reichte daher nun seinen Rücktritt ein.

Stephenson war in den vergangenen Tagen in der Affäre immer mehr unter Druck geraten. Grund waren Berichte, dass seine Behörde 2009 den früheren Vize-Chefredakteur der "News of the World", Neil Wallis, elf Monate lang als Berater beschäftigte. Just in dieser Zeit entschied Scotland Yard, keine neuen Ermittlungen gegen die Zeitung aufzunehmen. Der zuständige Beamte John Yates hatte damals erklärt, seit dem Abschluss eines ersten Verfahrens 2007 lägen keine neuen Beweise vor. Stephenson wies die Anschuldigungen lange zurück, doch am Sonntagabend übernahm er die Verantwortung und kündigte im Fernsehen seinen Rücktritt an.

Die Entscheidung gegen Ermittlungen war schon damals extrem zweifelhaft, da die liberale Zeitung "The Guardian" zur gleichen Zeit eine Liste mit Prominenten veröffentlichte, deren Mailboxen abgehört worden waren. Inzwischen hat sich Yates entschuldigt. In den Medien wird dennoch auch über seinen Rücktritt spekuliert. Er muss vor allem erklären, warum seine Behörde erst nach vier Jahren begann, die rund 11.000 Seiten Notizen auszuwerten, die 2006 bei dem Privatdetektiv Glenn Mulcaire beschlagnahmt worden waren, der für "News of the World" arbeitete.

Mulcaire war 2007 ebenso wie ein Redakteur des Boulevardblatts wegen der Abhöraffäre verurteilt worden, doch die Polizei wertete damals nur eine Handvoll der Notizen aus. Erst nachdem im Januar das Ermittlerteam ausgetauscht worden war, begann die vollständige Auswertung der Papiere, auf denen die Namen von knapp 4000 Menschen standen, deren Telefone abgehört werden sollten. Dennoch war es nicht Scotland Yard, sondern der "Guardian", der am 4. Juli enthüllte, dass "News of the World" 2002 die Mailbox des entführten Schulmädchens Milly Dowler geknackt und teilweise Nachrichten gelöscht hatte, so dass die Angehörigen hofften, das zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon tote Mädchen könne noch am Leben sein.

Der Bericht löste einen Sturm der Empörung in Großbritannien aus und zwang den Eigentümer der "News of the World", den Medienmogul Rupert Murdoch, die Zeitung einzustellen. Seitdem zieht der Skandal immer weitere Kreise. So zeigten E-Mails von "News of the World", dass mehrere Polizisten zwischen 2003 und 2007 interne Informationen an die Zeitung verkauften - darunter die Telefonnummern mehrerer Mitglieder der Königsfamilie. Nicht nur die Ermittlungen gegen das Boulevardblatt, sondern auch die Aufräumarbeiten in der eigenen Behörde werden Scotland Yard daher wohl noch eine Weile beschäftigen.

Marie-Pierre Ferey, AFP AFP

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