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Gefasster Vergewaltiger Der Sadist von Gotha


Der flüchtige Vergewaltiger aus Franken ist gefasst: In der Nacht klickten in Gotha die Handschellen. Laut Polizei hat er bereits seine Taten gestanden. Unterdessen kommen Fragen auf, ob die Sexualstraftaten zu verhindern gewesen wären.

"Wir sind äußerst erfreut und erleichtert", bringt es Walter Kimmelzwinger auf den Punkt. Der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Mittelfranken macht am Dienstag keinen Hehl aus der Anspannung, unter der sein Team in den vergangenen Tagen gestanden hatte: Seit dem 12. Oktober hatte die Polizei mit Hochdruck nach einem vorbestraften Sexualverbrecher ausFürth gefahndet, der als äußerst brutaler und rücksichtsloser Sadist gilt. Die Nürnberger Polizei hat einen Tag nach der Verhaftung Sexualstraftäters mehr Details präsentiert. Der 48 Jahre alte Mann wurde am Mittwoch im Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg vernommen.

"Er ist geständig und redet bereitwillig", sagte einer der Ermittler, der Erste Kriminalhauptkommissar Horst Hanschmann. Auf den Inhalt seiner Aussagen wollten die Polizisten zunächst nicht eingehen.

Eine Zivilstreife im thüringischen Gotha hatte das Fahrzeug des Flüchtigen am Dienstagabend erkannt und den 48-Jährigen um 21.20 Uhr auf dem Parkplatz eines Klinikums festgenommen. "Er wurde von den Beamten überrascht und hat sich nicht gewehrt", sagte ein Polizeisprecher. Noch in der Nacht wurde er nach Nürnberg gebracht. Bei der Softairpistole, die Beamte bei der Festnahme sicherstellten, habe es sich nicht um eine scharfe Waffe gehandelt. Sie habe allerdings so ähnlich ausgesehen.

Mit dieser Waffe hatte der Mann den Ermittlern zufolge am Montagabend einer 22-jährige Frau auf dem Parkplatz des Klinikum in Neumarkt in der Oberpfalz gedroht und sie in ihrem Auto entführt. Er sei mit ihr dann umhergefahren, habe sie gefesselt und vergewaltigt. Bei einem Stopp in Pleinfeld hob er vom Konto des Opfers 1000 Euro ab und wurde dabei von der Kamera im Automaten fotografiert.

Flucht durch einen Trick

Erst am Dienstagmorgen gelang es der Frau, ihm mit einem Trick entkommen. Beim Halt in der Nähe der Strandpromenade von Glücksburg in Schleswig-Holstein täuschte die Frau einen Schwächeanfall vor und alarmierte so Passanten. Diese riefen gegen den Willen des Begleiters den Rettungsdienst. Der 48-Jährige versuchte noch im Rettungswagen, den Abtransport der Frau zu verhindern. Erst als die Sanitäter drohten, die Polizei zu verständigen, floh er mit dem Wagen seines Opfers. Kurz nach 10.00 Uhr wurde er ein letztes Mal gesehen, als er beinahe einen Verkehrsunfall verursachte.

Fieberhaft fahndete die Polizei bundesweit nach dem Fahrzeug - bis zur erfolgreichen Festnahme. "Wir haben keine Hinweise, dass er auf der Flucht weitere Sexualstraftaten begangen hat", sagte ein Polizeisprecher.

Unklar sei weiterhin, wo sich der Mann in der vergangenen Woche aufgehalten habe. Schon seit Dienstag der Vorwoche suchte ein Großaufgebot der Polizei in Mittelfranken nach ihm, weil er eine 20-Jährige im Wald bei Langwasser vergewaltigt haben soll. Auch diese Tat habe er gestanden. "Er ist clever und umsichtig und wegen der Fahndung den Innenstädten ferngeblieben", sagte Hanschmann.

Der markante 48-Jährige, der sehr korpulent ist und eine Brille trägt, saß bereits zweimal wegen Sexualstraftaten in Gefängnis und Psychiatrie. Er war 2009 auf Bewährung freigekommen. "Es lagen mehrere positive Gutachten für ihn vor", sagte Antje Gabriels-Gorsolke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Wer die Gutachten geschrieben hatte und welche Prognose die Sachverständigen dem schon mehrfach überführten Täter ausstellten, konnte Gabriels-Gorsolke nicht beantworten.

Die Mitteilung, dass er seine Therapie abgebrochen habe, sei bei der Staatsanwaltschaft am 7. Oktober eingegangen, am 11. Oktober habe sie den Antrag auf erneute Unterbringung im Vollzug gestellt. Schon einen Tag später schlug er in Langwasser wieder zu.

Polizei soll Hinweisen nicht nachgegangen sein

Die Polizei muss sich trotz ihrer Erfolgsmeldung Kritik anhören. Angeblich soll ein Verwandter die Polizei erst vor kurzem auf deutliche Wesensveränderungen bei Bernhard Sch. Aufmerksam gemacht haben, die dieser schon vor seiner Tat 2001 gezeigt haben soll. Die Polizei sei diesen Hinweisen aber nicht nachgegangen, lautet der Vorwurf. So sei es möglich gewesen, dass Bernhard Sch. Im September spurlos untertauchen konnte. Ob er damals schon plante, wieder Frauen zu überfallen, wird ebenso Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen sein wie die Frage, warum Bernhard Sch. nach so langer Zeit in Freiheit doch wieder rückfällig geworden ist. "Er ist ein ausgesprochen gefährlicher Straftäter, den wir Gott sei Dank aus dem Verkehr ziehen konnten", betonte Kimmelzwinger.

Es sei damit zu rechnen gewesen, dass er schon bald das nächste Verbrechen begehen würde. Entsprechend sei die Suche nach ihm "extrem intensiv" gewesen. "Uns ist allen ein Stein vom Herzen gefallen", erklärte er. Verbrechen wie die von Bernhard Sch. gingen auch an hartgesottenen Polizisten nicht spurlos vorbei.

Schließlich zeigte Sch. bei seinen Vergewaltigungen eine ungeheure Abgebrühtheit. Sein erstes Opfer, eine 20-jährige Frau, überfiel er am späten Nachmittag des 12. Oktober auf dem Großparkplatz einer Klinik im Nürnberger Stadtteil Langwasser. Er brachte sie nach Angaben der Polizei in seine Gewalt, fuhr mit ihr in ein Waldstück, vergewaltigte sie und brachte sie anschließend wieder zurück zum Parkplatz.

DPA DPA

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