Geiseldrama Entführte Touristen jetzt in Libyen


Die von Ägypten in den Sudan entführten Touristen, darunter auch fünf Deutsche, sind über die Grenze nach Libyen verschleppt worden. Das sagte ein Sprecher des sudanesischen Außenministeriums dem Nachrichtensender Al-Arabija.

Die vor knapp einer Woche in der Sahara verschleppten europäischen Touristen sind am Donnerstag nach sudanesischen Angaben aus dem Sudan nach Libyen gebracht worden. Die Gruppe habe die Grenze überschritten und befinde sich nun 13 bis 15 Kilometer innerhalb libyschen Gebiets, sagte eine Regierungssprecherin. Unter den Geiseln sind fünf Deutsche, fünf Italiener, eine Rumänin sowie acht ägyptische Begleiter.

Am Vortag hatte das Ministerium in Khartum noch erklärt, es habe die Entführer umzingelt, um eine Flucht in die Konfliktregion Darfur zu verhindern. Beobachter erklärten am Donnerstag, es sei unklar, ob die Entführer nun mit ihren Geiseln geflohen seien oder ob die Weiterreise nach Libyen möglicherweise das Ergebnis von Verhandlungen mit den Behörden sei. Die geheimen Verhandlungen werden dem Vernehmen nach von der Bundesregierung in Absprache mit den Heimatländern der anderen Entführungsopfer geführt.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befinden sich die Geiseln vermutlich weiterhin in der Hand ihrer Entführer. „Wir gehen nach wie vor von einer Entführung aus. Uns liegen keine anderen gesicherten Erkenntnisse vor“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag.

Die Touristen waren am vergangenen Freitag während einer Wüstenexpedition zum Gilf al-Kebir im Grenzdreieck zwischen Ägypten, dem Sudan und Libyen verschleppt worden. Die Verbindung zwischen den Entführten und der Außenwelt war zunächst durch den ebenfalls Inhaber des ägyptischen Reiseveranstalters Aegyptus zustande gekommen, der seine in Kairo lebende deutsche Ehefrau mehrfach anrufen konnte.

Entführer wollen offenbar sechs Millionen Dollar Lösegeld

Die Entführer sollen sechs Millionen US-Dollar Lösegeld gefordert haben. Sie sollen dem Vernehmen nach Afrikaner sein und Englisch sprechen. Die sudanesischen Sicherheitskräfte hatten am Mittwoch erklärt, sie überwachten die Aktivitäten der Kidnapper und der Entführten "aus der Ferne".

Die Kairoer Tageszeitung "Al-Masry al-Yom" berichtete am Donnerstag, die Reiseführer in den Oasen der westlichen Wüste hätten Expeditionen zum Gilf al-Kebir schon seit einigen Monaten nur noch mit Vorbehalten unternommen. Grund dafür sei ein Überfall auf eine Touristengruppe, die 2007 dort ausgeraubt worden sei. Der Reiseführer Hamad Hamidati habe den Vorfall damals der Polizei gemeldet, sagte Hussein Abdelsalam, der mit einem der entführten Fahrer verwandt ist.

Ein Deutscher, der nach Angaben eines befreundeten Wüstenreisenden vor einigen Monaten in dem Grenzgebiet von Angehörigen der Rebellengruppe SLA aus Darfur überfallen worden war, soll von den Rebellen zwar einige Tage festgehalten worden sein. Sie gaben ihm jedoch vor seiner Freilassung, für die kein Lösegeld bezahlt wurde, seine Ausrüstung wieder zurück.

DPA/Reuters DPA Reuters

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