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Geiseldrama von Karlsruhe: Polizeigewerkschaft lehnt Bewaffnung von Gerichtsvollziehern ab

Wäre das blutige Geiseldrama von Karlsruhe zu verhindern gewesen? Nein, sagt die Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg. Eine Bewaffnung von Gerichtsvollziehern lehnt deren Vorsitzender Seidenspinner kategorisch ab.

Gerichtsvollzieher sollen aus Sicht der Polizeigewerkschaft trotz des blutigen Geiseldramas von Karlsruhe keine Waffen mit sich führen oder stets von Polizisten begleitet werden. "Man muss nicht immer mit der Polizei kommen. In den wenigsten Fällen nimmt eine Zwangsräumung ein derart blutiges Ende", sagte der baden-württembergische GdP-Landeschef Rüdiger Seidenspinner der Nachrichtenagentur dpa.

Die Karlsruher Eskalation bei der Zwangsräumung war nach Angaben von Seidenspinner auch nicht vorhersehbar. "Die Lebensgefährtin des Täters war Adressat der Zwangsräumung. Deswegen war der Täter vermutlich gar nicht im Fokus der Behörden gewesen."

Der 53 Jahre alte Täter habe seine Tat genau geplant. "Dies erkennt man an der Vielzahl der Waffen, für die er keinen Waffenschein hatte. Das zeigt unser Problem: nicht die legalen Waffen sind unser Problem, sondern die illegalen." Die Polizei müsse mehr kontrollieren. Wenn jemand eine Waffe kaufen möchte, gelinge ihm das mit den entsprechenden Kontakten. "Eine absolute Sicherheit gibt es nicht."

"Manche Dinge sind schlicht und ergreifend nicht planbar."

Die Notwendigkeit, nun alle Gerichtsvollzieher zu bewaffnen, ergebe sich als Konsequenz aus dem blutigen Geiseldrama aber nicht. "Die Gerichtsvollzieher haben die Möglichkeit, die Polizei bei schwierigen Klienten zu informieren und zu Hilfe zu rufen."

Aber selbst wenn zwei Polizisten bei der Zwangsräumung dabei gewesen wären, hätte dies nicht bedeutet, dass alles gut ausgegangen wäre, bemerkte Seidenspinner. "Möglicherweise hätten wir dann nur zwei Geiseln und zwei Tote mehr gehabt. Es wäre vielleicht bereits an der Wohnungstür zu einer Schießerei gekommen." Man müsse von Glück sagen, dass die Möbelpacker nicht auch noch oben vor der Wohnungstür standen. "Was man aus Karlsruhe lernt ist, dass manche Dinge schlicht und ergreifend nicht planbar und nicht vorhersehbar sind."

Aus Wut über eine Zwangsräumung hatte ein Geiselnehmer am Mittwoch in Karlsruhe vier Menschen und sich selbst erschossen. Seine Lebensgefährtin und er sollten aus der gemeinsam genutzten Wohnung ausziehen. Der 53-Jährige ermordete den Gerichtsvollzieher, einen Schlüsseldienstmann, den neuen Wohnungseigentümer und auch seine Freundin. Die Polizei sprach von Hinrichtungen.

Tatjana Bojic, DPA / DPA