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Geiselgangster von Barmbek: Eine schallisolierte Telefonzelle als Gefängnis

Mit einem mutigen Spurt hat sich am vergangenen Wochenende eine 26 Jahre alte Frau aus der Wohnung ihres Entführers befreit. Die Räumung zeigt nun, dass ihr ansonsten eine grausige Folterzeit bevorgestanden hätte. Neben medizinischen Instrumenten und Lebensmittelvorräten fand die Polizei Sprengstoff, Feuerlöscher und eine schallisolierte Telefonzelle.

Eine junge Frau ist am vergangenen Samstag im Hamburger Stadtteil Barmbek wohl nur knapp einer wahren Folterhölle entkommen. Der 30-jährige Thomas F. hatte die flüchtig bekannte Israelin mit Handschellen gefesselt und mit vorgehaltener Waffe in seine Wohnung entführt, die er zuvor sorgfältig präpariert hatte. Trotz Stacheldrahts vor den Fenstern seiner Wohnung gelang der 26-Jährigen in einem kurzen unbeobachteten Moment die Flucht, nachdem die Frau vom Wohnzimmer in die Küche rennen und dort das Fenster aus den Angeln reißen konnte.

Überstürzt nahm F. die Verfolgung auf und ließ dabei die Wohnungstür offen stehen. Dadurch gelangte die Polizei, die von dem Opfer verständigt worden war, in die Wohnung und entdeckte Materialien, die auf eine über lange Zeit geplante und vorbereitete Folter hindeuteten. Neben medizinischen Instrumenten und großen Mengen an Essensvorräten stellten die Beamten auch 113 Feuerlöscher, Sprengstoff, geladene Schusswaffen und Handgranaten sicher. Überdies fanden sich 30 dicke Holzbalken auf Wohnung und Keller verteilt, mit denen F. die Wohnung womöglich von innen isolieren wollte. Als Thomas F. nach erfolgloser Verfolgung an seiner Wohnungstür auftauchte, wurde er von den Beamten festgenommen.

Polizei findet Sprengstoff und Telefonzelle

Nachdem die Nachbarwohnungen evakuiert worden waren, machte sich eine Spezialeinheit der Polizei daran, mögliche Sprengsätze aus der Wohnung und dem Keller des Geiselnehmers zu entfernen. Um das skurrilste Fundstück aus der kleinen Wohnung, eine schallisolierte Telefonzelle, zu bergen, musste die Polizei einen Teil der Brüstung vor dem Wohnzimmer entfernen. Vermutlich hatte F. die Telefonzelle als schallgedämpftes Gefängnis für die Frau vorbereitet. Die Mengen an Sprengstoff sowie die 113 Feuerlöscher deuten daraufhin, dass F. sich und sein Opfer nach der Folterzeit in die Luft jagen wollte

Der Täter sitzt in Untersuchungshaft, äußert sich jedoch nicht. Wie seine Nachbarn bestätigten, sei Thomas F. kein Mann gewesen, der in seinem Wohngebiet groß auffiel, meist sei er mit gesenktem Kopf durch die Straßen gegangen. Erst als er seine Wohnung so auffällig sicherte, fragten die Nachbarn nach. Seine Antwort: Er wolle sich vor Einbrechern schützen. Eine Ausrede, die offenbar glaubwürdig genug klang, da F. in einer Erdgeschosswohnung lebt.

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