Geiselnahme in Griechenland Entführer stellen Ultimatum


Die Entführer des Linienbuses in Griechenland drohen den Bus mit den verbleibenden Geiseln in die Luft zu sprengen, falls ihre Forderungen nicht bis 07:00 Uhr MEZ erfüllt werden.

Die Entführerer mehrerer Geiseln in einem griechischen Linienbus haben ein Lösegeld von einer Million Euro gefordert und ein Ultimatum bis Donnerstagmorgen gestellt. Sollte das Geld nicht bis 07.00 Uhr (MEZ) übergeben werden, werde er den Bus in die Luft sprengen, sagte einer der beiden bewaffneten Kidnapper dem Fernsehsender Alter.

Weitere Geiseln würden nicht freigelassen, erklärte der Mann, ein Albaner, über das Mobiltelefon eines der Businsassen weiter. Die Kidnapper haben noch sechs Menschen ihrer Gewalt. Sie hatten den Bus am frühen Morgen gekapert und im Lauf des Tages 17 Geiseln freigelassen. Der Busfahrer, ein Kontrolleur und eine Frau konnten gleich zu Beginn der Entführung fliehen. Der Fahrer hat auch die Schlüssel des Busses mitgenommen. Die Entführer fordern eine Million Dollar Lösegeld sowie ein Flugzeug für die Flucht aus Griechenland.

Bus ist umstellt

Die Polizei blockierte kurz nach der Entführung am frühen Morgen den Fahrweg des Busses mit einem eigenen Transporter und platzierte dahinter ein Einsatzfahrzeug. Hunderte Polizisten und Scharfschützen bezogen Stellung um den Bus. Die Entführer ließen bis zum Nachmittag nach und nach zwölf frei. Es lagen keine Berichte über Verletzte vor. Eine Geisel berichtete per Handy aus dem Bus, die Männer hätten Sprengstoff. Sie übermittelte Forderungen der Männer. Demnach wollen sie nach Russland ausgeflogen werden. Ganz Griechenland war von der Tat geschockt und Regierungschef Costas Karamanlis verschob seine Abreise zum EU-Gipfel in Brüssel um einen Tag.

Die beiden Entführer hatten den Bus am frühen Morgen am Stadtrand von Athen gekapert. Jüngsten Polizeiangaben zufolge brachten sie dabei 23 Passagiere in ihre Gewalt. Zunächst war von 26 und dann 24 Passagieren die Rede gewesen. Dem Busfahrer, einem Fahrscheinkontrolleur und einer Frau war die Flucht gelungen, als die Bewaffneten das Fahrzeug stürmten.

Knapp zwölf Stunden nach Beginn des Geiseldramas hatten die Entführer noch immer zwölf Frauen und Männer in ihrer Gewalt. Zunächst hatte die Polizei von insgeamt 26 Passagieren gesprochen. In Verhandlungen mit der Polizei forderten die Männer Lösegeld und ein Flugzeug, mit dem sie das Land verlassen könnten. "Die Zahl eine Million Dollar wurde in Verhandlungen genannt, aber sie haben keine weiteren Einzelheiten genannt, wo sie hin wollen", hieß es in Polizeikreisen. Die Verhandlungen verliefen gut, hatte zuvor eine Polizeisprecherin gesagt. "Wir sind auf einem guten Weg. Es verläuft zufriedenstellend."

Geiselnehmer wahrscheinlich Albanier

Die griechische Polizei bat albanische und russische Diplomaten an den Ort des Geschehens. Nach Gesprächen zwischen den Justizministern Griechenlands und Albaniens hieß es dann in hochrangigen Polizeikreisen: "Bis wir ihre Pässe nicht gesehen haben, können wir nicht hundertprozentig sicher sein, aber wir arbeiten im Moment auf der Basis der Annahme, dass sie aus Albanien stammen."

In Griechenland leben Hunderttausende von Albanern. Viele von ihnen haben bei den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Athen geholfen. Die Entführung des Busses ist die erste in dem Land seit einer ganzen Serie von Geiselnahmen in den Jahren 1999 bis 2000. Mindestens zwei davon waren von Albanern verübt worden.

Drei Menschen gelang die Flucht sofort

Von den freigelassenen Geiseln hatten offensichtlich mehrere gesundheitliche Probleme. Als erster durfte ein Mann das Fahrzeug verlassen, der um die 50 Jahre alt war. "Mein Vater hat Probleme mit dem Herzen. Ich bin so froh, dass er jetzt weit weg von dem Bus ist", sagte Vassilis Bratsiakos.

Der Bus war von den Entführern am frühen Morgen auf der Straße von Marathon nach Athen gekapert worden. In den ersten Sekunden des Angriffs gelang Polizeiangaben zufolge dem Busfahrer, einem Fahrscheinkontrolleur und einer Frau die Flucht. "Schüsse waren zu hören. Die Polizeifahrzeuge rasten zum Einsatzort und dann waren noch mehr Schüsse zu hören", sagte ein Polizeisprecher.

Die gesamte Umgebung wurde abgesperrt. Die Beamten schalteten Dutzende von Überwachungskameras an, die anlässlich der Olympischen Spiele in diesem Jahr auf der Strecke von Marathon in die Stadt installiert, zwischenzeitlich aber stillgelegt worden waren.

Kidnapper haben nicht nur Gewehre

"Sie wollen, dass der Polizeibus vorne verschwindet, und einen neuen Busfahrer, der sie zum Flughafen bringt", sagte die Geisel Stella Matara am Telefon dem staatlichen Fernsehen. „"n dem Moment, in dem der Fahrer hier ankommt, lassen sie alle Frauen frei. Am Flughafen wollen sie, dass ein Flugzeug sie nach Russland bringt, und dann werden sie den Rest der Geiseln frei lassen." Die Entführer hatten alle Vorhänge des Busses zuziehen lassen, so dass nur einer von ihnen mit einem Gewehr kurz durch die Frontscheibe des Fahrzeugs zu sehen war.

"Sie haben Waffen. Sie haben Dynamit", sagte Matara weiter. "Ich kann sie vor mir sehen. Ich weiß nicht, was noch geschehen wird. Wir sind alle sehr, sehr nervös - sowohl die Entführer als auch wir", fügte sie hinzu. Bislang sei niemand verletzt worden. Dutzende Angehörigen waren zu dem abgesperrten Arreal gekommen. Die Medien hielt die Polizei hunderte Meter entfernt.

Karolos Grohmann/Reuters Reuters

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