HOME

Gekapertes Schiff aus Bremen: Piraten flüchten von "Beluga Fortune"

Die "Beluga Fortune" nimmt wieder Kurs auf Südafrika: Das überlegte Verhalten der Mannschaft hat die Piraten offenbar dazu gezwungen, das gekaperte Schiff aus Bremen freizugegeben. Die Besatzung des Tankers "York" dagegen muss weiter zittern.

Einen Tag nach dem Piratenüberfall auf den Frachter einer Bremer Reederei ist das Schiff nach Angaben des Unternehmens wieder frei. Die am Sonntag im Indischen Ozean gekaperte "Beluga Fortune" sei am Montag ohne Zahlung eines Lösegeldes freigekommen, teilte die Reederei Beluga Shipping mit. Die 16-köpfige Besatzung sei unversehrt. Die Piraten gaben den Angaben zufolge auf, nachdem sich ein Marineschiff der EU-Anti-Piraten-Mission "Atalanta" nur wenige Stunden nach dem Piratenangriff längsseits der "Beluga Fortune" in Stellung gebracht habe.

Das dank Sicherheitstraining routinierte Verhalten der Beluga-Mannschaft wie auch das rasche Eingreifen der Marineeinheiten, hätten "den Piraten keine andere Möglichkeit gelassen als den Traum von einem Millionen-Lösegeld aufzugeben und die Flucht zu ergreifen", erklärte die Reederei. Die Besatzung habe den Angriff per Notruf gemeldet, sich in einem Sicherheitsraum verschanzt, die Hauptmaschine abgeschaltet, die Brennstoffzufuhr unterbrochen, die Brücke lahmgelegt und über Funk das vor Ort kreisende Aufklärungsflugzeug der Militäreinheiten informiert. So seien die Piraten nicht in der Lage gewesen, die "Beluga Fortune" in ihre Gewalt zu bringen und die Seeleute als Faustpfand für eine hohe Lösegeldforderung zu missbrauchen. "Unsere Kollegen an Bord haben den Überfall glimpflich überstanden und sind mit dem Schrecken davongekommen", erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter von Beluga Shipping, Niels Stolberg. Bei dem Überfall habe es sich ausgezahlt, dass die Besatzung immer wieder im Umgang mit Stresssituationen wie Piratenangriffe trainiert worden sei. Das Schiff trug nach Angaben der Reederei bei dem Überfall nur kleinere Schäden davon. Es setze seinen Weg zum Ursprungsziel Richards Bay in Südafrika fort. Vor der Küste Kenias hatten Piraten am Samstag zudem ein Tankschiff unter dem Kommando eines deutschen Kapitäns entführt. An Bord des Tankers "York", der einer griechischen Reederei gehört und unter der Flagge Singapurs fährt, befanden sich nach "Atalanta"-Angaben neben dem deutschen Kapitän 16 weitere Besatzungsmitglieder. Das Schiff ist weiter in der Hand der Piraten.

AFP/ben / AFP