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Geldtransferfirma "Liberty Reserve": US-Behörden sprengen milliardenschweren Geldwäsche-Ring

Die Ermittler sprechen vom größten Geldwäsche-Fall aller Zeiten. Die Firma Liberty Reserve soll sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Der Gründer wurde festgenommen, weitere Partner sind flüchtig.

In einem international koordinierten Einsatz gegen Internet-Kriminalität haben US-Ermittler einen weltweit agierenden Geldwäschering gesprengt. Die in Costa Rica ansässige Geldtransferfirma Liberty Reserve soll Kriminellen weltweit geholfen haben, rund sechs Milliarden Dollar an illegalen Einnahmen aus der Kinderpornografie und dem Drogenhandel gewaschen zu haben, teilte die US-Behörden am Dienstag mit. Die Firma, die inzwischen geschlossen wurde, hatte den Angaben zufolge weltweit mehr als eine Million Nutzer, 200.000 davon in den USA. Praktisch das komplette Geschäft habe kriminellen Hintergrund gehabt.

In Spanien, Costa Rica und New York seien bereits am Freitag fünf Verdächtige festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Unter ihnen seien der Gründer von Liberty Reserve und sein Stellvertreter. Zwei weitere Manager des Finanzdienstleisters seien auf der Flucht. Außerdem seien Konten und Internet-Domains beschlagnahmt worden.

Geldwäsche im Internet erleichtern

Die Beschuldigten haben sich bei ihren Geschäften laut Angaben der Ermittler einer digitalen Währung bedient, die in reales Geld getauscht werden kann. Solche Währungen haben in den vergangenen zehn Jahren das Interesse der Medien und der Börsen auf sich gezogen. Das bekannteste Kunstgeld ist Bitcoin, das aber nichts mit der "LR" genannten Währung von Liberty Reserve zu tun hat. Liberty Reserve war der New Yorker Staatsanwaltschaft zufolge das wichtigste Vehikel, mit dessen Hilfe Internet-Kriminelle ihre illegalen Geschäfte abwickelten. Die Firma sei eigens dazu eingerichtet worden, um Geldwäsche im Internet zu erleichtern, erklärte das US-Finanzministerium.

Nutzer mussten bei der Einrichtung eines Kontos sehr wenig Informationen abgeben, die Liberty Reserve in der Regel nicht überprüfte. Die Geschäfte konnten weitgehend anonym abgewickelt werden. Einmal registriert konnten Nutzer für Bargeld die Währung "LR" kaufen und sie untereinander hin und her schieben, sowie über Dritte wieder in Bargeld tauschen. Diese Firmen ermöglichten wiederum den Zugang zu eher herkömmlichen Bezahlsystemen. Liberty Reserve unterhielt Beziehungen zu 35 Drittparteien. Einige von ihnen überwiesen Geld beispielsweise über den Ebay -Bezahldienst PayPal oder Kreditkartenfirmen wie Visa, Mastercard und American Express. Die Liberty-Reserve-Kontonummern mussten dabei nicht offengelegt werden.

"Größte Geldwäsche-Ermittlungen aller Zeiten"

Liberty Reserve hat der Anklage zufolge jedoch keine Bank- oder Transaktionsdaten über die Drittparteien gesammelt. Über die im Jahr 2006 gegründete Liberty Reserve wurden jährlich etwa zwölf Millionen Transaktionen abgewickelt.

An den Ermittlungen sind den Angaben zufolge die Justizbehörden von 17 Ländern beteiligt. Es handle sich um die wohl "größten Geldwäsche-Ermittlungen aller Zeiten", erklärte das Büro der Staatsanwaltschaft. Firmengründer Arthur B. wurde den Angaben zufolge bereits am vergangenen Freitag in Spanien festgenommen. Insgesamt seien fünf Mitarbeiter von Liberty Reserve in Spanien, Costa Rica und in den USA verhaftet worden, hieß es. Zwei weitere Verantwortliche würden noch in Costa Rica gesucht. Der 39-jährige Firmengründer B. ist den Angaben zufolge ein früherer US-Bürger, der später die Staatsbürgerschaft von Costa Rica annahm. Ihm und seinen vier Partnern, die zwischen 27 und 46 Jahren alt sind, drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren wegen Verschwörung zur Geldwäsche.

ins/Reuters/AFP / Reuters