HOME

Schleswig-Holstein: 2,3 Millionen Euro aus Geldtransporter spurlos verschwunden – ein Fall mit vielen Fragezeichen

Nachdem vor einer Woche über zwei Millionen Euro aus einem Geldtransporter verschwanden, hat das Sicherheitsunternehmen "Prosegur" eine Belohnung ausgesetzt. Der mysteriöse Fall wirft viele Fragen auf, die Ermittlungsbehörden geben sich schmallippig.

Ein Geldtransporter der Firma "Prosegur"

Aus einem Geldtransporter der Firma "Prosegur" verschwanden mehr als zwei Millionen Euro (Symbolbild)

Picture Alliance

"Ihre Geldtransporte in sicheren Händen", so wirbt das spanische Sicherheitsunternehmen "Prosegur" auf seiner Internetseite um Kunden. Vertrauen ist das höchste Gut in einer Branche, die täglich Milllionen von Euro quer durchs Land transportiert. Ein mysteriöser Fall aus Schleswig-Holstein erschüttert dieses Vertrauen zurzeit.

Am Mittwoch vor einer Woche (24. Januar) machte sich ein gelber mit zwei Mitarbeitern und mehreren Kassetten voller Bargeld von Hamburg auf den Weg zu einem Betriebsgelände des Unternehmens in Melsdorf bei Kiel. Gut 100 Kilometer sind es dorthin, eine Routinefahrt. Am Ende der Fahrt befanden sich in dem Werttransporter rund 2,3 Millionen Euro weniger als zu Beginn – und niemand weiß, wo das Geld ist.

Geldtransporter sind GPS-überwacht

Die Polizei in Schleswig-Holstein konnte die Fahrt des Transporters nachvollziehen, laut "Prosegur" werden die Fahrzeuge GPS-überwacht, "selbstverständlich". Nach Angaben der Ermittler legte die Besatzung des Geldtransporters auf ihrem Weg zweimal einen Stopp ein: etwa zwischen 15.30 und 16.00 Uhr auf dem Autobahnrastplatz Rehbrook Ost an der A21 und rund eine Stunde später an der "Esso"-Tankstelle an der B404 im Örtchen Kirchbarkau, etwa 20 Kilometer vor dem Ziel. Die Kripo vermutet offenbar, dass diese beiden Zwischenhalte etwas mit dem Verschwinden des Geldes zu tun haben. Sie sucht Zeugen, die in den genannten Zeiträumen oder in den Tagen zuvor an den beiden Orten auffällige Beobachtungen gemacht haben, zum Beispiel "verdächtige Personen oder Fahrzeuge".

Polizisten und ein Hund durchsuchen das gelände eines Autobahnparkplatzes

Mit Hunden suchte die Polizei auf dem Autobahnparkplatz nach Spuren

DPA

Wovon genau die Beamten ausgehen, verraten sie nicht, nur kleine Details werden bekannt. Der "Schleswig-Holsteinische  Zeitungsverlag" (SHZ) will erfahren haben, dass der erste Stopp eingelegt wurde, weil einem der beiden Mitarbeiter schlecht gewesen sein soll. Ermittler der Kriminalpolizei suchten nach dem Verschwinden des Geldes den Autobahnparkplatz nach Spuren ab. Hunde sollen die Beamten an ein angrenzendes Waldstück geführt haben, das mit einem Tor vom Rastplatz abgetrennt sei. Vor diesem Tor seien Reifenspuren zu sehen gewesen, so der SHZ. Doch ob hier tatsächlich etwas geschehen ist, das mit dem Verlust der 2,3 Millionen Euro zu tun hat, ist unklar. Auch was hinter der zweiten Pause an der "Esso" steckt, ist nicht bekannt. Hier sollen sogar beide Männer ausgestiegen sein – entgegen den üblichen Branchenstandards. Axel Bieler von der Staatsanwaltschaft Kiel bemerkte im Norddeutschen Rundfunk, er gehe davon aus, dass die Beaufsichtigung des Geldes "nicht nach den Regeln der Kunst geschehen ist". Im Außenbereich der "Esso"-Tankstelle hängen keine Überwachungskameras, lediglich der Kassenraum wird videoüberwacht. Ob dort etwas Relevantes aufgezeichnet wurde? Ob die Täter wussten, dass sie dort den Kameras aus dem Weg gehen konnten? Ebenfalls unklar.

Ermittler geben sich zugeknöpft

Fast zwangsläufig gerät in solchen Fällen zunächst die Besatzung des Geldtransporters in den Fokus der Ermittler. Die Polizei habe die beiden Männer und eine weitere Person vernommmen. Was bei den Gesprächen allerdings herausgekommen ist und wer die dritte Person war, verrät die auch nicht. Nur soviel: In Untersuchungshaft sitze niemand, es gebe keinen konkreten Verdacht.

So gibt es nach dem mysteriösen Verschwinden der 2,3 Millionen Euro zunächst deutlich mehr offene Fragen als Antworten – und das weitere Vorgehen der Polizei ist geheim, aus ermittlungstaktischen Gründen.

Das Geldtransportunternehmen schlägt indes seinen eigenen Weg ein, um Antworten zu bekommen und setzte Belohnungen aus: 15.000 Euro gibt es, wenn durch einen Hinweis der oder die Täter gefasst werden, noch einmal 50.000 Euro, wenn der unbekannte Kunde die 2,3 Millionen Euro zurückerhält.

Hinweise nimmt die Neumünster unter der Telefonnummer (04321) 9450 entgegen.