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US-Bundesstaat Georgia: Nach Erschießung von schwarzem Jogger: Polizei nimmt zwei Weiße fest

Mehr als zwei Monate vergingen, bis der Fall wegen eines verstörenden Videos die breite Öffentlichkeit erreichte. Ein Schwarzer war beim Joggen erschossen worden - tatverdächtig sind zwei Weiße. Nun wurden sie festgenommen.

Trauernde haben in der Nähe des Tatortes eine provisorische Gedenkstätte errichtet

Jogger in Georgia erschossen: Trauernde haben in der Nähe des Tatortes eine provisorische Gedenkstätte errichtet

AFP

Nach der Erschießung eines unbewaffneten Schwarzen im US-Bundesstaat Georgia sind zwei weiße Tatverdächtige festgenommen worden. Dem 64 Jahre alten Gregory M. und seinem 34 Jahre alten Sohn Travis werde schwere Körperverletzung und Mord zur Last gelegt, erklärte das Kriminalamt GBI am Donnerstagabend (Ortszeit).

Fall erreicht sogar US-Präsident Donald Trump

Der 25-jährige Ahmaud Arbery war in der Stadt Brunswick beim Joggen erschossen worden. Die Tat ereignete sich bereits am 23. Februar. Die Ermittlungen kamen erst in Gang, als der Fall durch ein verstörendes Handy-Video breite Aufmerksamkeit erlangte. Der 28 Sekunden lange Clip ist aus einem Fahrzeug aufgenommen und soll die Tat zeigen. Die Ermittler kündigten für Freitag eine Pressekonferenz an.

Der Fall erreichte mittlerweile auch die US-Hauptstadt Washington. US-Präsident Donald Trump sagte am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) im Weißen Haus, er werde noch am Abend einen Bericht zu dem Fall bekommen. Das Video habe er nicht gesehen, erklärte Trump auf Nachfrage. Er betonte aber, dies sei eine "sehr traurige Sache" und sprach den Angehörigen des Mannes sein Mitgefühl aus. 

Dass die beiden weißen Männer zunächst nicht festgenommen worden waren, hatte bei Politikern und Prominenten für empörte Reaktionen gesorgt. Der designierte Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten, Joe Biden, schrieb auf Twitter, das Video sei "eindeutig": "Ahmaud Arbery wurde kaltblütig erschossen." Der Fall müsse "schnell, vollständig und transparent" untersucht werden.

Die demokratische US-Senatorin Kamala Harris zeigte sich angesichts der Tat entsetzt. Gouverneur Brian Kemp erklärte, die Menschen in Georgia verdienten Antworten. Basketballstar LeBron James twitterte, Schwarze würden "buchstäblich jeden Tag, jedes Mal gejagt", wenn sie ihr Haus verließen. "Man kann nicht mal ein verdammtes Jogging machen, Mann."

Beschuldigte hielten Arbery laut eigener Aussage für Räuber

Auf dem Videoclip (Achtung: Die Aufnahmen zeigen Gewalt und können verstörend wirken) ist Ahmaud Arbery nahe der Stadt Brunswick beim Joggen zu sehen. Als er um einen auf der Straße stehenden Pickup mit zwei Weißen laufen will, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einem der Männer mit einem Gewehr in der Hand. Dann fallen mehrere Schüsse und Arbery fällt zu Boden.

Ein Bildausschnitt des Twitter-Videos

Eine Szene aus dem Twitter-Video, das die Tat zeigen soll. Wir zeigen das Video in diesem Text nicht, sondern setzen im Text einen Link auf eine Version der Aufnahmen bei Twitter. Sie zeigen Gewalt und können sehr verstörend wirken.

Die beiden weißen Männer wurden von der Polizei als Gregory M. und sein Sohn Travis identifiziert. Gregory M. gab der Polizei zufolge an, Arbery für einen Räuber auf der Flucht gehalten und ihn deswegen gemeinsam mit seinem Sohn verfolgt zu haben. Während er einen Revolver hatte, war sein Sohn mit einem Gewehr bewaffnet.

Die Aufnahmen zeigen, wie Arbery mit Travis M. ringt, während dessen Vater auf der Ladefläche des Pickups steht. Dann sind Schüsse zu hören. Gregory M. gab den Polizei-Angaben zufolge an, sein Sohn habe zwei Mal geschossen.


mad / DPA / AFP