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Geplanter Auftragsmord: "Kannst du die Alte wegmachen?"

Auftragsmörder wider Willen: Heiner Huck-Wörth wird von einem Arbeitskollegen gebeten, eine Bekannte zu ermorden. Huck-Wörth glaubt an einen Scherz, doch als plötzlich Geld fließt, wendet er sich an die Polizei - und gerät richtig in Schwierigkeiten.

Von Georg Wedemeyer

Zum einen Ohr rein, zum anderen raus - immer wieder hat sich Heiner Huck-Wörth* die Klagen eines flüchtigen Bekannten über die schlechte Ehe von dessen Arbeitskollegen angehört: "Der hat ständig so Probleme mit seiner Frau, am liebsten würde er sie loswerden, egal wie." Wochenlang ging das so. Bis der Bekannte ihm 5000 Euro Anzahlung zusteckte, "um die Alte wegzumachen". Da merkte Huck-Wörth, dass die Sache ernst war, und ging zur Polizei - womit die Probleme für den 48-Jährigen erst richtig losgingen.

"Du könntest doch diese Frau um die Ecke bringen"

Heiner Huck-Wörth erinnert sich noch genau an den Dezembertag 2008, als er den Mordauftrag bekam. "Es war kalt, ich stand mit meinem Lkw an der Rampe einer Firma in Südbaden und sollte Vakuum-Verpackungsgeräte laden. Als Rosario P. mich sah, hat er mich auf einen Kaffee eingeladen." Auf dem Weg in den Aufenthaltsraum zum Kaffeeautomaten sagte Rosario P. ganz beiläufig: "Heiner, du hast doch kein Geld und wirst jetzt arbeitslos. Da könntest du doch diese Frau um die Ecke bringen. Du bist doch gelernter Metzger."

So in etwa hat es Huck-Wörth Anfang April 2009 bei der baden-württembergischen Polizei zu Protokoll gegeben. Er selbst habe nur gelacht und "gedacht, dass der Rosario Späße macht". Er kannte den Italiener nur flüchtig, hatte ihn außerhalb der Arbeit nur einmal auf einem Volksfest gesehen.

Doch der Sizilianer scherzte nicht und ließ auch nicht locker. Beim nächsten Stopp an der Laderampe zwei Wochen später versprach Rosario 20.000 Euro Belohnung für die "kalte Alte". Im Januar übergab er in einem Umschlag Fotos des Opfers und seiner Umgebung und Straßenpläne eines Dorfes im Elsass, in dem die Frau wohnte. Auf ihnen waren die Wege eingezeichnet, auf denen sie immer zum Einkaufen und zur Bank ging. Huck-Wörth: "Rosario meinte, da solle ich sie abpassen, es sollte wie ein Raubmord aussehen."

Die Aufnahmen waren banal und technisch schlecht

Ein Haus mit Knöterichbewuchs, ein Garagentor, zwei Mülltonnen, zwei Autos. Die Aufnahmen waren banal und technisch schlecht. Ein Bild zeigte verschwommen eine kleine, ungefähr 50-jährige Frau mit schwarzen langen Haaren in einem großgeblümten Kleid. Auf einem Automatenbildchen blickte sie seltsam grimmig in die Linse.

Beim Betrachten der Bilder dämmerte Heiner Huck-Wörth allmählich, dass es schwierig sein würde, aus der Sache heil wieder herauszukommen. Rosario war Sizilianer, dessen Freund offenbar auch. Steckte die Mafia dahinter? Ungefragt hatten sie ihn zum Mitwisser gemacht. Würden sie es einfach hinnehmen, wenn er ihnen den Vogel zeigte? Er wusste zu viel, womöglich würde ein neuer Killer nicht nur die Frau, sondern ihn gleich mit aus dem Weg räumen. Eigentlich musste er zur Polizei. Aber was konnte er schon beweisen?

Warum gerade er?

Und warum hatten sie gerade ihn ausgesucht? Einmal hatte Rosario zu ihm gesagt: "Das was war, muss vergessen sein." Huck-Wörth schloss daraus, "dass die irgendwoher über meine Vergangenheit Bescheid wussten". Denn der Lkw-Fahrer ist mehrfach vorbestraft. "Schränker" sei er gewesen, gibt er zu. So heißen Tresorknacker in der badischen Gaunersprache. Aber seit zehn Jahren sei er raus aus dem kriminellen Milieu und gewalttätig sei er ohnehin nie gewesen. Mord sei für ihn undenkbar.

Heiner Huck-Wörth hatte einen schlimmen Verdacht: Er wusste, dass eine Tochter Rosarios bei der Polizei in Baden-Württemberg arbeitet. Hatte sie ihn für den Vater im Polizeicomputer ausgeforscht? Dass die Tochter bei der Polizei sei, stimme zwar, teilte dazu die Staatsanwaltschaft stern.de jetzt mit, aber "bislang bestehen keine Erkenntnisse, dass die Beamtin Informationen erhoben hat". Heiner Huck-Wörth beschloss abzuwarten, bis er klarer sah, woran er war.

Im Januar fand Huck-Wörth plötzlich einen Zettel im Briefkasten seiner Wohnung bei Freiburg: "Hallo Heiner, war mit dem Porsche ne Spritztour fahren, habe gedacht komm mal vorbei, hab Dich nicht gefunden. Schade. Rosario". Für Huck-Wörth war das kein netter Gruß, sondern "so ein Zeichen: Wir wissen, wer du bist und wo du wohnst".

Ende Februar steckte Rosario dem Lkw-Fahrer an der Rampe einen dicken Umschlag zu mit den Worten: "Das ist eine Anzahlung. Du musst die Sache bis Mai erledigt haben." Nach Feierabend zählte Huck-Wörth zu Hause nach: 100 Scheine zu 50 Euro. Jetzt gab es keinen Zweifel mehr: Der Mordauftrag war ernst gemeint.

Plötzlich war er nicht mehr Zeuge sondern Beschuldigter

Huck-Wörth besprach sich mit Freunden und seinem Bruder und erzählte Anfang April die ganze Geschichte der Polizei. Drei Tage nach der ersten Aussage wurde Heiner Huck-Wörth erneut vorgeladen und gleich zu Anfang ihm eröffnet, dass er nicht mehr als Zeuge, sondern als Beschuldigter vernommen werde. Grund: Es bestehe der "Verdacht der Verbrechensverabredung" und der "Verdacht des Betruges".

Entweder, so die polizeiliche Logik, war Huck-Wörth in Wahrheit ein Mittäter, der im letzten Moment kalte Füße bekommen hatte. Oder er war ein Betrüger, weil er 5000 Euro genommen hatte, ohne die verabredete Leistung, nämlich den Mord, erbringen zu wollen.

Er habe das Geld schon deshalb nicht zurückgegeben, "weil damit dann ja möglicherweise jemand anders das Geld kriegen und die Tat begehen würde", so Huck-Wörth zur Polizei. "Die wollten den Heiner mit dem Betrugsvorwurf unter Druck setzen, damit er für die Polizei den Spitzel macht", glaubt Bruder Markus Huck-Wörth.

Huck-Wörth soll vom Sizilianer mehr Geld verlangen

Tatsächlich wollte die Polizei weitere Beweise sammeln und überredete Huck-Wörth, seine Rolle weiterzuspielen. Er musste von dem Sizilianer weiteres Geld verlangen und wurde bei dem Übergabetreffen von der Polizei verkabelt und überwacht. "Richtig Angst" habe er damals gehabt, sagt Huck-Wörth. Raban Funk, Huck-Wörths Anwalt, findet es "zumindest ungewöhnlich, jemanden zu derart riskanten Hilfsdiensten heranzuziehen und ihm gleichzeitig Betrug vorzuwerfen".

Auch Huck-Wörths Telefon wurde überwacht, was der aber nicht wusste. Dabei konnte die Polizei mithören, wie Rosario P. ihm "nach Erledigung des Mordes an der Frau" noch eine "weitere Sache" in Aussicht stellte, die noch mehr Geld bringen würde. Also doch ein mafiöser Hintergrund?

Ende April schlug die Polizei zu und verhaftete den mutmaßlichen Mord-Auftraggeber Rosario P., 51, und dessen Freund Antonio S., 57. Es stellte sich heraus, dass das vorgesehene Mordopfer Rosanna G., die 52-jährige Ehefrau des Freundes war. Ein Geständnis legten die beiden Männer in der Untersuchungshaft bis heute nicht ab. Ihre Anwälte wollten sich zu stern.de nicht äußern.

Mordmotiv scheint banal zu sein

Für die Ermittler scheint der Hintergrund des Mordauftrags banal zu sein. "Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand kann davon ausgegangen werden, dass der Ehemann des in Aussicht genommenen Tatopfers eine Geliebte hatte und sich deshalb seiner Ehefrau entledigen wollte", so Gerhard Wehmeier, Chef der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen zu stern.de.

Für ihn gebe es daher "keine Anhaltspunkte für mafiöse Tathintergründe", so Wehmeier weiter. Das Betrugs-Ermittlungsverfahren gegen Heiner Huck-Wörth sei "zwingend einzuleiten" und "unabhängig von weiterer Kooperation des Huck-Wörth" gewesen. "In Zukunft etwa erforderlichen Schutz des Huck-Wörth wird die Polizei in eigener Zuständigkeit leisten." Kommentar des Betroffenen: "Da bin ich aber beruhigt." Ab 8. Oktober wird der Fall vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen verhandelt.

*Namen von der Red. geändert

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(