Gerichtsprozess in Antalya Türkischer Arzt entlastet Marco W.


Der Prozess gegen Marco W. ist erneut vertagt worden. Der Schüler muss weiterhin in Haft blieben, obwohl ein Gutachter erklärt hatte, dass er bei dem 13-jährigen mutmaßlichen Opfer, der Schülerin Charlotte M. keine Anzeichen für eine Vergewaltigung gefunden habe.

Der Prozess gegen den 17-jährigen Marco aus Uelzen (Niedersachsen) wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin ist nach etwa zweistündiger Verhandlung vertagt worden. Das Verfahren werde am 6. September fortgesetzt, erklärten die Anwälte des Jugendlichen im türkischen Badeort Antalya. Bis dahin müsse ihr Mandant in Untersuchungshaft bleiben. In der Verhandlung hatte ein Gutachter erklärt, die 13-Jährige sei nicht vergewaltigt worden.

Nach seiner Vernehmung in dem nicht öffentlichen Prozess sagte der Krankenhausarzt Levent Hekim vor Journalisten, er habe das Mädchen noch in der Nacht untersucht und keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt. Es habe auch keinen Geschlechtsverkehr gegeben. Allerdings habe er Spermaspuren gefunden. Mit dieser Aussage entlastete er Marco.

Angst vor einer Schwangerschaft

Der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen sitzt bereits seit Ostern in Untersuchungshaft. Er hatte ausgesagt, dass es mit der Engländerin im Einvernehmen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Diese Version bestätigte der Arzt. Seine Frage an das Mädchen, ob Marco ihr Gewalt angetan habe, habe sie verneint, sagte Hekim. Im Gegenteil, das Mädchen habe ihm gesagt, sie habe Marco eingeladen. Mutter und Schwester seien aber sehr aufgeregt gewesen, als sie ihn auf Anraten des Hotelarztes aufgesucht hätten. Die Mutter habe Angst vor einer möglichen Schwangerschaft der 13-jährigen Charlotte gehabt.

Neben dem Arzt sagte am Mittwoch auch ein Freund der Schwester des Mädchens aus. Dies erfuhr stern.de aus prozessnahen Kreisen. Demnach hatte der türkische Verteidiger von Marco W. den in England lebenden Sacha G., Jahrgang 1989, als Zeugen berufen. Sacha G., der einen türkischen Vater und eine britische Mutter hat, sagte aus, dass er mit Marco, den Schwestern und einem weiteren Mädchen am Abend des 10. April zunächst zusammen in eine Diskothek gegangen sei. Anschließend hätten sich alle fünf in das Hotelzimmer der Schwestern begeben. Von den sexuellen Kontakten zwischen Marco W. und Charlotte M. habe er aber nichts mitbekommen, sagte Sacha G.. Er habe sich gemeinsam mit der Schwester die meiste Zeit auf dem Balkon des Hotelzimmers befunden.

Marcos Vater appelliert an Charlottes Eltern

Der inhaftierte Marco befindet sich nach Angaben seines Anwalts Jürgen Schmidt in schlechter Verfassung. Es sei "unverhältnismäßig", dass die Untersuchungshaft für den Jugendlichen nun bereits fast vier Monate andauere. Seine Eltern waren zu dem Prozess erneut angereist.

In einem NDR-Fernsehinterview appellierte Marcos Vater an die Eltern der Britin, ihre Anzeige zurückzuziehen. Die "Bild"- Zeitung veröffentlichte einen Brief der Mutter, in dem sie über ihre Sorgen und Ängste schreibt. Das britische Mädchen wird nach Angaben des Arztes vom Mittwoch zurzeit psychologisch betreut.

DPA DPA

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