Gerichtsurteil Achteinhalb Jahre für Lehrerin-Mord


Ein 19-Jähriger schwänzte oft, bekam von seiner Lehrerin dafür eine schlechte Note verpasst. Da sah er rot für seine Marine-Pläne und erstach die Lehrerin mit seinem Bruder. Das Gericht blieb mit achteinhalb Jahren knapp unter der Höchsstrafe.

Wegen Mordes an seiner Deutschlehrerin hat das Lübecker Landgericht einen 19-Jährigen zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der damalige Schüler im Januar 2005 in Ahrensburg gemeinsam mit seinem Bruder die Lehrerin in ihrer Wohnung erstochen hat. Anlass der Tat sei eine banale Meinungsverschiedenheit zwischen der Lehrerin und ihrem Schüler gewesen, wie sie zum Schulalltag gehöre, sagte die Vorsitzende der Jugendstrafkammer des Lübecker Landgerichts bei der Urteilsverkündung am Donnerstag: "Die Tat stand in krassem Missverhältnis zum Anlass".

Angst, sich mit schlechter Note Marine-Karriere zu verbauen

Die Lehrerin hatte ihrem Schüler, wie es an der Realschule im Ahrensburger Schulzentrum damals üblich war, wegen unentschuldigten Fehlens eine schlechte Note gegeben. Der aus Kasachstan stammende junge Mann, der sich nach Zeugenaussagen ohnehin von der Lehrerin ungerecht behandelt fühlte, sah dadurch seine Chancen auf eine geplante Karriere bei der Marine gefährdet. Daher fassten nach Überzeugung der Richter er und sein zwei Jahre älterer Bruder den Plan, die Lehrerin aus Rache zu töten. Unter dem Vorwand, schulische Hilfe zu benötigen, verschafften sie sich am Abend des 16. Januar 2005 Zugang zur Wohnung der 55-Jährigen, streckten sie mit sechs Schlägen zu Boden und erstachen sie.

Mit dem Urteil blieb das Gericht knapp unter dem Antrag des Staatsanwaltes und der Nebenkläger, die neun Jahre und neun Monate Jugendstrafe gefordert hatten. Als Höchststrafe für Mord sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre vor.

Dritte Auflage vor Gericht nicht ausgeschlossen

Der Verteidiger des 19-Jährigen, der Freispruch beantragt hatte, kündigte erneut Revision an. Falls der Bundesgerichtshof diesem Antrag stattgeben sollte, käme der Fall der getöteten Lehrerin ein drittes Mal vor Gericht. Der 19-Jährige war bereits im Oktober 2005 zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, damals allerdings nur wegen gefährlicher Körperverletzung.

Gegen dieses Urteil hatten sowohl Staatsanwaltschaft und Nebenkläger als auch die Verteidigung Revision beantragt. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil mit der Begründung aufgehoben, das damals mit dem Fall befasste Gericht habe nicht geprüft, ob sich der Angeklagte eines Totschlags durch Unterlassung schuldig gemacht habe, weil er nicht versucht hatte, seinen Bruder an der Tat zu hindern. Dieser war wegen Mordes rechtskräftig zu acht Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt worden.

DPA DPA

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