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Gerichtsurteil: Ins Koma geprügeltes Kind darf sterben

Die kleine Haleigh Poutre wurde von ihrem Stiefvater mit einem Baseballschläger beinahe zu Tode geprügelt. Seit September liegt das Mädchen hirntot im Koma. Ausgerechnet ihr Peiniger will sie mit allen Mitteln am Leben halten.

Eine fast zu Tode geprügelte elfjährige Komapatientin in den USA darf sterben. Das hat das höchste Gericht des US-Staates in Massachusetts entschieden, wie US-Medien am Mittwoch berichteten. Danach darf der Ernährungsschlauch abgekoppelt und das Beatmungsgerät abgeschaltet werden - jene Apparaturen, die das kleine praktisch hirntote Mädchen seit vergangenem September am Leben erhalten haben. Wann das geschieht, war am Mittwoch aber noch offen.

Das Schicksal von Haleigh Poutre knapp ein Jahr nach dem Drama um die Komapatientin Terri Schiavo hatte über die USA hinaus viele Menschen bewegt. Der Fall der Kleinen ist nicht nur tragisch, sondern auch bizarr. Denn ausgerechnet jener Mann, der beschuldigt wird, das Kind mit einem Baseballschläger praktisch tödlich verletzt zu haben, hat dafür gekämpft, dass Haleigh am Leben bleibt. Nicht aus väterlicher Liebe, vermutet das Sozialamt in Massachusetts als Vormund der Kleinen, sondern aus Eigennutz. Denn bisher ist er nur wegen Körperverletzung angeklagt. Stirbt Haleigh, wird daraus Mord.

Über Jahre gequält

Haleigh hatte schon lange im Stillen gelitten, bevor ihr Fall die ersten Schlagzeilen in den Medien auslöste. Von ihrer leiblichen Mutter vernachlässigt und wiederholt geschlagen, wurde sie in die Obhut ihrer Tante Holli gegeben und von dieser 2001 adoptiert. Wenig später heiratete Holli dann Jason Strickland, und der Anklage zufolge spielte sich hinter verschlossenen Türen Unsägliches ab. Beide, Mann und Frau, sollen das Mädchen immer wieder gequält und geschlagen haben.

Im September wurde Haleigh dann in eine Klinik gebracht - mit so entsetzlichen Verletzungen, dass sogar das an viel Leid und Schmerz gewohnte Personal völlig schockiert und fassungslos war. Die Zähne des Mädchens waren eingeschlagen, das Gesicht war zu geschwollen, die Brust mit frischen und vernarbten Brand- und Schnittwunden bedeckt. Am schlimmsten aber: Dem Stammhirn war so schwerer Schaden zugefügt worden, dass die Ärzte Haleighs Zustand als aussichtslos einstuften.

Aus Körperverletzung wird Mord

Beide Stricklands wurden angeklagt, aber gegen Kaution frei gelassen. Wenig später wurde Holli zusammen mit ihrer Großmutter erschossen aufgefunden - die Polizei geht von Mord und Selbstmord aus. Als das Sozialamt in Massachusetts von einem Jugendrichter die Erlaubnis für die Abschaltung der lebenserhaltenden Apparate erfocht, zog Jason Strickland seinerseits vor Gericht, "um die arme Haleigh zu retten", wie er es formulierte. Jetzt unterlag er - und muss sich auf ein Verfahren wegen Mordes vorbereiten.

Gabriele Chwallek/DPA / DPA