Gerichtsurteil Rentner-Mörder muss in Psychiatrie


Die Stimmen von Putin, Hitler und Merkel haben ihn zu einer grausamen Tat verleitet: Nach einem Sex-Treffen griff ein Hamburger zum Messer und stach 60 Mal auf einen Rentner ein. Erst durch einen Zufall konnte die Polizei den Mord aufklären – jetzt wurde der ehemalige Seemann verurteilt.

Rund 16 Jahre nach dem brutalen Mord an einem Hamburger Rentner hat das Landgericht der Hansestadt den psychisch kranken Täter wegen Allgemeingefährlichkeit in eine Psychiatrie eingewiesen. Nach Überzeugung der Richter hatte der heute 42-Jährige den 79-Jährigen im März 1993 nach gemeinsamem Sex in dessen Wohnung heimtückisch mit rund 60 Messerstichen ermordet. Aufgrund einer paranoiden Schizophrenie sei er allerdings schuldunfähig und wurde freigesprochen und daher anstatt in eine Haftstrafe in eine Fachklinik eingewiesen.

Der 42-Jährige hatte gestanden, von Stimmen in seinem Kopf zu der Tat gedrängt worden zu sein. Nach Darstellung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der frühere Seemann seit dem 20. Lebensjahr an einer völlig unzureichend behandelten paranoiden Schizophrenie. Unter anderem glaubte er demnach, von dem russischen Ex-Präsidenten Wladimir Putin, von Adolf Hitler oder auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel beeinflusst zu werden. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts, der die von dem Angeklagten ausgehende Gefahr betont und eine Einweisung gefordert hatte. Der 42-Jährige habe in einem "psychischen Ausnahmezustand" gemordet, sagte der Richter. Er leide an einem "bizarren Wahn" und habe keine Kontrolle über sich.

Tatmesser unter Kopfkissen versteckt

Nach Erkenntnissen des Gerichts hatten sich der zur Tatzeit 26 Jahre alte Angeklagte und sein Opfer in den Kneipen im Stadtteil St. Pauli kennengelernt und sporadisch Sex miteinander gehabt. Auch am Tattag nahm der 79-Jährige den jüngeren Mann mit zu sich nach Hause und bot ihm dafür Geld. Nachdem es zu sexuellen Handlungen zwischen beiden gekommen war, stach dieser dann plötzlich mit einem Springmesser zu, das er unter dem Kopfkissen des Bettes versteckt hatte. Der Rentner verblutete und wurde erst am nächsten Tag von einem Freund entdeckt.

Nach der Tat von 1993 blieben die Ermittlungen der Polizei zunächst ergebnislos, liefen dann aber im Oktober vergangenen Jahres in neue Richtungen: Bei einem Datenbankabgleich fanden sich zufällig Übereinstimmungen der DNA und den Fingerabdrücken des Angeklagten mit alten Tatortspuren, zum Beispiel unter den Fingenägeln des Opfers.

DPA DPA

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