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Germanwings-Absturz: Lufthansa verteidigt ihr Schmerzensgeld-Angebot

25.000 Euro Schmerzensgeld hat die Lufthansa den Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe geboten. Während Opfer-Anwälte empört sind, erläutert ein Lufthansa-Jurist die vorgeschlagene Summe.

Lufthansa-Konzern bietet den Angehörigen der Germanwings-Katastrophe Schmerzensgeld

Gedenktafeln für die Opfer des Germanwings-Unglücks am Düsseldorfer Flughafen - der Lufthansa-Konzern bietet den Angehörigen jetzt finanzielle Entschädigung

Die Lufthansa hat den deutschen Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Zusätzlich sollen nächste Angehörige der Opfer wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner ohne weitere Prüfung jeweils ein individuelles Schmerzensgeld von 10.000 Euro erhalten, wie die Fluggesellschaften am Dienstag mitteilten.

 

Das Schmerzensgeld solle nicht mit den bereits geleisteten 50.000 Euro Soforthilfe verrechnet werden, erläuterte ein Lufthansa-Jurist. Das Schmerzensgeld werde auch zusätzlich zu den Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz fließen, für das sich die Familien der deutschen Opfer an den Staat wenden müssen.

Ansprüche gegen den deutschen Staat

Nach dem Opferentschädigungsgesetz haben die Opfer von Gewalttaten Ansprüche gegen den deutschen Staat, wobei ausdrücklich Ereignisse in deutschen Flugzeugen eingeschlossen sind. Der Staat, hier der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), kann sich die Leistungen möglicherweise bei Germanwings zurückholen.

 

Mehrere Anwälte bestätigten am Dienstag den Eingang des Lufthansa-Vorschlags. Der Kölner "Express" hatte zunächst darüber berichtet. Der Mönchengladbacher Anwalt Christof Wellens nannte das Angebot nicht angemessen: "Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur eine Opfer-Familie das annimmt", sagte Wellens der Deutschen Presse-Agentur. Lufthansa versuche, sich der Verantwortung zu entziehen. Wellens vertritt nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit mehr als 60 Angehörigen zivilrechtlich.

Regelungen nach Herkunft der Opfer

Die Fälle der Todesopfer aus anderen Ländern müssten nach dem jeweiligen nationalen Recht behandelt werden, erläuterte die Lufthansa. In Spanien würden materielle wie immaterielle Schäden über die sogenannte Baremo-Tabelle abgewickelt. Ob britische oder US-amerikanische Gerichte über Entschädigungen ihrer Staatsbürger entscheiden könnten, sei noch offen.

 

Bei dem Absturz des Germanwings-Jets am 24. März, der den Ermittlern zufolge vom lebensmüden Co-Piloten Andreas Lubitz herbeigeführt wurde, kamen in den französischen Alpen alle 150 Menschen an Bord ums Leben.

278 Millionen Euro Entschädigung

Ein Versicherungskonsortium mit der Allianz an der Spitze hat nach früheren Angaben 278 Millionen Euro zur Schadensregulierung zurückgestellt. Das sei zunächst eine bilanzielle Rechengröße und sage nichts über die zu erwartende Schadenssumme aus, erklärte ein Experte der Versicherung. Neben den Opferentschädigungen müssten unter weiteren Posten auch die Bergung, die Sanierung von Umweltschäden, das Krisenmanagement, Rechtskosten und das zerstörte Flugzeug bezahlt werden.

 

Lufthansa übernehme langfristige soziale Verantwortung für die Angehörigen der Opfer, erklärte eine Konzernsprecherin. So werde ein Treuhandkonto mit 7,8 Millionen Euro eingerichtet, um Kinder der Opfer in der Ausbildung zu unterstützen. Ein allgemeiner Hilfsfonds werde mit 6 Millionen Euro ausgestattet. Zudem richte Lufthansa vier Gedenkstätten ein: In Le Vernet in der Nähe des Absturzortes sowie in Barcelona, Köln und Haltern.

tim