HOME

Geständnis des Autobahnschützen: Er schoss aus Frust über den Straßenverkehr

1300 Schuss Munition lagerte er zu Hause, als die Ermittler ihn festnahmen. Zuletzt wurde er gesucht wie ein Terrorist. Der mutmaßliche Autobahnschütze gestand, warum er schoss.

Der mutmaßliche Autobahnschütze hat seine Taten wenige Stunden nach der Festnahme gestanden. Als Motiv habe der 57 Jahre alte Lastwagen-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen "Ärger und Frust im Straßenverkehr" genannt, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Dienstag in Wiesbaden. Seit 2008 hatte der Mann mindestens 762 Mal aus seinem Lastwagen auf andere Lastzüge geschossen, vor allem auf Autotransporter. 2009 war eine Autofahrerin auf der A3 bei Würzburg am Hals getroffen und schwer verletzt worden.

Der Mann war am Sonntagmorgen in seinem Wohnort in der Eifel festgenommen worden. Mehrere Waffen seien sichergestellt worden, sagte Ziercke. Man habe bei dem Verdächtigen auch noch 1300 Schuss Munition gefunden. Ziercke nannte den Fall "bislang einzigartig in der Kriminalgeschichte".

"Frustrierter Einzelgänger mit Hass auf Menschen"

Der Würzburger Staatsanwalt Dietrich Geuder kündigte an, der 57-Jährige werde sich wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Dem Fahrer werden auch Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der Mann sei "ein frustrierter Einzelgänger mit einem Hass auf andere Menschen und einer Affinität zu Waffen". Der Mann habe seine Schüsse als Selbstjustiz betrachtet und die Situation auf deutschen Autobahnen als eine Art Krieg bezeichnet, sagte Geuder.

Mit der Festnahmen geht eine jahrelange Fahndung zu Ende. Wie ernst das BKA die rätselhafte Serie von Schüssen meist auf Autotransporter nahm, zeigte sich im vergangenen November. Damals machte Ziercke den Fall mit einem besorgten Appell öffentlich zur Chefsache: "Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert", sagte er. Die Fahndung zu dem Fall präsentierte das BKA auf seiner Internetseite zwischen der Suche nach Terroristen. Als Belohnung für Hinweise wurden bis zu 100.000 Euro ausgesetzt.

Die Sorge der Ermittler wuchs damals noch einmal, weil der Täter im Jahr 2012 zu Munition größeren Kalibers wechselte. Zwar zielte er allem Anschein nicht auf die Fahrer, sondern auf transportierte Autos. Doch auch in andere Wagen und Gebäude schlugen die Kugeln ein. Wie gefährlich die Schüsse waren, hatte sich 2009 gezeigt, als eine Autofahrerin bei Würzburg schwer am Hals verletzt wurde.

Einschusslöcher deuteten auf Lkw-Fahrer als Täter hin

Wegen dieser Tat ist auch die Staatsanwaltschaft Würzburg für den Fall zuständig. Hier wurde der Verdächtige am Montag vernommen.

In den vergangenen Monaten arbeiteten 90 Ermittler des BKA und aus fünf Bundesländern an dem Fall. Dabei hatte die Polizei schon früher den richtigen Riecher und tippte auf einen Lasterfahrer als Täter. Die Flugbahn der Projektile legte nahe, dass die Schüsse während der Fahrt aus einem anderen Lastwagen in den Gegenverkehr abgefeuert wurden.

Massenhafte Kennzeichenerfassung offenbar erfolgreich

Doch trotz dieser Erkenntnisse blieb ein Erfolg lange aus. Da die Einschüsse meist erst am Fahrtziel entdeckt wurden, war der genaue Tatort stets unklar. Unter anderen darum schickten Ermittler selbst Lastwagen los und überwachten diese - vergeblich. Nach Recherchen des Südwestrundfunks kam das BKA dem Verdächtigen schließlich dank versteckter Lesegeräte für Kennzeichen an den Autobahnen auf die Spur. Bei jedem neuen Fall wurden die massenhaft erfassten Nummernschilder abgeglichen. Auch Mobilfunkdaten sollen ausgewertet worden sein.

anb/DPA/AFP / DPA