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Geständnis im Mordprozess Brunner "Er hat als Erster zugeschlagen"


Der Münchner Prozess um die tödliche Prügelattacke gegen den Manager Dominik Brunner ist mit Teilgeständnissen gestartet. Der ältere der beiden Beschuldigten bedauert zwar seine Beteiligung an der Tat, bestreitet aber Absicht - und gibt dem Opfer eine Mitschuld.

Die beiden wegen Mordes an Dominik Brunner auf dem Münchner S-Bahnhof Solln angeklagten jungen Männer haben die tödliche Prügelattacke gestanden. Zu Beginn des Prozesses vor der Jugendkammer des Landgerichts München sagte der 18-jährige Markus S.: "Ich muss wohl voll einen Blackout gehabt haben." Er betonte: "Mir tut der Tod von Herrn Brunner unendlich leid." Er habe zu keinem Zeitpunkt mit dem Tod Brunners gerechnet, geschweige denn diesen gewollt.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung gab S. Brunner allerdings eine Mitschuld an der Eskalation am S-Bahnhof Solln. Demnach seien er und Sebastian L. an dem Bahnhof zwar zusammen mit Brunner und den 13- bis 15-Jährigen ausgestiegen. Allerdings nicht mit dem Ziel, Brunner anzugreifen. "Ich sah dann eine Jacke am Boden liegen und der ältere Mann tänzelte plötzlich mit erhobenen Fäusten vor mir und Basti rum", hieß es in der Erklärung. Dann habe Brunner auf einmal als Erster zugeschlagen. "Ich muss dann wohl völlig die Kontrolle über mich verloren haben", erklärte S.

Zweieinhalb Liter Bier und eine halbe Flasche Wodka

S. sagte, er könne sich aber nicht mehr daran erinnern, was genau geschehen ist. Er könne daher auch nicht ausschließen, dass er zugetreten habe. Nach eigenen Angaben war S. zur Tatzeit betrunken, er habe am Nachmittag zweieinhalb Liter Bier und eine halbe Flasche Wodka getrunken.

Sein zur Tatzeit 17 Jahre alter Komplize sagte zu der Tat: "Ich weiß, dass es dafür keine Entschuldung gibt, dass ein Mensch ums Leben gekommen ist. Es tut mir von Herzen leid, und ich wollte niemals, dass so etwas passiert." Den geplanten Raub gestand L. Sie hätten Geld für den Abend gebraucht. Er habe mit zehn Euro gerechnet. In der S-Bahn habe er aber nicht mehr vorgehabt, die Kinder "abzuziehen", beteuerte er. Erst auf mehrfache Nachfrage des Richters räumte er ein, in der S-Bahn noch damit gedroht zu haben, um den Kindern Angst zu machen.

Tödlicher Angriff dauerte eine Minute

Der Anklage zufolge töteten Markus S. und Sebastian L. den 50-jährigen Manager mit Fausthieben und massiven Tritten auf den Kopf, weil Brunner vier Kinder in der S-Bahn vor einem Raubüberfall geschützt hatte. Laut Staatsanwaltschaft hatten die beiden jungen Männer beschlossen, Brunner "für sein anmaßendes Eingreifen zu bestrafen". Als sie auf ihn losgegangen seien, habe er den Angriff mit einem Faustschlag ins Gesicht von S. zunächst abgewehrt und dann abgewartet. Darauf sei er binnen einer Minute zu Tode geprügelt und getreten worden, "vielfach mit äußerster Wucht auf den Kopf und den Oberkörper des am Boden liegenden" Opfers. Dabei sollen sie ihn als "Dreckschwein", "Bastard", "Sau" und "Arschloch" beschimpft haben.

Zum Schluss habe S. "noch einmal mit voller Wucht von oben nach unten mit dem Fuß auf den Kopf" gestampft. Brunner starb mit 44 Verletzungen wenig später in der Universitätsklinik. Sein 80-jähriger Vater nahm als Nebenkläger an dem Prozess teil und saß den beiden Tätern im Saal genau gegenüber.

Es drohen zehn Jahre und lebenslänglich

Die Bluttat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh Brunner für seine Zivilcourage posthum das Bundesverdienstkreuz. Die beiden Angeklagten sind unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Drogendelikten vorbestraft. Ein Komplize der beiden wurde wegen des unmittelbar vorangegangenen Raubüberfalls auf die vier Kinder bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Die Jugendkammer des Landgerichts hat 57 Zeugen und Sachverständige geladen. Schon in zwei Wochen will das Gericht sein Urteil verkünden. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohen L. zehn Jahre, S. sogar lebenslange Haft.

fw/DPA/AFP/APN DPA

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