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Getötete Touristen in Äthiopien Hintergründe von Überfall auf Reisegruppe bleiben unklar


Fünf Touristen werden bei einem Wüstentrip in Äthiopien erschossen, darunter zwei Deutsche. Weitere Menschen werden offenbar verschleppt. Die Hintergründe der Tat sind weiter unklar. Das BKA hat mehrere Mitarbeiter nach Äthiopien geschickt, um die Ermittlungen voranzubringen.

Die Hintergründe des Überfalls auf eine Reisegruppe mit fünf toten Touristen in Äthiopien sind weiter unklar. Die äthiopische Regierung machte von der eritreischen Regierung ausgebildete Terroristen dafür verantwortlich. "Sie werden von Eritrea trainiert und geschickt, um an der Grenze zu Äthiopien solche terroristischen Aktionen durchzuführen", sagte der äthiopische Generalkonsul in Frankfurt, Mulugeta Zewdie, dem Sender NDR info. Unter den Toten sind zwei Deutsche. Das Bundeskriminalamt (BKA) schickte mehrere Mitarbeiter nach Äthiopien. Wer hinter der Tat stecken könnte, sei noch unklar, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". "Es gibt Vermutungen, dass es Rebellen sein könnten, aber da wäre ich sehr vorsichtig, das müssen die weiteren Ermittlungen ergeben." Es könne noch einige Tage dauern, bis konkrete Informationen vorliegen.

Nach Angaben eines äthiopischen Regierungssprechers wurden auch zwei Ungarn und ein Österreicher erschossen. Zwei Deutsche sowie ein äthiopischer Polizist und ein äthiopischer Fahrer seien entführt worden. "Sie wurden wahrscheinlich alle nach Eritrea verschleppt", sagte der Regierungssprecher der dpa. Zwölf Menschen konnten aus der Gefahrenzone im Grenzgebiet zum Nachbarland Eritrea gerettet werden.

Nach Informationen der "Lausitzer Rundschau" soll ein 58 Jahre alter Cottbuser unter den Toten sein. Die Leichen der fünf getöteten Touristen trafen am Mittwochnachmittag in der Hauptstadt Addis Abeba ein.

Zu der Attacke kam es in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze, einem der heißesten Orte der Erde. In dem Gebiet kommt es seit Jahren immer wieder zu Übergriffen auf Touristen. Das Auswärtige Amt und die Außenministerien zahlreicher anderer Länder weisen auf ihren Homepages deshalb auch auf ein erhöhtes Risiko in dem Grenzgebiet hin.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach zwar nicht von einer Entführung. Allerdings sagte er, "dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt" sei. Das Außenministerium in Wien bestätigte den Tod des Österreichers. Minister Michael Spindelegger erklärte in Wien, die Gruppe sei "in einem militärischen Grenzgebiet, de facto einem Sperrgebiet" unterwegs gewesen.

Die äthiopische Regierung zeigte sich sicher, dass Eritrea in den Überfall verwickelt sei. "Es handelt sich um einen der wiederholten Angriffe der eritreischen Regierung, die die ganze Region destabilisieren will", erklärte der äthiopische Regierungssprecher. Eritrea habe bereits im vergangenen Jahr versucht, einen Anschlag auf das jährliche Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) zu verüben. Dieser sei jedoch vereitelt worden. Eritreische Diplomaten wiesen die Vorwürfe zurück.

Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir sagte nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region ab. Geschäftsführer Jörg Ehrlich bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass Teilnehmer der überfallenen Gruppe ihre Tour bei Diamir gebucht haben. Details nannte er nicht.

Die Region, in der es zahlreiche Vulkane und Salzseen gibt, ist von großer landschaftlicher Schönheit. Deshalb bieten Reiseveranstalter nach wie vor Touren in die Danakil an. Die Region gilt als "Wiege der Menschheit", seit hier in den 1970er Jahren Knochen eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt wurden.

Allerdings kommt es in dem Grenzgebiet immer wieder zu Zwischenfällen. Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind sehr gespannt. Eritrea war 1993 unabhängig von Äthiopien geworden. Seither hat Äthiopien keinen Meereszugang mehr. Zwischen 1998 und 2000 kam es zu einem blutigen Grenzkrieg mit mehr als 100 000 Toten.

Bereits 2007 waren in dem Gebiet fünf Europäer - vier Briten und eine Französin - entführt und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen. Im Frühjahr 2009 fuhr in der Nähe des Vulkans Erta Ale - in der sich auch der neuerliche Angriff ereignet haben soll - ein Touristenfahrzeug auf eine Mine und explodierte. Zwei Äthiopier starben, ein ausländischer Tourist wurde verletzt.

DPA DPA

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