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Getöteter Augsburger Polizist: Trauer, Wut und neue Spuren

Augsburgs Polizei trauert - um den erschossenen Hauptwachtmeister Mathias V. Und sie fahndet nach seinem Mörder - mit neuen Hinweisen. Erstmals meldet sich V.'s Familie zu Wort.

Von Malte Arnsperger

Das "Hegefischen", die Jagd nach einem bestimmten Fisch, stand an. Am Samstag wollten die Jugendlichen des Königsbrunner Fischereivereins Hechte fangen. Organisator der Veranstaltung war der zweite Jugendwart des Vereins, Mathias V. Doch das Fischen musste in letzter Minute abgesagt werden. Denn Mathias V., Polizist im nahen Augsburg, wurde nur einen Tag vorher bei einer wilden Verfolgungsjagd erschossen. "Wir können diese Tat noch immer nicht fassen", sagt Hermann Kring, der Vorsitzende des Vereins, stern.de. "Aber wir hoffen, dass sie die Täter schnell finden."

Diese Aufgabe hat die Soko "Spickel". Sie ist benannt nach einem Augsburger Wohngebiet in der Nähe des Ortes, an dem Mathias V. zusammen mit seiner Kollegin bei einer Routinekontrolle auf seine späteren Mörder traf. Rund 180 Hinweise sind bei den rund 40 Beamten der Soko bislang eingegangen. Unklar bleibt, warum sich die Täter der nächtlichen Routinekontrolle auf ihrem Motorrad entziehen wollten. Waren es gesuchte Schwerverbrecher? Drogenhändler, die sich ihrem Geschäft ertappt fühlten, oder Kriminelle, die gerade eine Tat planten? Eine heiße Spur gebe es noch nicht, heißt es bei der Polizei. Aber die Ermittler haben mittlerweile die Tatwaffe gefunden und verfolgen noch einige ganz konkrete neue Ansätze. So ist inzwischen klar, dass sowohl von dem getöteten Beamten, als auch von seiner Kollegin mehrere Schüsse auf die Täter abgegeben wurden. Möglicherweise wurde die beiden Motorradfahrer also verletzt, weshalb die Polizei nach Personen mit frischen Wunden sucht.

Motorrad spielt wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielt auch das Motorrad, auf dem die Täter zunächst vor den beiden Polizisten flüchteten und das sie dann zurücklassen mussten. Die rund 15 Jahre alte Honda CB 500 wurde laut Polizei in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober in Ingolstadt gestohlen. Dabei sei die Maschine kurzgeschlossen worden. Die Sturzbügel und der Aufkleber am hinteren Seitenteil des Motorrades seien nachträglich, aber nicht von den Tätern angebracht worden. Die Polizei sucht deshalb nach Personen, die das Motorrad in den Tagen nach dem Diebstahl in Ingolstadt gesehen haben oder wissen, wo es zwischenzeitlich untergestellt wurde. Zudem sind die Täter nach Ansicht der Polizei immer noch im Besitz einer schwarzen großen Tasche, möglicherweise wurden sie damit gesehen.

Auf der Jagd nach den Mördern ihres getöteten Kollegen werten die Ermittler auch DNA-Spuren auf, die am Tatort gefunden wurden. Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet. Zudem verfolge man noch "viele weitere Ansätze", sagt ein Polizeisprecher. Ob dazu auch eine Auswertung der Handy-Verbindungsdaten gehöre, wolle man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Eine solche Untersuchung könnte erfolgversprechend sein, schließlich geschah die Tat gegen drei Uhr nachts, einer Zeit, in der nicht viele Menschen telefonieren.

Ein trauernder Sohn: der 13-jährige Valentin

Um des Hauptmeisters Mathias V. zu gedenken, werden die Polizeifahrzeuge in Augsburg noch die ganze Woche Trauerflor tragen. Zudem ist eine Trauerfeier für den Polizisten geplant. Auch im Internet kondolieren die Menschen und drücken ihre Wut über die Tat aus. Auf Facebook haben sich mehrere Gruppen gegründet. Auch einer der Söhne von Mathias V., der 13-jährige Valentin, scheint unter den Mitgliedern von "Augsburg trauert" zu sein. Er schreibt: "Die einzigst annähernde Strafe wäre sie zu foltern und sie an nem qualvollen Tod sterben zu lassen ! Nicht mal das wäre genug , denn sie wissen nicht was sie damit angerichtet haben..." Eine weitere Userin antwortet darauf: "Lieber Valentin, als Exkollegin Deines Vaters würde ich das gerne für Dich erledigen :.("

Der Königsbrunner Fischereiverein hat seine Fahnen mittlerweile auf Halbmast gesetzt. Schließlich hat der Club mit Mathias V. ein engagiertes Mitglied verloren, das seit drei Jahren im Vorstand saß. "Er war als Jugendwart unter anderem für die Organisation von Veranstaltungen zuständig. Er konnte toll mit Kindern umgehen, die Jugendlichen waren begeistert von ihm", sagt Clubchef Kring. Erst im August war Mathias V. zusammen mit 19 Jugendlichen des Vereins auf einem Zeltlager. Die beiden Söhne von Mathias V. waren ebenfalls in dem Club aktiv, beim "Jugendanfischen" 2009 war Valentin der schwerste Fang gelungen, ein Karpfen mit fast fünf Pfund Gewicht.

Er habe Mathias V. als "sehr engagierten und fröhlichen Mann kennengelernt", sagt Hermann Kring. Von seinem Beruf habe er nicht viel berichtet, man habe nur mitbekommen, dass „der Mathias oft anstrengende Arbeitszeiten hat“. Vor zwei Wochen habe er den Polizisten zum letzten Mal gesehen. "Er war richtig ausgeschlafen und hat sich gefreut, weil er endlich mal zwei Tage frei hatte. Er saß im Büro und hat Einladungen an die Jugendlichen geschrieben." Es waren die Einladungen für das Hegefischen.