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Gewalt in Münchner U-Bahn: Schweizer Schläger traktierten auch einen Behinderten

Die Ermittler im Fall der Schweizer Schläger sind zunehmend entsetzt über die Brutalität der Jugendlichen. Wie sich gezeigt hat, prügelten die drei Schüler auch ungehemmt auf einen Behinderten ein, ehe sie einen zufällig vorbeikommenden Geschäftsmann halbtot schlugen. Die Münchner Mordkommission ermittelt.

Bei ihrem Gewaltexzess haben die prügelnden Schweizer Schüler vergangene Woche auch einen körperlich behinderten Mann zusammengeschlagen. Zwei der 16-Jährigen griffen in der Nacht zum Mittwoch in München einen sichtlich schwerbehinderten 43-Jährigen an und schlugen ihn, bis er regungslos auf dem Boden lag, wie die Polizei am Montag mitteilte. Später fielen sie und ein gleichaltriger Mitschüler über einen 46-Jährigen her und prügelten ihn halbtot. Die drei sitzen wegen Mordversuches in Untersuchungshaft. Sie haben die Vorwürfe teilweise eingeräumt.

Der körperbehinderte 43-Jährige war einer von drei Mazedoniern, die die ersten Opfer der prügelnden Schüler wurden. Zwei von ihnen wurden laut Polizei von den Schweizern niedergeschlagen und getreten, bis sie regungslos zurückblieben. Die Mazedonier erlitten dabei Prellungen und Blutergüsse. Danach setzten die Schüler fort, was Staatsanwalt Laurent Lafleur vergangene Woche als einen "Amoklauf ohne Waffen" bezeichnete. In unmittelbarer Nähe schlugen die beiden Schweizer und ein slowenischer Mitschüler einen 46-jährigen Versicherungskaufmann nieder und traten auf seinen Kopf ein, so dass er zahlreiche Brüche erlitt. Später griffen sie auch noch einen bulgarischen Studenten an. Für einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten gebe es keinerlei Anzeichen, erklärte die Polizei. Es sei nach wie vor unklar, wie es zu dem Gewaltausbruch habe kommen können.

Ein Täter will sich entschuldigen

Nach Angaben seines Anwalts Florian Schneider will sich einer der drei 16-Jährigen beim Opfer entschuldigen. Dies sei nicht nur der Wunsch seines Mandanten, sondern auch von dessen Familie, die ihn am Montag voraussichtlich besuchen könne. Schneider sagte zudem, er werde die Akten einsehen und längere Gespräche mit der Familie und den Beschuldigten führen. Auch ein Antrag auf Haftentlassung solle geprüft werden. Gegen zwei 15- und 17-jährige Mitschüler der mutmaßlichen Haupttäter ermittelt die Polizei ebenfalls weiterhin. Die beiden waren vergangene Woche zunächst ebenfalls festgenommen, dann aber freigelassen worden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand seien sie an den Taten nur gering oder nicht nachweisbar beteiligt gewesen. Dies könne sich aber jederzeit ändern, falls es neue Aussagen geben sollte.

Der 46-jährige Geschäftsmann, dem die Schüler nach Polizeiangaben mit ihren Schlägen und Tritten zahlreiche Knochenbrüche am Kopf zugefügt hatten, ist nach Angaben der Polizei inzwischen in ein Krankenhaus in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen verlegt worden. Dort werde er voraussichtlich noch einige Wochen bleiben. Laut Polizei ist noch offen, inwieweit er bleibende Schäden erlitten hat.

AP/DPA / AP / DPA
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