Gewaltverbrecher Millionenerpresser Wolf entkommt knapp


Der seit Jahren gesuchte Gewaltverbrecher und Erpresser Thomas Wolf ist der Polizei offenbar nur knapp entwischt. In der Nähe von Delmenhorst wurde ein Fahrzeug gefunden, das er benutzt hatte. Erst vor vier Wochen hatte Wolf eine Frau entführt und Lösegeld erpresst.

Der seit vier Wochen von einer Sonderkommission gejagte Gewaltverbrecher Thomas Wolf ist knapp der Polizei entkommen. Der Fund seines Fluchtfahrzeugs am Freitag in einem Waldstück bei Delmenhorst (Niedersachsen) lässt aber darauf schließen, dass sich der 56-Jährige immer noch in Deutschland aufhält. Am Sonntag gab es noch keine neue Spur von Wolf. Möglicherweise habe er versucht, ein neues Fahrzeug anzumieten oder eine Unterkunft zu finden, erklärte die zuständige Frankfurter Polizei. Der wahrscheinlich bewaffnete Ex-Häftling hatte Ende März eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und 1,8 Millionen Euro erpresst.

Wolf hatte am Freitag den silbernen VW Golf Variant wohl Hals über Kopf verlassen, berichtete die Polizei weiter. Vermutlich hat er für seine Flucht ein hochwertiges Fahrrad benutzt, das er möglicherweise ohne Sattel fuhr. Dieser fand sich ebenso in dem Mietwagen wie Nummernschilder, die Wolf wahrscheinlich im Laufe seiner Flucht gestohlen und verwendet hatte. Der Straftäter habe wohl auch einige Nächte in dem Auto verbracht. Im Kofferraum fand sich ein großer Koffer mit diversen Kleidungsstücken, Waschutensilien und einem Schlafsack.

Bargeld und Dope

Außerdem wurden laut Polizei in dem Auto mehrere tausend Euro Bargeld gefunden, die aus dem Lösegeld stammen könnten. Geringe Mengen Marihuana in kleinen Tütchen lagen ebenfalls im Fahrzeug. Was Wolf zu seiner überstürzten Flucht veranlasst habe, sei noch unklar. Eventuell sei er durch örtliche Jagdpächter aufgeschreckt worden, mutmaßte die Polizei am Sonntagabend. Diese hätten Wolf aber nicht bemerkt.

Neben dem ursprünglichen Kennzeichen HH-FU 7109 des Mietwagens fanden die Beamten im Fahrzeug die beiden in Berlin gestohlenen Kennzeichen AP-FY 43 und M-XA 8036 sowie KT-LV 44, das im Bereich Würzburg abhandengekommen war. Die Ermittler suchen nun Zeugen, denen das Auto mit den genannten Kennzeichen in den vergangenen Wochen aufgefallen ist. Außerdem wird der Fundort des Fluchtfahrzeugs nahe der Gemeinde Harpstedt von Beamten umfassend untersucht.

Wolf ist einer der meistgesuchten Verbrecher Deutschlands und wird auch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er hatte fast acht Jahre unter dem Namen David van Dijk im Frankfurter Westend bei einer ahnungslosen Frau gewohnt. Wolf war im Jahr 2000 von einem Hafturlaub nicht in das Gefängnis von Moers (NRW) zurückgekehrt, wo er eine Gesamtstrafe von 21 Jahren verbüßte. Seitdem wird er für mehrere Überfälle in Deutschland, Belgien und den Niederlanden verantwortlich gemacht.

Für Hinweise auf den Täter und das verschwundene Lösegeld ist eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt. Wolf ist 1,85 Meter groß, trägt zeitweise eine Brille, spricht hochdeutsch, gegebenenfalls mit rheinländischen Dialekt, aber auch Niederländisch und sehr gut Englisch.

DPA DPA

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