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25 Jahre nach der Tat Nach bizarrem Hin-und-Her um Hinrichtungsart: Alabama exekutiert verurteilten Mörder per Giftspritze

Blick in Hinrichtungszimmer des Holman-Gefängnisses in Atmore, Alabama
Blick in das Hinrichtungszimmer des Holman-Gefängnisses in Atmore, Alabama. 
© Dave Martin / Picture Alliance
Der US-Südstaat Alabama hat einen 1996 verurteilten Mörder mit der Giftspritze hingerichtet. Vorangegangen war ein Gezerre vor den Gerichten um die zulässige Hinrichtungsmethode.

Im Jahr 1996 griff Matthew Reeves zur Schrotflinte und erschoss einen Mann, der ihn als Anhalter mitgenommen hatte. Ganze 360 Dollar stahl der Täter seinem Opfer und brüstete sich danach auf einer Party mit seiner Tat, ja er soll den Mord regelrecht gefeiert haben. Ein Zeuge berichtete, Reeves habe sogar noch Blut an seinen Händen gehabt. Gut 25 Jahre später hat nun auch der inzwischen 43-Jährige sein Leben lassen müssen. Der Staat Alabama richtete den an einer geistigen Behinderung leidenden, verurteilten Mörder mit der Giftspritze hin.

Vorangegangen war eine Entscheidung des höchsten US-Gerichts, des Supreme Courts. Dieser hatte sich mit dem Fall befassen müssen, weil sich vor den Gerichten ein bizarrer Streit um die Hinrichtungsmethode entwickelt hatte. Reeves' Anwälte argumentierten, ihr Mandant habe wegen seiner geistigen Behinderung nicht die Chance gehabt, sich eine "weniger quälende", aber unerprobte Art der Hinrichtung auszusuchen. 

Alabama: Verurteilte können Hinrichtungsart wählen

Dabei handelt es sich um das Ersticken mittels Stickstoff. Seit 2018 haben zum Tode Verurteilte in Alabama die Möglichkeit, eine Hinrichtungsmethode zu wählen. Dazu müssen sie ein Formular ausfüllen. Wegen seiner Leseschwäche sei Reeves aber nicht in der Lage gewesen, das Formular auszufüllen, und hätte daher Hilfe bekommen müssen, argumentierten die Anwälte. Auf Grundlage dieser Darstellung hatte ein Richter verfügt, dass Reeves daher per Einatmen von Stickstoff hingerichtet werden müsse.

Dagegen ging wiederum der Staat Alabama vor und verlangte, dass eine Exekution mit Griftspritze möglich sein müsse. Ein Berufungsgericht hatte die Entscheidung der vorangegangenen Instanz aber bestätigt, so dass Alabama vor das höchste Gericht zog. Der Supreme Court verwarf am Donnerstag (Ortszeit) die Entscheidung der anderen Gerichte und machte so den Weg frei für die Gift-Exekution.

Entscheidung im Supreme Court nicht einstimmig

Der Supreme Court blieb mit der Entscheidung bei seiner bisherigen Rechtsauffassung. Bereits im vergangenen Oktober hatte das Gericht in einem ähnlichen Fall entschieden, dass ein Mann mit einem IQ von etwa 70 mit der Giftspritze hingerichtet werden dürfe. Im Fall Reeves entschied der Supreme Court nur knapp. Vier von neun Richtern stimmten dem Ansinnen des Staates Alabama nicht zu. Richterin Amy Coney Barrett, deren Berufung durch Ex-Präsident Donald Trump weithin Schlagzeilen machte, sagte, sie lehne den Wunsch des Bundesstaates ab, drei weitere Richter:innen vertraten die Meinung, die Exekution solle gar nicht stattfinden.

Reeves Anwälte kritisierten die Entscheidung ausdrücklich. "Die außergewöhnliche Autorität des Supreme Courts sollte genutzt werden, die Bürger zu schützen", hieß es in einer Mitteilung, "und sie nicht ohne weitere Erklärung ihrer Rechte zu berauben." Augenzeugenberichten zufolge soll die Gift-Exekution im Holman Gefängnis in Atmore, Alabama, soweit zu erkennen war, für Matthew Reeves schmerzfrei verlaufen sein. Der Generalstaatsanwalt von Alabama, Steve Marshall, stellte den Tod am Donnerstag um 21.24 Uhr Ortszeit offiziell fest.

Quellen: Nachrichtenagentur AP, Generalstaatsanwalt von Alabama

dho

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