Gladbecker Geiseldrama Gericht prüft Degowskis Haftentlassung


25 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama will einer der Täter aus der Haft freikommen. Am Mittwoch wird Dieter Degowskis Antrag vor Gericht verhandelt. Doch die Chancen für ihn stehen schlecht.

Der Mörder und Geiselnehmer von Gladbeck, Dieter Degowski, 57, hofft auf seine baldige Freilassung aus dem Gefängnis. Im Jahr 2002 hatte das Oberlandesgericht Hamm seine Haftstrafe wegen der "besonderen Schwere der Schuld" auf mindestens 24 Jahre festgelegt, die im Januar diesen Jahres endeten. Heute befasst sich die Strafvollstreckungskammer des zuständigen Landgerichts Arnsberg mit einem erneuten Antrag Degowskis auf Haftentlassung.

Den 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas vom 16. bis 18. August 1988 wird der 57-Jährige definitiv noch nicht in Freiheit verbringen können. Selbst wenn die Kammer ihn entgegen den Erwartungen auf freien Fuß setzen sollte - die Staatsanwaltschaft Essen will eine mögliche Freilassung nicht hinnehmen. Eine Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm hätte aufschiebende Wirkung und Degowski müsste bis zur Entscheidung weiterhin in Haft bleiben.

Ein Nein scheint sicher

Ein Nein der Kammer wird als sicher angesehen, vor allem weil in den Medien schon Teile des Gutachtens des vom Gericht beauftragten Psychiaters Norbert Leygraf erschienen sind. Demnach kommt er zu dem Schluss, dass eine vorzeitige Entlassung nicht anzuraten und vielmehr ein mehrjähriger Entlassungsprozess einzuleiten sei. Ob die aus drei Richterinnen bestehende Strafvollstreckungskammer, die den Anhörungstermin in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl abhält, bereits am Mittwoch einen Beschluss fassen wird, ist unklar.

Degowski nur Mitläufer

Degowski hatte am 16. August 1988 gemeinsam mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank überfallen und war danach mehrere Tage durch einige Bundesländer und die Niederlande geflüchtet. Die Männer erschossen zwei Geiseln, ein Polizeibeamter starb bei dem Einsatz. Vor dem 25. Jahrestag des Verbrechens, das auch wegen des umstrittenen Verhaltens von Medien bis heute nachwirkt, hatten sich Angehörige der Opfer gegen eine Freilassung ausgesprochen.

Während Rösner als Kopf des Verbrechens gilt, wird Degowski als Mitläufer bezeichnet. Aus Justizkreisen verlautete, dass der Gutachter ihn zwar nicht mehr für aktuell gefährlich, aber lebensuntüchtig hält. Weil er leicht beeinflussbar sei, gehe von dem 57-Jährigen auch weiterhin Gefahr aus. Ob er therapeutisch auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden kann, müsse sich zeigen.

Seit mehr als 20 Jahren verbüßt Degowski seine Haft in der JVA Werl. Dort schloss er nach mehreren Anläufen eine Kochlehre ab und arbeitet als Hofreiniger. Als Gefangener soll er eher unauffällig sein. Während Degowski zumindest therapiewillig zu sein scheint, verweigert sein Komplize Rösner immer noch jede Therapie. Er muss seine Haftstrafe mindestens bis 2016 verbüßen. Da bei Rösner zusätzlich zur lebenslangen Haftstrafe Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, ist bei ihm noch völlig offen, ob und wann er die Haftanstalt verlassen darf.

sih/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker