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Spektakuläre Flucht: Mutmaßlicher Frauenmörder flüchtet aus Zug – Polizei mit Großaufgebot im Landkreis Hildesheim

Die Flucht des mutmaßlichen Frauenmörders Frank N. aus Göttingen verläuft spektakulär. Nachdem er am Abend nach der Tat noch selbst die Polizei angerufen hatte, floh er am Freitag aus einem Eisenbahnwaggon, in den er offenbar eingesperrt wurde. Die Suche der Polizei läuft auf Hochtouren.

Zugfenster, Verdächtiger, Tatort in Göttingen

Frank N. soll in Göttingen eine Frau ermordet haben. Einen Tag später türmte er durch das eingeschlagene Fenster eines Bahnwaggons vor der Polizei

DPA

Frank N. hat auf offener Straße eine Frau getötet – davon sind die Ermittler der Mordkommission "Zollstock" überzeugt. Benannt hat sich die Einheit nach der Straße, in der der 52-Jährige auf eine 44-Jährige losgegangen sein soll. Bei dem Opfer soll es sich nach Informationen der "Bild"-Zeitung um die frühere Lebensgefährtin des Verdächtigen handeln, der vor der kürzlich erfolgten Trennung schon wegen häuslicher Gewalt auffällig gewesen sei.

Eine Polizeisprecherin erklärt dazu bisher nur: "Opfer und Täter waren miteinander bekannt." Das Verhältnis der beiden ist genauso wie das Motiv und der genaue Tatablauf Gegenstand der Ermittlungen. Was bisher in der Lokalpresse dazu geschrieben wird, lässt auf ein außerordentlich hohes Maß an Brutalität schließen, mit der Frank N. offenbar vorgegangen ist. (Lesen Sie zu der Tat: "Mord auf offener Straße: Polizei sucht in Elze nach Tatverdächtigem")

Großfahndung in Göttingen ohne Erfolg

Klar ist: Nachdem er die Frau umgebracht und mindestens eine weitere verletzt hat, flüchtete der Täter in eine unbekannte Richtung, nach Zeugenaussagen auf einem Fahrrad mit Packtaschen. 

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot zu dem Tatort im Stadtteil Grone aus, im ganzen Stadtgebiet patrouillierten Streifenwagen, zwei Hubschrauber stiegen auf. Der Bahnhof von Göttingen wurde zwischenzeitlich gesperrt, Züge umgeleitet. "Die Fahndung läuft auf Hochtouren", teilten die Beamten mit und veröffentlichten eine Personenbeschreibung und später zwei Fotos des Gesuchten, einem laut Medienberichten vorbestraften Sexualstraftäter. Die Suche nach Frank N. wird die Polizei auch 24 Stunden später noch beschäftigen – und die Flucht des Verdächtigen wird spektakulär.

Seit Freitagmorgen steht die Kleinstadt Elze, rund 30 Kilometer südlich von Hannover, im Blickpunkt. Im Bahnhof war noch am Mittag ein Doppelstockzug der Linie RE2 von Göttingen nach Hannover der privaten Bahngesellschaft "Metronom" abgestellt. Im Fahrradabteil des Mittelwaggons ist eine Scheibe herausgeschlagen und notdürftig mit Folie abgeklebt.

Frank N. soll durch dieses Fenster mit dem Nothammer eingeschlagen haben und geflüchtet sein, als die Polizei anrückte. Das Personal des Zuges soll den mutmaßlichen Mörder erkannt haben. Laut "Hildesheimer Allgemeiner Zeitung" haben die "Metronom"-Mitarbeiter den Verdächtigen dann in dem Waggon eingeschlossen und die Polizei verständigt. "Als die Beamten eintrafen, flüchtete die Person aus dem Zug", schilderte eine Polizeisprecherin den Auftakt zu einer neuen groß angelegten Suchaktion. Wieder stieg ein Hubschrauber auf, auch eine Drohne setzten die Beamten ein, Spürhunde sollten Fährte aufnehmen. Wieder war der Bahnverkehr massiv gestört, die Strecke zwischen Nordstemmen und Alfeld war zeitweilig gesperrt. Elze sei quasi abgeriegelt, schilderten Reporter. "Viele Menschen waren beunruhigt", sagte eine Frau, die Bahnhof der Kleinstadt arbeitet.

Täter telefonierte mit der Polizei

"Die Suche dauert weiter an", sagte die Polizeisprecherin am Freitagnachmittag. "Wir betrachten Elze als eine sehr heiße Spur." Doch Frank N. ist noch nicht gefasst. Laut Thomas Breyer von der Göttinger Kripo sind auch Spezialkräfte im Landkreis Hildesheim für die Suche im Einsatz. Im Gespräch mit dem Nachrichtensender "Welt" schilderte der Beamte auch, dass der Gesuchte am Abend nach der Tat sogar die Polizei angerufen habe, um sich nach dem Zustand seines Opfers zu erkundigen. "Der Täter ist nach unserer Einschätzung orientierungslos."

Quellen: Pressemitteilungen Polizeiinspektion GöttingenPolizeidirektion Göttingen bei Twitter, "Bild"-Zeitung, "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", "Welt", Nachrichtenagenturen DPA und AFP