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Golf von Aden: Deutsche Marine entert Piratenschiff

Premiere im Kampf gegen somalische Seeräuber: Die Fregatte "Rheinland-Pfalz" hat ein Piratenschiff aufgebracht und die Besatzung gefangengenommen. Die Piraten hatten zuvor ein Handelsschiff der deutschen Reederei Gebrüder Winter überfallen. Nun muss erstmals entschieden werden, was mit gefangenen Piraten geschieht.

Erstmals hat die deutsche Marine bei ihrem Einsatz vor der somalischen Küste Piraten festgesetzt. Neun Männer wurden am Dienstag im Golf von Aden nach einem Einsatz der Fregatte "Rheinland-Pfalz" in Gewahrsam genommen, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (Geltow/Brandenburg) am Nachmittag mit. Die Seeräuber hätten zuvor das Handelsschiff "MV Courier" der deutschen Reederei Gebrüder Winter angegriffen. Weder bei dem Überfall der Piraten noch bei der Enterung ihres Bootes durch deutsche Soldaten habe es Verletzte oder Sachschäden gegeben, sagte ein Sprecher. Die Piraten sollen zunächst an Bord der Fregatte bleiben.

Die Bundesregierung muss nun erstmals darüber entscheiden, was mit den Seeräubern in deutschem Gewahrsam geschieht. Dies gilt als rechtlich höchst kompliziert, da unter anderem geklärt werden muss, inwieweit deutsche Rechtsgüter betroffen sind, ob die Piraten an andere Staaten übergeben werden müssen oder in Deutschland verfolgt werden. Eine speziell eingerichtete Kommission der Staatssekretäre der vier Ministerien für Inneres, Justiz, Verteidigung und Außen prüft den Fall. Die Piraten seien bereits zum Sachverhalt vernommen worden, hieß es. Die für diesen Einsatz der deutschen Marine zuständige Hamburger Staatsanwaltschaft legte einen "Beobachtungsvorgang" an, teilte Sprecher Wilhelm Möllers mit. "Zurzeit warten wir auf weitere Informationen durch die Polizeibehörden."

Nach Bundeswehrangaben hatte die "MV Courier" der um 7.12 Uhr den Notruf gesendet, dass sie von Piraten mit Panzerfäusten und Schusswaffen angegriffen wird. Sowohl die US-Marine als auch die deutsche Marine schickten Bordhubschrauber zu Hilfe. Die "Rheinland-Pfalz" war noch 50 Seemeilen vom Tatort entfernt. Die Hubschrauber-Besatzungen vereitelten den Angriff.

Kurze Zeit später erreichte die deutsche Fregatte das Piratenschiff. Bundeswehrsoldaten enterten das offene Boot, sicherten Beweismittel und brachten die neun Männer auf die Fregatte. Ein Teil der Piraten soll aus dem Sudan kommen. Die Besatzung des Handelsschiffes stammt zum Teil von den Philippinen.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte: "Das zeigt, wie effektiv die Operation Atalanta ist." Die EU-Mission "Atalanta" war im Dezember vorigen Jahres gestartet worden, um Piraten-Überfälle auf Privat- und Handelsschiffe im Seegebiet vor der somalischen Küste und im Golf von Aden zu verhindern. 2008 kaperten Seeräuber dort mehr als 200 Schiffe und erpressten mehrere Millionen Dollar Lösegeld. Deutschland beteiligt sich an der Mission mit einer Fregatte und 230 Soldaten.

DPA / DPA