Grausiger Fund Mutter versteckte Babyleiche im Koffer


Das Mädchen wurde vor fünf Jahren geboren, überlebte aber nur wenige Tage. Die Leiche des Säuglings versteckte die Mutter in einem Koffer bei Verwandten, in Plastiktüten eingewickelt. Nun wurde die Leiche entdeckt und gegen die Mutter Haftbefehl erlassen.

Nach dem Fund eines Koffers mit einer Babyleiche ist gegen die Mutter des Kindes Haftbefehl wegen Totschlagsverdachts erlassen worden. Die Leiche ihres kurz nach der Geburt 2002 zu Tode gekommenen Mädchens war bei einer Verwandten in einer Abstellkammer versteckt. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Siegfried Rümmler, mitteilte, ist mit Ergebnissen der Obduktion zur Ermittlung der Todesursache Anfang nächster Woche zu rechnen.

Die 28-jährige Mutter bestreitet eine Tötung. Sie hat noch zwei weitere Kinder, davon eines im Säuglingsalter und ein Kind, das zur Grundschule geht. Die Kinder seien bei Verwandten untergebracht worden und stehen unter der Aufsicht des Jugendamtes, sagte die Sprecherin der Stadtverwaltung Plauen Silvia Weck. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde das Verbrechen entdeckt, weil die Einschulung des Mädchens anstand.

Weck betonte, das Gesundheitsamt habe die Daten aller zur Einschulung anstehenden Kinder wegen der damit verbundenen notwendigen medizinischen Untersuchung abgeglichen. Dabei sei aufgefallen, dass die Tochter der 28-Jährigen fehlte. "Das Gesundheitsamt hatte von dem betreffenden Klinikum im Jahre 2002 die Geburt des Säuglings angezeigt bekommen und führte seitdem eine Gesundheitskarte." Das werde bei jedem Kind in Plauen bis zum 18. Lebensjahr so gemacht, erklärte Weck.

Nur so sei überhaupt die Existenz des Mädchens bemerkt worden, denn die Mutter selbst habe die Geburt beim Standesamt nicht angezeigt, wozu sie verpflichtet gewesen wäre. Folglich gab es auch keine Geburtsurkunde. Das Mädchen wurde am 28. Februar 2002 geboren. Das Gesundheitsamt habe dann sofort das Jugendamt über den Fall unterrichtet. Nach mehrmaligen Versuchen sei es den Mitarbeitern gelungen, Kontakt zur Mutter aufzunehmen und diese auch vorzuladen, sagte Weck.

Bürgermeister zeigt sich erschüttert

Bei der Befragung habe sich die Mutter in Widersprüche verwickelt und zunächst angegeben, die Geburt des Kindes verheimlicht zu haben, weil es sich um die Folge eines Seitensprungs gehandelt habe, sagte Rümmler. Das habe sie ihrem Lebensgefährten nicht erzählen wollen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien aber misstrauisch geworden und hätten die Polizei alarmiert, teilte der Sprecher weiter mit. Den Beamten berichtete die Frau daraufhin, dass sie den Säugling ein bis zwei Tage nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus tot im Bett gefunden habe. Sie habe die Leiche dann in einen Koffer gelegt und diesen bei einer Verwandten in der Abstellkammer abgelegt. Dort stand der Koffer offenbar jahrelang, bis er von der Polizei entdeckt wurde.

Die Verwandte selbst habe vom Inhalt des Koffers nichts gewusst, sagte Rümmler. Es sei offenbar kein Leichengeruch entstanden. Auch die Polizisten, die den Koffer entdeckten, hätten in der Kammer keinen auffälligen Geruch festgestellt. Der Leichnam sei so hermetisch verpackt worden, dass nichts nach außen gedrungen sei.

Wer der Vater ist, steht laut Staatsanwaltschaft noch nicht fest. Der Lebensgefährte der Frau sei zum Zeitpunkt der Geburt häufig auf Montage gewesen. Er wusste aber offenbar von der Geburt: Die 28-Jährige habe ihm erzählt, dass sie das Neugeborene zu Pflegeeltern gegeben habe. Der stellvertretende Oberbürgermeister von Plauen, Uwe Täschner, sagte: "Es fällt schwer, sich in diesem Zusammenhang überhaupt zu äußern. Wir sind zutiefst erschüttert." Weck betonte, dass ohne den Hinweis der betreffenden Klinik und ohne das Anlegen einer Gesundheitskarte das Verschwinden des Säuglings wahrscheinlich nie aufgefallen wäre.

Frank Ellmers/AP AP

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