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Massenmörder: Er brachte 48 Frauen um - die Geschichte des Green-River-Killers

Es war, als sei das Böse über Seattle gekommen. Frauen verschwinden. Schädel, Knochen, Körper tauchen auf. Zwei Jahrzehnte lang. Bis der Green-River-Killer gefasst wird. Später gewährt er tiefe Einblicke in seine Psyche. Hier ist seine Geschichte.

Von Franziska Reich

Der Green-River-Killer Gary Ridgway

Die DNA überführte ihn. Fünf Monate lang, jeden Tag, wurde Gary Ridgway verhört. Bis er 48 Morde gestand.

Wann es begonnen hat. Gute Frage. Ja. Wann hat der Rausch begonnen. Manchmal kommen ihm Ladys in den Sinn, die hat er einfach dagelassen. Gegen einen Zaun gelehnt. Auf der Straße. Aber danach stand nichts in der Zeitung. Vielleicht sind die aufgewacht. Anders kann er sich das nicht erklären. Ist jedenfalls lange her. Alles durcheinander im Kopf. Sind so viele gewesen. Die Friedhof-Ladys. Die Fluss-Ladys. Die in der Nähe des Zeltplatzes. Die mit den Steinen. Im Gericht hat er gesagt: "Es tut mir sehr leid für die Ladys, die nicht gefunden wurden. Mögen sie in Frieden ruhen. Sie haben einen besseren Platz verdient als den, den ich ihnen gab." Haben sie wirklich. Aber … keine Ahnung.

*

Es ist warm an diesem 15. Juli 1982, ein unbescholtener Tag, als zwei Jungen mit ihren Fahrrädern am Green River entlanggondeln, schöne Gegend, ganz im Süden von Seattle, wo sich Familien gern am Wochenende zum Picknick treffen. Die Jungen passieren eine Brücke und sehen hinab, ins weiche Grün des Wassers, so sanft, die Strömung – da bemerken sie etwas. Einen Körper. Einer Frau. Verfangen im Pfahlwerk der Brücke. Mit Socken und Schuhen. Sonst nichts. Wendy Coffield. Ein Heimkind ohne Heim. Eine Prostituierte vom Strich am Pacific Highway South. 16 Jahre alt. Erwürgt.

Mit ihr begann der Albtraum: Am 15. Juli 1982 wird die Leiche von Wendy Coffield im Green River entdeckt.

Mit ihr begann der Albtraum: Am 15. Juli 1982 wird die Leiche von Wendy Coffield im Green River entdeckt.


Ob die nun die Erste war? Er glaubt eher nicht. Er kann sagen, wann ihm beim Wegbringen einer Lady ein Rücklicht an seinem kastanienbraunen Dodge-Pick-up zerbrach. Musste er gleich beide austauschen. Teurer Spaß. Er weiß auch, nach welcher Arbeitsschicht er zu welchem Ablege-Platz fuhr. Beim Flughafen. An der alten Erle. Am Star Lake. Aber ob die Fluss-Lady die erste war? Wie die aussah? Schwarz? Weiß? Die Weißen waren ihm lieber, aber die Schwarzen nahm er ja auch.

Das wirklich erste Mal, dass er vom Töten schmeckte, daran erinnert er sich schon. Er wohnte noch zu Hause bei seinen Eltern, in SeaTac, King County, nahe Seattle. Als mittlerer dreier Brüder. Erst Greg, dann er, Gary, ein Jahr jünger, und schließlich Ed, zwei Jahre jünger als er. Ständig donnerten die Flugzeuge über das Haus, eine Gegend, die mehr Hoffnung als Zukunft versprach. Der Vater war Fahrer, lenkte den Metrobus, auch den Pacific Highway entlang, vorbei an Motels, Abstiegen und Pinten. Dann schimpfte er über die Nutten. Rotlicht-Dreck.

Die Mutter arbeitete als Verkäuferin, eine schöne Frau, aber herrisch, die brüllte und motzte, gerade Gary machte viel falsch. Einmal warf sie dem Vater einen Teller an den Kopf, und der verließ nur stumm den Raum. Gary ging damals auf die Tyee High School, IQ in den Achtzigern, blieb zweimal sitzen, klein und schmächtig, aber eher unauffällig als unbeliebt.

Manchmal begehrte er seine Mutter, manchmal hasste er sie

Am Wochenende traf er sich oft mit Leuten im Jugendklub. Einmal geriet er dort in Streit mit dem Bruder einer Freundin, Terry hieß sie, sie war verliebt in ihn, und als der Bruder verlangte, Gary solle doch bitte den Mund halten, pisste Gary ihm aufs Bein. Sonst war er friedlich. Guckte Mädchen nach, klar, lief ihnen auch hinterher, aber ... normal.

Wenn er nachts ins Bett machte, das passierte, auch als Teenager noch, wusch ihm die Mutter Po und Penis. Manchmal begehrte er sie. Manchmal hasste er sie. Manchmal stellte er sich vor, das Haus niederzubrennen, mit ihr da drin. Oder sie mit dem Messer ... "Nur ein bisschen. Nur um zu wissen ... das Messer nehmen und ein kleines Stückchen in sie ..." Er ließ es bleiben und steckte die Katze in den Tiefkühler, bis sie erstickte.

stern Crime Live auf der Bühne: Wie eine Zecke hing er an ihrem Leben


*

Kaum einen Monat nachdem Wendy Coffield im Green River von den Jungen entdeckt worden ist, verfängt sich wieder ein Frauenkörper – zwischen treibenden Baumstämmen. Vollständig entkleidet. Debra Bonner, eine Prostituierte vom Pacific Highway South. 22 Jahre alt. Erwürgt.

Dann, am 15. August 1982, steigt ein Ruderer in sein Boot, um entspannte Stunden auf dem Green River zu verbringen – und entdeckt zwei Körper, beschwert mit Steinen im flachen Wasser. Etwas bewegt sich im Gebüsch nahe der Straße. Der Ruderer erkennt einen Mann, der in einen geparkten Pick-up steigt.

Die Szenerie, die die Polizisten vorfinden, ist anrührend. Fast poetisch. Die Körper scheinen sorgfältig drapiert, von klarem Wasser umspült, eine blasse Hand über Kieselsteinen, von der Strömung gewiegt – als winke sie. Marcia Chapman, Prostituierte, Mutter dreier Kinder, 31 Jahre alt. Erwürgt. Und, ganz nah, Cynthia Hinds, zuletzt gesehen von ihrem Zuhälter, 17 Jahre alt. Erwürgt. Beiden Frauen sind kleine Steine in die Vagina eingeführt worden. Am Ufer kämpfen sich die Polizisten durch dichtes Gestrüpp. Ein Beamter schreit. Er hat Opal Mills gefunden. Auch sie: Prostituierte. 16 Jahre alt. Erwürgt. Es ist, als sei das Böse aus dem Nebel des Flusses gestiegen. Mit ihm gekommen. Mit ihm verschwunden. Eine mordende Macht.

"Ich wollte einfach sehen, wie es ist, jemanden zu töten"

Die Steine. Was bedeuteten die Steine? "Sie waren einfach da." Mehr ein Gefühl. Sie zu verschließen. Keiner sollte sie ... Nur er. Einfach gemacht. Weil er es machen wollte. Er hatte die Macht. Erst Neugier. Dann Sehnsucht. Irgendwann ohne Sehnen. Sucht.

Ja, wirklich, als er zum ersten Mal vom Menschen-Töten schmeckte, war es nur Neugier. Ein Junge, irgendwo bei den Büschen, mit Cowboyhut und Spiel-Gewehr, Erstklässler, und er selbst, ungefähr 16, beobachtete, wie der Junge ... Wilder Westen ... und fragte ihn: "Willst du ein Fort bauen?" Der Junge nickte und kam näher. Gary sagte: "Weißt du, hier gibt es Leute, die wollen kleine Jungs wie dich töten", holte sein Messer raus und stach zu, tief. Das Blut rann dem Jungen in die Stiefel, er weinte und fragte: "Warum willst du mich töten?" Gary musste lachen. "Ich wollte einfach sehen, wie es ist, jemanden zu töten." Mehr nicht. Sehen. Riechen. Fühlen. Macht. Er lachte weiter und ging davon.

Der Junge überlebte schwer verletzt. Das hat Gary aber erst Jahrzehnte später erfahren. Damals hatte er keinen Ärger bekommen. Er war einfach verschwunden. Fand einen Nebenjob in der Lackiererei der Kenworth-Lastwagenfabrik nahe Sea-Tac, machte seinen Abschluss an der Tyee High und meldete sich bei der Navy. Während eines Urlaubs heiratete er Claudia, die kannte er seit einem Jahr. Wenig später schickte ihn die Navy auf die Philippinen, sechs Monate, er fing sich den Tripper. Denkt er immer noch dran, wenn er asiatische Frauen sieht. Kann er nicht leiden. Als er wiederkam, hatte sich Claudia neu verliebt. Er ließ sich scheiden und nannte sie fortan "Nutte".

Gut, konnte er nicht wissen, aber Claudia ... ist nicht die Schlimmste gewesen. Marcia, seine Zweite ..., die hätte er umbringen sollen. Einmal hat er es versucht. Nachts, sie kamen von einer Party, Marcia stand am Auto, er schlich sich an, lautlos, das konnte er gut, legte die Hände um ihren Hals und drückte, aber irgendwie … brachte er es nicht zu Ende. War ein Fehler. "Wenn ich sie umgebracht hätte, wäre vielleicht mein Leben anders verlaufen. Es wäre eine gewesen, nicht 50 plus."

Ridgways Revier: der Straßenstrich am Pacific Highway South

Ridgways Revier: der Straßenstrich am Pacific Highway South

*

In diesem Sommer 1982 glauben die Beamten an eine schnelle Verhaftung. Die Opfer sind noch frisch. Er muss hier sein, irgendwo im King County. Sie sichern Spuren, suchen Zeugen. Aber Mädchen vom Strich haben selten Wohnsitze, noch seltener Familien und nie Vertrauen zur Polizei. Wenn die Beamten im Milieu ermitteln, in den Absteigen und Pinten zwischen Flughafen, Seattle und Tacoma, stoßen sie auf Schweigen. Und Ablehnung. Verpisst euch. Keine Ahnung. Ist euch doch scheißegal, sind ja nur Huren. Bei Mittelschichtsmädchen würde das anders laufen!

1981 beginnen seine zwei großen Jahre - seine "Karriere"

Die erste Zeit mit Marcia war noch in Ordnung. Er arbeitete bei Kenworth, klebte Logos auf Trucks, bevor die Kollegen sie mit Farbe besprühten. Man lobte ihn. Er arbeitete akkurat. In seiner Freizeit kaufte er Trödel, kaputte Uhren, altes Zeug, das er zu Hause reparierte. Marcia und er hatten oft Sex am Green River, mit Würgen und Fesseln. Er fand ihr Leben eigentlich schön. Dann, im September 1975, kam Matthew, und plötzlich hatte Marcia keine Lust mehr. Immer nur Matt. Also Scheidung. 1981. Er kaufte ein Haus, in der Military Road, gleich beim Pacific Highway, das Grundstück verwildert, aber günstig. Wenn Matt ihn jedes zweite Wochenende besuchte, hatte der Junge sein eigenes Zimmer. Spielzeug und so. Das hat die Ladys immer beruhigt.

Hier also begannen seine zwei großen Jahre. Seine "Karriere".

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Die Ermittler beschließen, den Fluss zu observieren. Vielleicht kommt der Täter noch einmal zu den Ufern des Green River zurück. Doch die Gegend wird von Journalisten belagert. Über den Wäldern kreisen die Hubschrauber der Fernsehteams. Den Beamten bleibt nichts, als zu warten. Zu sammeln. Fundstücke. Zeugen. Verdächtige. Noch glauben sie, seinen Atem zu spüren. Er kann nicht weit sein.

Im September finden sie Gisele Ann Lovvorn. Sie liegt bei einem Apfelbaum in einer waldigen Gegend.

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Er hatte sie eines Samstagnachts im Juli 1982 mitgenommen, Matt saß hinten im Pick-up, und er war mit der Frau in den Wald verschwunden, Doggie-Style, und nachdem er gekommen war, hatte er gesagt: Ich glaube, ich habe meinen Sohn gerade in der Nähe gehört. Sie hob den Kopf, er legte seinen Arm um ihren Hals und … Dann zog er seine Socken aus, band sie zusammen und schnürte sie ihr um den Hals. Als er ins Auto stieg, fragte Matt: Wo ist die Frau? Er sagte, sie sei nach Hause gegangen.

Und wenn Matt etwas gesehen hätte? "Wäre er vielleicht auch ein Zeuge gegen mich geworden." Hätte Gary seinen Sohn getötet? "Nein, wahrscheinlich nicht." Aber möglich? "Ja, möglich." Hat er darüber nachgedacht? "Yeah."

Einmal, es war noch in dieser ersten Zeit der "Karriere", da lernte er etwas sehr Wichtiges. Eine Wahrheit, die er nie wieder vergaß. Es war, als er wieder einmal eine Nutte im Schlafzimmer ... sie war 16 oder 17, als er ihr also den Hals ... – da sah er ihr ins Gesicht. Und er sah die Augen. Die Angst. Den Mund. Bitte, bitte, tu das nicht! Von da an wusste er: "Ich will das nicht in meinem Gedächtnis haben. Ich hätte nicht mehr töten können. Aber das bedeutete mir viel ... zu töten."

Danach nahm er jede von hinten.

Im ersten Jahr fühlte er sich manchmal merkwürdig dabei. Er hatte die Abläufe noch nicht klar. Im Wald, im Schlafzimmer, die Nutte tot, und er spürte "ein bisschen Macht". Und "Erleichterung". Weil er sie nicht bezahlen musste. Aber gleichzeitig ... Panik.

Wohin mit dem Körper. Das war damals das Problem. Das blieb das Problem. Er erklärt das so: "Ich trug die Bürde, einen Ort zu finden, wo ich sie ablegen konnte." Die Bürde? "Ja, die Bürde. Ich musste sie alle mit rausnehmen, was für eine Verschwendung von Zeit und Benzin." Wenn es eine tiefe Mine gegeben hätte, einen bodenlosen Schacht. Hätte er mehr Zeit zum Töten gehabt.

*

Die Ermittler finden Körper, Skelette, Schädel

Wochen gehen ins Land. Wochen ohne einen einzigen wirklich Verdächtigen. Wieder und wieder müssen die Polizisten raus, mit Schaufeln und Spitzhacken. Sie finden Körper, Skelette, Schädel, nicht mehr am Fluss, sondern an Stellen der Schattenwelt. Im dreckigen Dickicht. Wo Natur und Mensch ihren Müll gemeinsam verklappen. Hat ein Tier die Äste abgebrochen, oder war es der Täter? Gehörte ihm das Kaugummi, die Kippe, die Spritze, oder lag das Zeug schon rum? Dutzende Ermittler, gute Leute darunter, aber sie blicken einfach nicht durch. In den 80er Jahren steht die DNA-Analyse noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Die Polizisten arbeiten sich ohne Computer durchs Chaos.

Es ist, als besitze der Täter eine intuitive Intelligenz, keine eindeutigen Spuren zu hinterlassen. Sie zu verwirren. Manchen Opfern hat er die Fingernägel abgeschnitten. Ein Inselbegabter. Oder einer, der sich mit Polizeiarbeit auskennt? Einer aus den eigenen Reihen?

Im Mai 1983, inzwischen sind 22 Frauen verschwunden, finden sie Carol Ann Christensen, Mutter einer kleinen Tochter, Kellnerin aus der Barn Door Tavern, eine Tramperin. Ein bizarrer Anblick. Sie liegt im Wald des Maple Valley, vollständig bekleidet, zwei Forellen auf der Brust, eine leere Weinflasche auf dem Bauch und zwei Würstchen in den Händen.

Zweiter Täter? Oder perfide Strategie?

*

Ja, da haben die Cops gerätselt. Und dann kommen diese Experten, erzählen im Fernsehen vom letzten Mahl. Blödsinn. Er hat die Lady einfach angezogen und sie mal ein bisschen anders arrangiert. Die Forellen und den Krempel hatte er zu Hause. Sollten die Cops mal was zum Kauen haben.

Das waren merkwürdige Tage im Mai 83, auch für ihn. Bei Kenworth waren alle im Streik, er hatte also Zeit. Und Druck. Und keinen Penny.

Er wusste, dass er vorsichtig sein musste. Im November war ihm was schiefgegangen. Er hatte eine Nutte aufgesammelt, Blowjob für 20 Dollar bot sie an. Sie fragte, ob er der Green-River-Killer sei, das fragten jetzt viele. Er fragte dann immer zurück: Sehe ich so aus? So klein und schmächtig. Nein. "Die Frauen haben mich unterschätzt. Ich bin kein Muskelprotz, kein Kämpfer, sondern ein ganz normaler Freier. Das war ihr Untergang." Und wenn sie weiter misstrauisch blieben, zückte er sein Portemonnaie. Hinter dem Ausweis steckte, gut sichtbar, ein Foto von Matt. Das beruhigte sie eigentlich immer.

An jenem Tag im November schien erst mal alles normal. Sie ging mit ihm in den Wald, zog sich aus, ganz, aber dann ... klappte irgendwie nicht, er kriegte keinen hoch, er brüllte sie an, sie habe ihn gebissen, drückte ihr Gesicht in den Dreck, legte den Arm um ihren Hals, das konnte er inzwischen gut, "diesen Müll töten", den letzten Atem rauspressen, linken Arm rum, mit dem rechten nachhelfen, aber da, in diesem Wald, irgendwie ... Die kämpfte. Die kämpfte immer mehr. Und plötzlich – entwand sie sich seinem Griff. Und rannte. Wie eine Irre. Er hatte keine Chance. Immerhin, den Cops hatte sie anscheinend nichts gesagt, oder die Cops waren zu blöd. Trotzdem. Er musste vorsichtig sein.

Aber mein Gott, hatte er Druck!

Stundenlang kurvte er durch die Rotlicht-Straßen von Seattle und den Highway entlang. Stellte seinen Wagen vor dem 7-Eleven-Store ab, öffnete die Motorhaube und tat, als reparierte er was. Wenn ihn eine ansprach, verabredete er sich mit ihr an der nächsten Ecke, musste ja nicht jeder mitkriegen, und ließ sich dann erst mal Brüste und Pussy zeigen. Zur Vorsicht. Undercover-Cops hätten das nie gemacht. Eigentlich war er gut. Verdammt gut. Aber dann, gleich Anfang Mai, da hat er es beinahe noch einmal verbockt.

Marie Malvar, eines der Opfer

Marie Malvar, eines der Opfer. Zum Ablegen der Leichen wählte der Täter Orte aus, die er schon aus der Ferne erkennen konnte.

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Am 3. Mai 1983 taucht ein Mann bei der Polizeidienststelle Des Moines, King County, auf und meldet seine Freundin als vermisst. Marie Malvar, 18 Jahre alt. Er habe sie zuletzt in ihrer Wohnung gesehen. Sie sei zur Telefonzelle gegangen und nicht mehr zurückgekommen. Die Polizei nimmt die Anzeige auf.

Am nächsten Tag kommt der Mann wieder und erzählt die wahre Geschichte: Marie arbeite als Prostituierte. Er habe sie am 30. April am 7-Eleven-Store in einen dunklen Pick-up steigen sehen und sei dem Wagen gefolgt, erst nordwärts, dann habe der Freier auf einem Parkplatz vor einem Motel gehalten, gewendet und sei südwärts gefahren. An einer Ampel habe er ihn verloren.

Aus Sorge habe er Maries Vater verständigt, und sie hätten die Nachbarschaft abgesucht und tatsächlich den dunklen Pick-up gefunden, in der Military Road. Marie müsse da drin sein! Sicher!

Zwei Polizisten machen sich auf den Weg. Sie treffen Gary Ridgway im Garten an. Er gibt zu, schon mal verhaftet worden zu sein, weil er Prostituierte aufgesammelt hatte, aber eine Marie? Marie Malvar? Nie gehört. Die Polizisten ziehen ab. Vielleicht ist die Frau dem Zuhälter weggelaufen. Oder hat sich eine andere Gegend gesucht. Kommt ja häufiger vor.

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Diese Nutte war die Hölle. Er hatte sie mit zu sich nach Hause genommen. In den letzten Monaten hatte er es sich angewöhnt, darauf zu bestehen, dass die Frauen vorher auf Toilette gingen, sonst war die Schweinerei danach zu groß. Normalerweise hatte er inzwischen eine Routine: Sex, Tod, Bettzeug abziehen, in die Waschmaschine stecken, Körper in Plane oder Teppich wickeln, Licht in der Küche aus, das Paket durch die Eingangstür im davor geparkten Pick-up verstauen, weg.

Bei der aber ... Himmel, die wäre ihm auch beinahe entwischt. Als die Cops ein paar Tage später vorbeikamen, schmerzten an seinem linken Arm noch immer die tiefen Kratzer. Er hatte sich ganz nah hinter den Zaun gestellt, damit die Latten die Verletzung verbargen. Hatte geklappt. Danach hatte er sich Batteriesäure über den Arm gekippt. Verätzung statt Kratzer. Sicherer. Aber ja, sie kamen ihm näher. Er musste sie irgendwie auf eine andere Fährte locken.

Also fuhr er zum Flughafen von Seattle und ließ den Führerschein der Lady irgendwo fallen. Vielleicht fanden ihn ja die Cops. Vielleicht dachten sie dann, die Nutte sei weg, abgehauen oder so.

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Er wildert weiter. Holt sich die Schwächsten

Bis Ende 1983 haben sie 13 Leichen gefunden. Dutzende Frauen werden vermisst. Endlich, im Jahr 1984, wird die Taskforce weiter verstärkt. In Raum 1006 der Polizeidirektion von King County werden die 50 lokalen Ermittler von 50 Spezialisten aus dem ganzen Land unterstützt. Mehr als 20.000 Verdächtige werden überprüft. Pick-up-Fahrer. Freier. Zuhälter. Sie finden – nichts.

Er wildert weiter. Holt sich die Schwächsten. Die Schutzlosesten. Die Verstoßenen der Gesellschaft. Im Albtraum-Jahr 1984 finden die Menschen von King County manchmal im Wochentakt ihre Überreste. An einigen Stellen liegen drei, vier verrottete Skelette. Oder intakte Leichen, drapiert mit weit gespreizten Beinen. Die Ermittler glauben, dass der Täter sie weiter besucht. Trophäen des Grauens. Zu seiner Verfügung. Sie ziehen das FBI zur Unterstützung hinzu. Es ist die Zeit, in der Experten gerade begonnen haben, das Profiling zu entwickeln. Beim Green-River-Killer gehen sie von einem männlichen Weißen aus, der sich in der Gegend auskennt. Er gehe weder einer geregelten Arbeit nach, noch pflege er ein Familienleben.

Die Experten liegen in einem richtig: Der Mann kennt sich aus.

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Seine Stellen nannte er: "Cluster". Er suchte gern Orte aus, die er von fern schon erkannte. Einen Strommast. Einen Wasserturm. Manchmal ging er vorbei und nahm sie ein letztes Mal. Ohne, dass sie sich wehrten. Ohne, dass sie Ansprüche stellten. Umsonst. Er empfand das so: "Das war ein guter Tag, wenn ich von der Arbeit kam und Sex mit ihr hatte. Das ging aber nur ein oder zwei Tage. Bis die ... Bis die Fliegen kamen. Und ich beerdigte sie und deckte sie zu."

Er hasste es, wenn die Polizei einen Cluster aushob. "Es fühlte sich an, als würden sie mir etwas nehmen, etwas, das meins war, das ich da hingelegt hatte. Ich hatte die Kontrolle über sie, wenn ich sie tötete, und ich hatte die Kontrolle, wenn sie noch nicht gefunden worden war."

Ständig studierte er Landkarten und fuhr mit Matt durch die Gegend. Vorbei an den Clustern. Zum Baseball. Zum Zelten. Im Frühling, 1984 muss das gewesen sein, holte er heimlich ein paar Knochen von drei Ladys, packte das Zeug in den Pick-up und fuhr mit Matt auf einen Campingplatz in Tigard, Nähe Portland, Oregon. Wenn die Cops die Knochen in Oregon fanden, würden sie ihn vielleicht dort suchen. Während des Ausflugs zahlte er nur mit Bargeld. "Ich war stolz, dass mich die Cops nicht kriegten."

Mörder mit Macht.

Manchmal deponierte er Ohrstecker oder den Ring einer Lady in seinem Betrieb. Auf der Toilette. In der Halle. "Wenn eine Kollegin den Schmuck fand, wenn sie ihn trug ..." – er liebte das. Nur er ... Nur er wusste, woher der Ring stammte. Er saß dann im Aufenthaltsraum mit seiner Papiertüte, in der er immer sein Essen mitbrachte, blätterte in einer Zeitschrift über Trödel und freute sich.

Military Road, Auburn. Hier lebte er

Military Road, Auburn. Hier lebte er. Jedes zweite Wochenende besuchte ihn sein Sohn. Das Spielzeug beruhigte die Frauen. Er tötete sie, löschte das Licht und schaffte die Leichname durch die Haustür in den Pick-up.

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In der Nähe des Flughafens, gleich bei einem kleinen Baseball-Platz, finden sie die Überreste von Shawnda Summer, Cheryl Wims und einer Frau, die sie nicht identifizieren können.

Im Dezember 1984, inzwischen sind mindestens 48 Frauen dem Green-River-Killer zum Opfer gefallen, meldet sich eine Frau bei der Polizei. Sie gibt an, vor zwei Jahren vor einem Wahnsinnigen geflüchtet zu sein. Rebecca Garde Guay. Sie habe in seinem Portemonnaie einen Arbeitsausweis von der Firma Kenworth gesehen. Als sie die Fotosammlung mit den alten Verdächtigen durchsieht, zeigt sie auf: Gary Ridgway. Die Beamten sind unsicher. Er passt nicht zum FBI-Profil. Ridgway arbeitet seit Jahrzehnten verlässlich und gut im Schichtdienst. Er kümmert sich liebevoll um seinen Sohn, ist von schmächtigem Wuchs. Sie laden ihn trotzdem vor – zum Lügendetektor-Test. Das Gerät misst den Stress, den die Fragen der Ermittler auslösen.

Ridgway besteht. Ohne Zweifel. Entweder er ist unschuldig. Oder ein Psychopath.

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Dieses Detektor-Ding hat ihn nicht gestört. "Ich war nur ... (gähnt), ich war einfach entspannt. Ich meine, ich habe nicht geübt oder so. Ich habe entspannt die Fragen beantwortet. Die waren überhaupt nicht präzise. Ich weiß nicht, was die wollten." Danach fuhr er wieder nach Hause.

Irgendwann nach dieser Zeit lernte er Judith kennen. Sie machten Ausflüge mit dem Fahrrad, veranstalteten Garagenverkäufe, gingen spazieren, heirateten und zogen zusammen in ein neues Haus. Am Anfang waren die Nachbarn genervt. Gary hatte eine ganze Reihe schöner Bäume ... ja, hatte er abgeholzt. Aber dann pflanzte er Rhododendren, und immer wenn er im Garten arbeitete, das tat er oft, hielt er ein Schwätzchen. Der Druck ließ nach. Er kann nicht mehr sagen, wie viele Huren noch … eher keine mehr. Oder ... nicht mehr als zwei. Oder drei. Er hatte doch jetzt Judith. Und zwei Katzen und einen Pudel hatten sie auch.

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Es ist, als wäre er verschollen. Oder tot. Noch immer werden ab und an Skelette gefunden, aber Frauen verschwinden nicht mehr im Wochentakt. In Raum 1009 der Polizei von King County wird es einsam. Die Taskforce beendet ihre Arbeit. 1987 gerät noch einmal ein alter Bekannter ins Visier: Ridgway. Sie überprüfen Schichtpläne, Benzinrechnungen, 1982, 1983, 1984, er könnte passen. Sie durchsuchen sein Haus, nehmen seine Speichelprobe und frieren sie ein. Doch sie müssen ihn laufen lassen. Und so bleibt ihnen nichts als die vage Hoffnung auf die Wissenschaft. Vielleicht wird sie eines Tages so weit sein, winzigste DNA-Spuren zu finden und zu interpretieren. Noch ist sie es nicht.

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"Ich dachte, ich tue euch einen Gefallen, töten, Prostituierte töten"

Später, viel später sagte er einmal den Ermittlern: "Ich dachte, ich tue euch einen Gefallen, töten, Prostituierte töten, ihr könnt sie nicht kontrollieren. Aber ich kann. Ihr dürft niemanden verletzen. Ihr könnt das Problem nicht stoppen. Ich habe gemacht, was ihr nicht machen dürft. Ich hatte … ich hatte die Antwort."

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20 Jahre nach den ersten Morden kümmert sich noch ein einziger Beamter um das Vermächtnis des Green-River-Killers. Regalmeter voller Akten. Plastiktüten voller Müll. Er liest und sortiert. Eines Tages hört er, dass ein neues DNA-Testverfahren entwickelt worden sei. Er schickt die Speichelprobe von Ridgway und die vier DNA-Spuren, die sie an Opfern gefunden haben, an das Kriminallabor des Staates Washington. Wenige Tage später kommt das Ergebnis: Gary Ridgway ist der Killer vom Green River.

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Er war gerade fertig mit seiner Schicht, da standen sie auf dem Parkplatz und verhafteten ihn. Er sagte "okay". Und fragte, was jetzt mit seinem Auto passiere. Es war der 5. Dezember 2001.

In den ersten Wochen im Knast stritt er alles ab. Hatte er doch immer gesagt, dass er mit Prostituierten verkehrte, klar konnte man sein Sperma in Nutten finden. Er sagte Judith, dass alles ein Irrtum sei. Sie glaubte ihm. Aber die Technik … die Technik hat ihn fertiggemacht. Auf einmal konnten sie bei vier weiteren Ladys Farbpartikel nachweisen, von Sprayfarbe, die vor allem bei Kenworth benutzt worden war. Seine Anwälte sagten: Todesstrafe. Judith glaubte ihm nicht mehr. Seine Brüder und Matt waren verzweifelt. Da knickte er ein.

Der Deal mit dem Staatsanwalt: Ihm bleibt der Tod erspart, wenn er sich sechs Monate verhören lässt, die Cops zu noch unentdeckten Clustern führt und sich schuldig bekennt. Für 48 Ladys. Auch wenn es mehr als 60 gewesen sein könnten, sagte er ihnen, aber bitte, 48 waren sicher.

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48 Frauen. 48 Mal schuldig. 48 Mal lebenslänglich

Am Tag der Prozesseröffnung fragte der Richter:

Bekennen Sie sich schuldig des Mordes an Wendy Coffield? Und er erwiderte: Schuldig.

Marcia Chapman? Schuldig.

Cynthia Hinds? Schuldig.

Gisele Lovvorn ...

... 48 Frauen. 48 Mal schuldig. 48 Mal lebenslänglich.

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Vor der Urteilsverkündung musste er einen Tag lang den Worten Dutzender Familienangehöriger lauschen. Ihrem Hass. Ihren Tränen. Er hatte sich gut unter Kontrolle. Bis ein Mann mit weißem Rauschebart aufstand und sprach: "Sie machen es uns sehr schwer, das zu tun, was Gott verlangt. Gott sagt, man soll vergeben. Nicht nur bestimmten Menschen, sondern allen. Also sage ich: Ich vergebe Ihnen, Sir."

Da weinte er.

Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg