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Greifswald: Frau misshandelt ihr Baby schwer

In Greifswald hat eine Mutter ihr Baby schwer misshandelt. Die offenbar psychisch labile Frau brach dem Kleinstkind den Schädel; inzwischen wurde sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nach den Kindsmorden in Schwerin, Plauen und Darry wird weiter um Vorsorgeuntersuchungen debattiert.

Nur fünf Minuten hatte die Großmutter in Greifswald ihre Tochter und deren Baby alleingelassen. Die Zeit reichte aus, um dem Kind schlimmste Verletzungen zuzufügen. Nach Angaben der Stralsunder Staatsanwaltschaft hat die 20 Jahre alte, anscheinend psychisch gestörte Mutter in dieser kurzen Zeit ihren Sohn schwer misshandelt.

Dem Baby den Schädel gebrochen

Sie schlug dem kleinen Felix mit der Faust auf den Kopf. Dabei brach der Schädel des Jungen. Die Frau wurde nach der polizeilichen Vernehmung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie stehe unter dringendem Tatverdacht, ihr Kind misshandelt zu haben, sagte der Leitende Staatsanwalt in Stralsund, Martin Cloppenburg. Ob Anklage erhoben werde, soll nach einem psychiatrischen Gutachten entschieden werden.

Familiendramen erschüttern Deutschland

Der tragische Vorfall fällt in die bundesweit geführte Diskussion um vernachlässigte, misshandelte und getötete Kinder; zuletzt hatte ein Fall in Schleswig-Holstein für Aufsehen gesorgt, wo eine ebenfalls geistig gestörte Mutter ihre fünf Söhne tötete. Drei Wochen ist es her, dass in Schwerin Eltern die kleine Lea- Sophie verhungern und verdursten ließen.

Als Konsequenz aus dem Vorfall entschied das Greifswalder Jugendamt, sich künftig alle Kinder von auffällig gewordenen Eltern zeigen zu lassen. "Treffen wir die Eltern nicht mit allen Kindern an, haken wir sofort nach", sagte der Leiter des Jugendamtes, Dirk Scheer.

"Fall war nicht vorhersehbar"

Obwohl die in Papenburg beheimatete Mutter seit mehreren Wochen zunächst vom Jugendamt Papenburg und später vom Jugendamt Greifswald betreut wurde, konnten die Behörden den aktuellen Fall von Kindesmisshandlung nicht verhindern. "Dass die Mutter psychisch labil gewesen ist, haben wir nicht gewusst", erklärte Jugendamtsleiter Scheer. "Der Fall war nicht vorhersehbar gewesen", sagte auch der Greifswalder Sozialsenator, Ulf Dembski (SPD).

Diskussion um Vorsorgeuntersuchungen

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat sich angesichts der jüngsten Fälle von Kindstötungen für verstärkte Behördenbesuche bei Eltern ausgesprochen. Die Länder müssten dafür sorgen, dass die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder auch wahrgenommen würden. Sie ergänzte: "Das Kindeswohl muss uneingeschränkt Vorrang haben vor allem anderen."

Für Christoph Fusch, Professor für Neugeborenenmedizin an der Universitätsklinik Greifswald, sind Vorsorgeuntersuchungen dagegen nicht das geeignete Mittel. Vielmehr sei die Geburt der richtige Zeitpunkt, um eine eventuelles Hochrisikopotenzial zu erkennen. "Wenn wir Fälle wie in Greifswald verhindern wollen, müssen wir diesen Eltern so frühzeitig wie möglich eine Hilfe (...) zur Seite stellen", sagte der Mediziner.

Behörden hatten Maßnahmen ergriffen

Bereits vor zwei Monaten hatten die Ärzte in Papenburg eine Schädelfraktur bei dem Säugling festgestellt. Eine Misshandlung wurde nach Angaben des Landkreises Emsland nicht nachgewiesen. Die Behörden reagierten jedoch und wiesen die offensichtlich mit der Pflege überforderte Frau mit ihrem Kind in ein Mutter-Kind-Heim ein.

Langfristig - so der Plan der Ämter - sollte das Baby bei den Großeltern in Greifswald unterkommen. Ende November zogen die 20-Jährige und ihr Sohn nach Greifswald. Wenig später besuchte eine Jugendamtsmitarbeiterin die Wohnung. "Ich habe eine warme, gemütliche Atmosphäre mit einem liebevoll hergerichteten Kinderzimmer vorgefunden", erinnert sich Jana Erdtling.

Großmutter bemüht sich um Vormundschaft

Nach Angaben des Greifswalder Universitätsklinikums geht es dem Kind wenige Tage nach dem schrecklichen Vorfall den Umständen entsprechend gut. "Es wird nach jetziger Einschätzung keine nachhaltigen Schäden davontragen und kann in absehbarer Zeit das Klinikum verlassen", sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums, Claus Bartels.

Nach der Entlassung soll der Junge in die Obhut der Großeltern gegeben werden. Das Amt hat vom Vormundschaftsgericht bereits das Aufenthaltsbestimmungsrecht übertragen bekommen. Die Großmutter bemüht sich um das Vormundschaftsrecht. "Wir sehen das positiv", sagte Scheer. Die 41-jährige Oma hat bereits Elternzeit beantragt. "Ich mache das für meine Tochter und für meinen Enkel", sagte sie.

DPA / DPA