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Großrazzia bei den Hells Angels Polizei rückt den Rockern auf die Pelle


Sie begehen schwerste Straftaten und sind kaum unter Kontrolle zu bringen: Nun will die Polizei härter gegen die Hells Angels vorgehen. In drei Bundesländern gab es eine Großrazzia mit fast 1000 Polizeibeamten. Der Vorwurf: versuchter Mord.

Drogen, Prostitution, Waffen- und Menschenhandel, auch Mord und Totschlag: Die Liste der Straftaten der berüchtigten Rockergruppe Hells Angels ist lang. Aus Sorge um eine Eskalation in einem Bandenkonflikt folgte im Morgengrauen eine Razzia: 22 Wohnungen und vier weitere Gebäude der Hells Angels in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern wurden am Montag durchsucht, darunter zwei Bordelle, eine Gaststätte und ein Clubhaus der Rocker. Mehr als 900 Polizeibeamte und acht Staatsanwälte waren im Einsatz. Der Verdacht: Die Rocker planen einen Mordanschlag als Racheakt wegen eines Streits mit einem verfeindeten Club. Gegen zwei Mitglieder und einen Unterstützer der Gruppe wurden Haftbefehle erlassen. Die Ermittler stellten neun Schusswaffen sowie Macheten, Molotow-Cocktails und ein Samuraischwert sicher, außerdem Munition, Handys und Computer.

Ein derart großes Aufgebot gegen Rocker hat es in Baden-Württemberg noch nicht gegeben. Die Polizei greift offenbar härter durch, um die Bande endlich unter Kontrolle zu bringen. Hintergrund der Aktion vom Montag ist eine brutale Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Hells Angels und der Türstehervereinigung United Tribuns Ende November in Pforzheim. Dabei waren mindestens drei Bandenmitglieder verletzt worden, ein Hells-Angel erlitt schwere Verletzungen durch einen Messerstich.

Das Innenministerium von Baden-Württemberg will sich zur Razzia nicht äußern, verweist aber auf eine seit 2004 bestehende Konzeption zur Bekämpfung der Rockerkriminalität. "Der Erfolg in Pforzheim gibt uns Recht", sagte eine Ministeriumssprecherin in Stuttgart.

"Höllenengel" in den Schlagzeilen

Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Gewalttätige Auseinandersetzungen mit verfeindeten Rockergruppen und Ermittlungen wegen Drogen- und Waffengeschäften bringen die "Höllenengel" immer wieder in die Schlagzeilen. In spektakulären Prozessen wurden etliche Bandenmitglieder ins Gefängnis geschickt.

Die Hells Angels wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Ihr Emblem ist der geflügelte Totenkopf. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte, weltweite Organisation mit Mitgliedern in rund 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973. Regional wurden sie verboten, etwa in Hamburg.

Bundesweit etwa 90 kriminelle Rockerbanden

Das Bundeskriminalamt geht von bundesweit etwa 90 kriminellen Rockerbanden aus. Im vergangenen Jahr ermittelten die Behörden gegen etwa 880 Verdächtige der Rockerszene vor allem wegen Körperverletzungen, Erpressungen und Bedrohungen. Auch drei Tötungsdelikte aus der Szene wurden 2009 registriert.

In Baden-Württemberg gibt es vier größere Rockergruppierungen: der Gremium MC mit 390 Mitgliedern, der Hells Angels MC mit 250 Mitgliedern, der Outlaws MC mit 140 Mitgliedern und der Bandidos MC mit 20 Mitgliedern. Aussagen zur Mitgliederentwicklung sind wegen der "Abschottungsmechanismen" innerhalb der Gruppen nicht möglich, sagte die Sprecherin von Rech weiter.

Behörden rechnen mit Zunahme der Gewalt

Bundesweit rechnen Sicherheitsbehörden mit einer Zunahme gewalttätiger Auseinandersetzungen, antwortete Rech jüngst auf eine FDP-Landtagsanfrage. Verbote von Rockergruppierungen und ein erschwerter Zugang zu legalen Schusswaffen für deren Angehörige würden intensiv geprüft.

Der Einfluss der Rocker reicht offenbar bis weit nach oben - zumindest in Hessen. Eine Großrazzia gegen die Hells Angels am vergangenen Freitag brachte die Gewissheit, dass die Rockergruppe Informanten bei der hessischen Polizei hat. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte: "Die Sachverhalte sind klar und ziemlich eindeutig." Fünf Beamte sind suspendiert, weil sie entweder mit Informationen oder Drogen gehandelt haben sollen.

Tatjana Bojic/DPA DPA

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