HOME

Großrazzia bei Hells Angels in Kiel: Polizei vermutet Folterkeller

Nach der Razzia gegen die Hells Angels in Kiel kommen brisante Details ans Licht. So sollen die Rocker in einem Hinterhof eine Folterkammer betrieben haben. Die Suche nach der Leiche eines Türken geht derweil weiter.

Die Großrazzia der Polizei in Schleswig-Holstein gegen die Hells Angels scheint erste Ergebnisse eingebracht zu haben. Wie die "Kieler Nachrichten" berichten, könnten die Rocker auf dem Gelände einer KFZ-Werkstatt einen Folterkeller betrieben haben. Das Blatt beruft sich dabei auf den Anwalt des Hauseigentümers, der den Durchsuchungsbeschluss der Polizei eingesehen hat.

In dem Keller soll vor zwei Jahren der damals 47-jährige Türke Tekin Bicer mehrere Stunden misshandelt und anschließend getötet worden sein. Bisher wollten sich auf Anfrage weder Landeskriminalamt noch Staatsanwaltschaft zu dem Bericht äußern.

Die Leiche von Bicer wird derweil weiterhin gesucht. Die Polizei vermutet, dass der tote Körper des Mannes im Fundament einer Lagerhalle einbetoniert wurde. Am Freitagabend hatten dort Leichenspürhunde angeschlagen.

Gewaltiges Polizeiaufgebot

Mit einem gewaltigen Aufgebot von 1200 Beamten hatte die Polizei am Donnerstag in Norddeutschland zu einem Schlag gegen die Rockerkriminalität ausgeholt. Bordelle, Gaststätten und Wohnungen wurden seit dem frühen Morgen vor allem in Schleswig-Holstein durchsucht, aber auch in Hamburg und Niedersachsen. 89 Objekte waren betroffen. Schwerpunkt war der Großraum Kiel. Fünf führende Mitglieder der verbotenen Kieler Hells Angels wurden verhaftet. In Hannover wurde das Haus eines führenden Mitglieds der Hells Angels durchsucht.

Die Vorwürfe gegen die Rocker: Menschenhandel (Prostitution), Korruption, Körperverletzung und Waffenhandel - auch mit Rechtsradikalen. Eine Polizeisprecherin bestätigte der Nachrichtenagentur dpa Medienberichte, nach denen auch die Wohnung eines Kieler NPD-Ratsherrn durchsucht wurde. Hier geht es um den Verdacht, der Mann könnte von den Hells Angels eine Waffe gekauft haben. Insgesamt führt die Staatsanwaltschaft im Kampf gegen Rockerkriminalität fast 200 Ermittlungsverfahren gegen 69 Beschuldigte.

feh/DPA / DPA