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Großrazzia: Kreditkarten führen zu Kinderpornos

Mit Hilfe sämtlicher 22 Millionen deutscher Kreditkarten ist ein Netz von Kinderporno-Nutzern aufgeflogen. Gegen 322 Verdächtige aus dem ganzen Land wurde ermittelt. Sie hatten sich Zugang zu einer pädophilen Internetseite verschafft.

Im Kampf gegen Kinderpornographie im Internet sind in Deutschland alle rund 22 Millionen Kreditkarten überprüft worden. Auf Bitten der Ermittler hätten erstmals alle 14 deutschen Kreditkartenservicefirmen ihre Datenbestände auf eine verdächtige Zahlung im Sommer 2006 durchsucht, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD). In der Folge seien bundesweit 322 Beschuldigte ermittelt worden.

Keine Kundendaten

Polizei und Staatsanwaltschaft sollen nicht selbst Zugriff auf die Kundendaten gehabt, sondern lediglich auf die Informationen, die ihnen die Banken zur Verfügung gestellt haben. Insgesamt sind in Deutschland etwa 22 Millionen Kreditkarten im Umlauf.

Den pädophilen Männern wird vorgeworfen, sich durch eine Zahlung von 79,99 US-Dollar auf ein Konto im Ausland für 20 Tage Zugang zu einer illegalen Internetseite mit kinderpornografischem Material verschafft zu haben.

Die Beschuldigten in Deutschland seien überwiegend geständig, sagte Hövelmann. Sie stammten aus allen Bundesländern, seien überwiegend allein stehend und gut situiert. Bei Durchsuchungen stellten Beamte bundesweit umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Rechner sowie mehrere tausend Datenträger mit Kinderpornos sowie ausgedruckte Fotos.

Zahlreiches Beweismaterial sichergestellt

Laut des Innenministeriums wurden im Rahmen der Operation "Mikado" Wohnungen der Verdächtigen im nahezu allen Bundesländern durchsucht. Dabei hätten die Fahnder zahlreiches Beweismaterial sichergestellt, nicht zuletzt Bilddateien von sexuell missbrauchten Kindern. Für die Fotos bezahlt hätten die Pädophilen bei dem Internetportal mit Kreditkarten der Firmen Mastercard und Visa.

Der Anbieter der illegalen Internet-Seite konnte aber bislang nicht ermittelt werden. Die Spur verliere sich auf den Philippinen. Die deutschen Fahnder arbeiteten eng mit Ermittlern im Ausland zusammen.

Den Hinweis auf die Machenschaften der Verdächtigen erhielten die Fahnder vom Fernsehsender Sat1: Mitarbeiter der Magazinsendung "Akte" stießen bei Recherchen auf das Portal und schalteten daraufhin die Ermittlungsbehörden ein. Die Hintermänner der fraglichen Kinderpornoangebote konnten bislang noch nicht ermittelt werden. Zwischen drei Monate und fünf Jahren Haft sieht das Strafgesetzbuch für Verteilung, Erwerb und Besitz von kinderpornografischen Inhalten vor.

Ein spektakulärer Erfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie war den Fahndern in Sachsen-Anhalt bereits im Jahr 2003 gelungen. Bei einer Razzia, der Aktion "Marcy", ging ihnen nahe Magdeburg der Drahtzieher eines internationalen Pornoringes ins Netz. Die bei ihm entdeckten Daten führten die Ermittler auf die Spur von 26.500 Tatverdächtigen in 166 Ländern und zur Zerschlagung eines der größten internationalen Zusammenschlüsse von Kinderpornografie.

AP/Reuters / AP / Reuters