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Grubenunglück in der Türkei: Oberbürgermeister rät Erdogan zur Absage von Köln-Besuch

Die türkische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Manager des Unglücks-Bergwerks von Soma. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Derweil rüstet sich Köln für den Erdogan-Besuch am Wochenende.

Fünf Tage nach dem folgenschwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei hat die Staatsanwaltschaft Verfahren gegen drei Verdächtige wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Staatsanwalt Bekir Sahiner sagte Reportern am Sonntagabend in der westtürkischen Stadt Soma, die es handele sich um drei von insgesamt 25 Verdächtigen, die festgenommen wurden. Medienberichten zufolge gehört zu den Festgenommenen auch die Leitung des Zechenbetreibers.

Das Kohlebergwerk in Soma, wo sich das Unglück mit mehr als 300 Toten ereignete, war am Sonntag abgeriegelt. An den Zufahrtstraßen in die Stadt waren aus Furcht vor neuen Protesten gegen das Bergbauunternehmen Soma Kömür Isletmeleri und die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Straßensperren eingerichtet.

Kölner Polizei rüstet sich für Erdogan-Besuch

Angesichts der massiven Proteste in Soma bereitet sich die Polizei in Köln auf einen Großeinsatz vor. Erdogan wird zu einem umstrittenen Wahlkampfauftritt am kommenden Wochenende in der Domstadt erwartet. Zu Kundgebungen gegen den wegen seines Umgangs mit dem Bergwerksunglück in Soma in der Kritik stehenden Regierungschefs hätten sich bereits mehr als 10.000 Demonstranten angemeldet, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf die Behörden. Den womöglich größten Protest organisiere die Alevitische Gemeinde Deutschland.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) riet Erdogan indirekt, den Besuch abzusagen. "Für mich als verantwortungsbewusster Politiker wäre die Entscheidung angesichts der dramatischen und noch zu klärenden Ereignisse mit so vielen Toten klar - es gibt jetzt Wichtigeres, als reine Wahlkampftermine im Ausland wahrzunehmen", sagte er der Zeitung. Zuvor hatten bereits Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien den geplanten Auftritt kritisiert.

Erdogan will am kommenden Samstag in Köln zu in Deutschland lebenden Anhängern sprechen. Bei der türkischen Präsidentschaftswahl am 10. August können erstmals auch außerhalb der Türkei lebende Türken ihre Stimme abgeben.

dho/AFP/Reuters / Reuters