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Gruppenvergewaltigung in Neu-Delhi Jugendgericht vertagt Entscheidung über Zuständigkeit


Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht: Im Prozess um eine brutale Gruppenvergewaltigung in Neu-Delhi ist weiterhin unklar, wie ein zur Tatzeit angeblich Minderjähriger behandelt werden soll.

Ein Jugendgericht in Neu-Delhi hat ein Urteil zur Zuständigkeit im Falle eines 18-jährigen Inders vertagt. Der Mann wird beschuldigt an einer Gruppenvergewaltigung Mitte Dezember teilgenommen zu haben, die weltweit für Entsetzen sorgte und in Indien zu tagelangen Protesten führte. Laut der "Times of India" hätte der Mann am Donnerstag erfahren sollen, ob Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht in seinem Fall angewendet werden soll. Die Entscheidung wurde nun auf den 25. Juli verschoben. Kurz nach der Tat war es den Behörden nicht gelungen, das tatsächliche Alter des Teenagers festzustellen. Mittlerweile wird er allerdings volljährig angegeben.

Das potentielle Strafmaß unterscheidet sich im indischen Recht bei schweren Straftaten dramatisch. Während die volljährigen Verdächtigen Ende Juli oder Anfang August zum Tode verurteilt werden könnten, drohen dem jungen Mann höchstens drei Jahre Haft in einer Erziehungsanstalt, wenn das Jugendstrafrecht bei ihm angewendet wird. Die Verteidiger des 18-Jährigen sehen keine Beweise für seine Beteiligung an der Tat. Warum die Einschätzung der Zuständigkeit so plötzlich vertagt wurde, war zunächst unklar.

Für die fünf eindeutig volljährigen Beschuldigten wurde aufgrund des öffentlichen und politischen Drucks ein Schnellverfahren eingeleitet. Erst am Donnerstag sagte einer der Angeklagten vor Gericht aus. Der Mann gab zu in dem Bus gewesen zu sein, er habe aber nichts mit der Vergewaltigung zu tun, er habe lediglich den Bus gefahren. Der Hauptangeklagte in dem Fall wurde im März erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

Die herzlose Nation

Laut der "Times of India" hat das Jugendgericht sechs Zeugen der Anklage gehört, unter anderem den männlichen Begleiter der jungen Frau, der mit einer Eisenstange niedergeschlagen wurde und ebenfalls schwere Verletzungen erlitt. Das Vergewaltigungsopfer starb fast zwei Wochen nach dem Vorfall in einer Spezialklinik in Singapur an seinen schweren inneren Verletzungen.

Der Fall stellt in der indischen Gesellschaft eine Zäsur dar. Tagelang protestierten Hunderttausende Frauen und Männer gegen das Wegschauen von Politikern sowie gegen korrupte Polizisten und Gerichte. Erste Auswirkung dieses und weiterer bekanntgewordener Fälle ist eine deutliche Zurückhaltung ausländischer Touristinnen.

Die in Hongkong ansässige Menschenrechtsorganisation Asian Human Rights Commission bezeichnete Indien in einem aktuellen Bericht als "herzlos" gegenüber Frauen. Demnach würden statistisch für jede arbeitstätige Frau, zwei Frauen während ihres Lebens misshandelt, während ihrer Kindheit missbraucht, im Streit über eine Aussteuer verbrannt oder nach der Geburt getötet.

Oliver Noffke mit DPA

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